Industrie Womöglich mit dem Segen des Heiligen Vaters

Burladingen / Matthias Badura 08.09.2018
Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, besuchte die Burladinger Firma Trigema.

Ob das alles so stimmt?“, fragte sich Bundesentwicklungsminister Gerd Müller eigenen Eingeständnis zufolge, wenn er Berichte über die Firma Trigema im Fernsehen verfolgte und die Schilderungen des Firmenchefs Wolfgang Grupp hörte. Am Freitag überzeugte sich der Minister vor Ort, ob das Burladinger Textilunternehmen seine Waren wirklich ausschließlich am Standort Deutschland fertigt, ob die Produktion nachhaltig ist, oder ob hier nicht doch auf Kosten der Umwelt und auf Kosten von Menschen in Entwicklungsländern produziert wird.

Das Willkommen, das Familie Grupp dem CDU-Politiker bereitete war herzlich. Nicht gar so verwunderlich, wenn man weiß, dass sich die Grupps und Müller schon kürzlich bei einer Konferenz in Rom kennengelernt haben. In deren Verlauf kam die Einladung an Müller zustande. Und das womöglich sogar mit dem Segen des Heiligen Vaters! Wie einer der Referenten des Ministers beim Rundgang durch die Firma beiläufig erzählte, hätten sein Chef und der Burladinger Unternehmer gemeinsam an einer Privataudienz des Papstes teilgenommen. Auch dort sei es um das Thema Nachhaltigkeit gegangen.

Der hohe Besucher aus Berlin – Heimatwahlkreis Oberallgäu – zeigte sich während der Betriebsbesichtigung angetan, stellte viele Fragen, die ihm der Hausherr und seine Familie sowie Angestellte ausführlich beantworteten.

Ob Minister Müller allerdings Wolfgang Grupp für das von ihm gegründete „Bündnis für nachhaltige Textilien“ zurück gewinnen konnte, war gestern nicht zu erfahren. Grupp gehörte dem Bündnis zunächst an, hat es aber vor geraumer Zeit verlassen. Jedoch, wie Trigema-Unternehmenssprecherin Nicole Thomann erklärte, ausschließlich deshalb, weil ihm der Verwaltungsaufwand, das regelmäßige Erbringen der Nachweise, dass tatsächlich nachhaltig produziert wird, überflüssig groß erschienen sei.

Verbesserungen in der Textilindustrie

Zusammenschluss Das „Bündnis für nachhaltige Textilien“ oder „Textilbündnis“ ist eine Partnerschaft von rund 150 Unternehmen, Verbänden, Gewerkschaften, weiteren Organisationen sowie der deutschen Bundesregierung. Die Akteure haben sich im Oktober 2014 auf Initiative Gerd Müllers zusammengeschlossen, um Verbesserungen in der Textilindustrie zu erreichen. Dabei geht es vor allem um die Lebensbedingungen von Textilarbeitern in Entwicklungsländern, um Kinderarbeit, mangelhaften Arbeitsschutz oder zu geringe Löhne.

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