Ellwangen/Hall 1,5 Millionen Euro vom Hilfsfonds für die BAG Ellwangen

Die Frühvermarktung von Getreide bei der BAG Ellwangen liege unter den Vorverträgen des Vorjahres. Die Nachbargenossenschaft gleicht derzeit einem zarten Pflänzchen, das behutsam und mit fremder Hilfe wieder aufgepäppelt werden soll.
Die Frühvermarktung von Getreide bei der BAG Ellwangen liege unter den Vorverträgen des Vorjahres. Die Nachbargenossenschaft gleicht derzeit einem zarten Pflänzchen, das behutsam und mit fremder Hilfe wieder aufgepäppelt werden soll. © Foto: Peter Schiele
GERHARD KÖNIGER 03.05.2013
Durch kriminielle Manipulation ist die Bezugs- und Absatzgenossenschaft (BAG) Ellwangen in Schieflage geraten. Aus dieser könnten auch 1,5 Millionen Euro aus dem nationalen Hilfsfonds helfen.

Der Interims-Geschäftsführer der BAG Ellwangen, Wolfgang Schenk, und der Geschäftsführer der BAG Hohenlohe, Michael Eißler, sehen die Genossenschaft auf einem guten Weg.

Nachdem bereits der landesweite Hilfsfonds der Genossenschaften eine Million Euro als verlorenen Zuschuss an die BAG Ellwangen überwiesen hat, fließen nun vom nationalen Hilfsfonds zusätzlich 1,5 Millionen Euro. Der Betrag ist vorläufig ein Darlehen. Wenn Vorgaben erfüllt werden, kann er teilweise zu einem verlorenen Zuschuss werden, meinte Eißler.

Wolfgang Schenk teilte mit, dass rund 40 Prozent der Mitglieder die Volleinzahlung ihrer Geschäftsguthaben bereits vorgenommen haben. Die Volleinzahlung war bei einer außerordentlichen Generalversammlung beschlossen worden und ist für alle Mitglieder bindend.

Einige Genossenschafter hätten zwar ihre Mitgliedschaft beendet, jedoch deutlich weniger als Vorstand und Geschäftsführung befürchtet hatten. Schenk konnte die genaue Zahl nicht nennen, meinte jedoch man werde wohl etwas über zehn Prozent der Mitglieder verlieren.

Der Agrarbezug, der seit dem Ende vergangenen Jahres eingebrochen war, habe sich in den vergangenen Wochen erholt. Die Frühvermarktung von Getreide liege allerdings unter den Vorverträgen des Vorjahres.

Eißler und Schenk gehen davon aus, dass nach der Generalversammlung im Juni das Vertrauen der Landwirte in die BAG Ellwangen wieder hergestellt sein wird und die Getreideerfassung ähnliche Mengen wie in den Vorjahren erreicht. "Wir haben wieder eine stabile finanzielle Basis und sind ein verlässlicher Handelspartner", sagte Schenk. Bei Getreidelieferungen bleibe die Ware ohnehin bis zur Bezahlung Eigentum des jeweiligen Landwirts.

Mögliche Fusion mit Hohenlohe wird genau geprüft

Auch die verbliebenen Mitgliederdarlehen in Höhe von 2,8 Millionen Euro seien keine große Belastung mehr. Es sei ohnehin nur ein Teil davon gekündigt worden. Eine kleinere Summe werde 2013 noch fällig, weitere Beträge erst im Jahr 2014.

Die BAG Ellwangen habe sich stabilisiert, man stelle sogar wieder Mitarbeiter ein. Gesucht werden derzeit Lehrlinge und Monteure unter anderem im Maschinenservice. In der Werkstatt, insbesondere im Bereich automatische Melkanlagen, verspricht sich Schenk gute Perspektiven.

Noch im Juni werde man bei einer Generalversammlung das Rechnungsergebnis 2012 präsentieren und über die geplante Fusion mit der BAG Hohenlohe informieren. Bei einer zweiten außerordentlichen Versammlung soll noch im Juni darüber abgestimmt werden.

Von Seiten der BAG Hohenlohe werden Vorstand und Aufsichtsrat über die Fusion beraten und gegebenenfalls in der zweiten Junihälfte bei der ordentlichen Generalversammlung den Mitgliedern zur Abstimmung stellen.

"Wir werden die Zahlen und die gesamte Situation genau prüfen und dann entscheiden, ob die Fusion für unser Unternehmen zukunftsträchtig ist", meinte Michael Eißler.