Sonnenbühl Wie weht der Wind 140 Meter über der Alb?

Spatenstich für den Windmessmast (von links): Harald Rudolph (Sowitec-Geschäftsführung), Förster Andreas Hipp, Bürgermeister Uwe Morgenstern, Frank Hummel (Sowitec-Geschäftsführung) sowie Projektleiter Willem Salge.
Spatenstich für den Windmessmast (von links): Harald Rudolph (Sowitec-Geschäftsführung), Förster Andreas Hipp, Bürgermeister Uwe Morgenstern, Frank Hummel (Sowitec-Geschäftsführung) sowie Projektleiter Willem Salge. © Foto: Reiner Frenz
Sonnenbühl / REINER FRENZ 18.08.2014
Auf dem dritthöchsten Punkt im Landkreis Reutlingen, dem 872 Meter hohen Hochfleck bei Undingen, errichtet die Sonnenbühler Firma Sowitec in dieser Woche einen 140 Meter hohen Windmessmast.

Wie weht der Wind auf exponierten Flächen der Alb in 140 Meter Höhe? Auf diese Frage gibt es bislang keine präzise Antwort, zu ungenau, zu pauschal sind die Daten, die der Windatlas Baden-Württemberg liefert. Deshalb kann auch niemand mit Sicherheit sagen, ob sich geplante Windparks wie der auf dem Undinger Hochfleck tatsächlich rentieren werden.

Das soll anders werden. Ein 140 Meter hoher Windmessmast soll dafür sorgen, dass möglichst genaue Rückschlüsse auf die zu erwarteten Erträge der dort geplanten Windkraftanlagen gezogen werden können. Am Donnerstag kam es auf dem Berggipfel zum Spatenstich für diesen Masten, dessen Errichtung 200 000 Euro verschlingt. Bauherr ist die Sonnenbühler Firma Sowitec, die auch den wesentlich kleineren Windpark auf dem Melchinger Himmelberg betreibt.

Sowitec-Geschäftsführer Frank Hummel erinnerte daran, dass seine Firma im nächsten Jahr bereits auf eine 20-jährige Geschichte zurückblicken könne. (1995 wurde auch der Melchinger Windpark in Betrieb genommen.) Man habe in dieser Zeit mehr als 30 Windprojekte geplant und gebaut, allerdings gehe seit zehn Jahren in Baden-Württemberg praktisch nichts mehr, weshalb man die Geschäfte auch ins Ausland verlagert habe, etwa nach Lateinamerika oder Russland. Allein in Lateinamerika habe die Firma Sowitec, die inzwischen mehr als 200 Mitarbeiter beschäftige, mehr als 500 Windkraftanlagen realisiert, insgesamt seien gut zwei Milliarden Euro investiert worden.

Der Bau des Windmessmasten zeige, dass es jetzt auch im Land mit der Windenergienutzung losgehe, so Hummel. Er bezweifelte jedoch, dass das propagierte Ziel von zehn Prozent Strom aus Windenergie bis zum Jahr 2020 erreicht werden könne. Dazu müssten 1200 Anlagen gebaut werden. Bis zu sieben könnten es auf dem Hochfleck werden.

Der Windmessmast werde mit seinen 140 Metern Höhe höchstes Bauwerk nicht nur im Landkreis Reutlingen sein, sondern in der ganzen Region, und das zwölf Monate lang. Seine Höhe entspreche der Nabenhöhe der geplanten Anlagen.

Der Hochfleck ist nach langem Verfahren als Vorrangfläche ausgewählt worden. Hummel rechnet mit dem Bau der Anlagen im Jahr 2016. Wichtig ist ihm, dass sich jeder Bürger der Gemeinde an den Anlagen beteiligen könne. Damit die Investoren später die Sicherheit hätten, dass der versprochene Ertrag auch erzielt werden könne, werde jetzt der Mast aufgestellt.

Der Sonnenbühler Bürgermeister Uwe Morgenstern erinnerte daran, dass viele Interessen zusammengebracht werden mussten, um den Windpark angehen zu können. Noch seien nicht alle Hürden überwunden und auch noch nicht klar, wie viele Anlagen tatsächlich gebaut würden. Er bezeichnete es als Glücksfall für die Gemeinde, dass im Ort ein Windparkentwickler sitze, der vor seiner Haustür sicher nur etwas realisieren werde, von dem er zu hundert Prozent überzeugt sei.

Förster Andreas Hipp informierte, dass für die jetzt verlorengehenden Flächen - es mussten drei Schneisen für die Abspannung durch Stahlseile geschlagen werden - Ausgleich geschaffen werde. Während der Aufbauarbeiten in den nächsten Tagen werde der Wald um den Hochfleck aus Sicherheitsgründen gesperrt. Interessierten empfahl er, die Arbeiten vom Kalkstein aus zu beobachten.

Die werden mit Sicherheit spektakulär werden, weil der Aufbau mit Hilfe von Hubschraubern bewerkstelligt wird, wie Projektleiter Willem Salge mitteilte. Errichtet wird der 140 Meter hohe Mast von der Firma Meventus. Dank des Hubschraubers würden die Auswirkungen auf die Natur minimiert, wäre sonst doch die Schaffung von befestigten Wegen für Lastwagen nötig gewesen. Vorbereitend wurden die zehn je drei Tonnen schwere Fundamente vergraben. Im geplanten Windpark sollen bis zu sieben Anlagen mit 140 Meter Nabenhöhe und einem Rotordurchmesser von 135 Metern sowie einer Leistung von drei bis 3,5 Megawatt errichtet werden. Eingespeist in das 110kV-Netz wird der Strom laut Salge über ein eigenes Umspannwerk auf der Haid.

Bei einer erwarteten durchschnittlichen Windgeschwindigkeit von sechs bis 6,5 Metern pro Sekunde würden jährlich rund 45 Millionen Kilowattstunden erzeugt, was der Versorgung von immerhin 12 000 Haushalten entspräche und mehr als 30 000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr einsparen würde.

Und Burladingen?

Einst Pionier Lang ist es her, dass Burladingen Pionier in Sachen Windkraftnutzung war. Vor 19 Jahren - im Herbst 1995 - nahm die Firma Sowitec auf dem Melchinger Himmelberg den ersten Windpark in

Baden-Württemberg in

Betrieb.

Heute zögerlich Seither tut sich Burladingen schwer mit der Windkraft. Gleich mehrere Anläufe zu einem zweiten Burladinger Windpark sind in den vergangenen Jahren gescheitert. Doch die grün-rote Landesregierung macht jetzt Druck: Die Kommunen sind gezwungen, der Windkraftnutzung auf ihrer Gemarkung hinreichend Raum zu geben. Um Wildwuchs zu vermeiden, stellt die Stadt derzeit einen Teilflächennutzungsplan Windkraft auf, in dem mögliche Standorte festgelegt werden.

Drei mögliche Gebiete Der Plan, der noch bis zum 8. September öffentlich ausliegt, setzt auf drei "Konzentrationszonen Windkraft": "Telle" westlich von Stetten, "Ringelstein" südöstlich von Ringingen und "Küche" in der Nähe des gleichnamigen Weilers auf der Hochfläche östlich von Hermannsdorf. Der Standort "Küche" wird von

einer Bewohner-Initiative bekämpft.

HY

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel