Die Begegnung am Mittwoch in Dinkelsbühl hat Calvin und Marlon Meiser sehr berührt. In einem Drogeriemarkt trafen sie auf einen älteren Mann, der mit seinem Rollator vor einem leeren Toilettenpapier-Regal stand. Er komme seit Tagen vergeblich her, sagte er ihnen. „Wie kann es sein, dass wir auf der anderen Seite mehrmals in den letzten Tagen Posts in sozialen Medien sehen, auf denen jüngere Menschen stolz Bilder von ihren Hamsterkäufen mit Einkaufswagen voller Toilettenpapier und Ähnlichem teilen?“, fragen sie sich. Warum auch immer scheint Klopapier derzeit ein kostbares Gut in Deutschland zu sein.

Die Generation, die einmal Verantwortung übernehmen soll

„Man sollte nicht nur an sich denken“, findet Marlon Meiser, 21. Sein Bruder Calvin ist 22. Ihr Vater Thomas ist einer der beiden Geschäftsführer der gleichnamigen Hotels in Neustädtlein und Dinkelsbühl sowie eines Cafés, der andere ist ihr Onkel Armin. Mit den jungen Männern wächst die nächste Generation heran, die einmal Verantwortung übernehmen soll. Calvin Meiser studiert Hotel- und Gastronomiemanagement, Marlon Meiser Unternehmertum.

Meisers haben viel Klopapier auf Lager

Man kann es sich gut vorstellen, dass die Corona-Krise nicht spurlos an der Familie vorübergeht. „Für uns ist das eine Katastrophe“, betonen die beiden. Es sei „viel, viel weniger los“. Mit Gutscheinverkauf und Lieferservice versuchen die Meisers Schlimmeres zu verhindern. Aber: „Wir haben so viel Klopapier im Keller. Das muss nicht sein, dass das bei uns steht.“

Lieferung an bedürftige Senioren

Die Idee war, das nicht benötigte Klopapier für die Hotels und das Café an bedürftige Senioren zu verschenken, Lieferservice inklusive. Insgesamt handelte es sich um drei Paletten. „Wir wollten schauen, ob man damit vielleicht ein paar Leuten helfen kann“, so sagt es Marlon Meiser.

Kurze Rücksprache mit Vater und Onkel, dann setzten sie den Klopapier-Post über die Facebook-Seite vom „Vital Hotel Meiser“ ab. „Es mag ein Tropfen auf dem heißen Stein sein, aber selbst wenn wir nur einem Menschen mit dieser Aktion ein Lächeln schenken können, hätte sie sich bereits gelohnt“, heißt es darin, und am Ende: „Halten Sie zusammen, unterstützen Sie Ihre Mitmenschen, wie es Ihnen möglich ist.“

Die Resonanz war und ist riesig. Marlon Meiser ahnte schon nach 50 Sekunden und 23 Likes, dass sich da etwas anbahnen könnte. Die Aktion sorgte schließlich für einen Candy­storm. Bis gestern erreichten die Brüder mit ihrem Post mehr als 80 000 Personen, er wurde fast 700 Mal geteilt. Dazu gab es 2800 Likes und 300 Kommentare. Eine Nachricht über Facebook-Messenger genügte, um einen Bedarf anzumelden.

100 Senioren erhalten Klopapier

Am Donnerstag und Freitag lieferten Calvin und Marlon Meiser aus. Der Kofferraum des Autos war mehr als einmal voll mit Klopapier. Insgesamt steuerten sie im Umkreis von Dinkelsbühl, Fichtenau und Crailsheim 100 Senioren an. Maximale Abgabemenge: zwei Packungen à acht Rollen.

Der erste Halt überhaupt ist am Donnerstag in Crailsheim. Eine ­ältere Frau mit Stock kann ihr Glück kaum fassen. Ihre Tochter fuhr in dieser Woche durch halb Crailsheim, um Klopapier zu ergattern – vergeblich. Als sie den Post sah, dachte sie sich: Da muss ich unbedingt hinschreiben.

Im Weggehen wünscht die ältere Frau den jungen Männern „Gottes Segen und Gottes Schutz“ und drückt ihnen eine Packung Pralinen in die Hand. Calvin und Marlon Meiser bleiben eine Weile unten auf der Straße stehen und wundern sich, was zwei Packungen Klopapier mit den Menschen machen. „Tolle Aktion“, ruft plötzlich eine Passantin und hebt den Daumen, „macht weiter so“. Kann nur sein, dass das Klopapier schon alle ist.