Ringingen Wie Ringingen zum Luftwaffenstandort wurde

Karl-Moritz Kraus, im karierten kurzärmligen Hemd, erläutert das Modell der Nachtjagdstellung „Hecht“, die einst vor den Toren Ringingens lag. Die Teilnehmer der 6. Burladinger Cool-Tour waren beeindruckt, einige Ältere konnten sich noch an die Anlage erinnern.
Karl-Moritz Kraus, im karierten kurzärmligen Hemd, erläutert das Modell der Nachtjagdstellung „Hecht“, die einst vor den Toren Ringingens lag. Die Teilnehmer der 6. Burladinger Cool-Tour waren beeindruckt, einige Ältere konnten sich noch an die Anlage erinnern. © Foto: Eugen Leibold
Ringingen / Eugen Leibold 13.06.2018
Die 6. Burladinger Cool-Tour eröffnete auf dem Ringinger Nähberg und in der alten Molke erstaunliche Einblicke.

Bei der sechsten Burladinger Cool-Tour waren knapp 60 Teilnehmer dabei. Nach zwei Jahren Tour-Pause ging es dieses Mal mit dem Bus vom Fehlaquelltopf nach Ringingen; zunächst zur Burgruine auf dem Nähberg, dann in die ehemalige Molke, wo eigens das Modell der Stellung „Hecht“ für die Besucher aufgebaut war, von dort weiter zur Marienkapelle und schließlich in den „Saalbau“, wo eine Filmvorführung wartete.

Begrüßung am Turm

An der Ringinger Burgruine begrüßte der Ortschafts- und Stadtrat Karl-Moritz Kraus die Teilnehmer sowie die beiden Tour-Organisatoren, Hubert Pfister und Hubert Kienzle. Karl-Moritz Kraus ist der derzeit beste Kenner der örtlichen Burggeschichte und er verstand es, die Besucher mit seinem Vortrag zu fesseln. Es ging dabei nicht nur um die mittelalterliche Geschichte „Hohenringingens“, sondern auch um die Renovierungen in jüngerer Zeit. Kraus würzte seinen Vortrag mit vielen Lach- und Schmunzelanekdoten. Die Mehrzahl der Besucher nahm anschließend die Gelegenheit wahr, die Aussicht vom Turm auf das Heufeld und das Albvorland zu genießen.

Lange nicht mehr oben gewesen

Tatsächlich waren viele der Teilnehmer – sie kamen überwiegend aus Burladingen, nur zum kleineren Teil aus anderen Ortschaften und aus Ringingen – schon Jahrzehnte nicht mehr dort oben gewesen. Das konnte man den begeisterten Kommentaren entnehmen.

Nach der  gut einstündigen Exkursion ging es in die Ortsmitte, wo sich die Gruppe aufteilen musste. In der Molke war die Nachtjagdstellung „Hecht“ als Modell aufgebaut. Die Nachtjagdstellung, machte Kraus deutlich, war eine „High-Tech-Anlage“, die das verschlafene Ringingen ab 1943 mit der Moderne konfrontierte – und mit dem Krieg, der bis dato so fern gewesen war.

Historische Bilder der Royal Air Force und damals verbotene Aufnahmen der Stellungsbewohner rundeten den Vortrag in der Molke ab.

Lustig in der Getränkescheuer

Während die eine Gruppe Kraus zuhörte, erfrische sich die andere gegenüber in der „Getränkescheuer“ von Hans-Ludwig Steinhart, dann wechselte man.

Letzte Ringinger Station war das Kleinod des Dorfes, die Marienkapelle, in der Gerhard Stotz als Referent Karl-Moritz Kraus nicht nachstand. Auch er verstand es faktenreich, doch zugleich unterhaltsam und humorvoll zu erzählen. Im Hintergrund stand Helmut Unmuth, der wohl beste Kenner der Gesamtgeschichte des Dorfes, und spielte ihm die Bälle zu, fügte Ergänzungen an.

Am meisten beeindruckt hat die Zuhörer sicherlich, dass an den um 1760 gefertigten Deckengemälden des Kirchenmalers Franz-Ferdinand Dent damalige Dorfbewohner und Teile des Dorfes abgebildet sind. Ein Zeitfenster ins historische Ringingen also!

Erinnerungen werden wach

Zum eigentlich geplanten Besuch der Überreste des Stellung „Hecht“ vor den Toren des Dorfes – es handelt sich um ein Wasserreservoir  – reichte es dann zeitlich nicht mehr. Mit dem Bus ging’s nach Burladingen in den Saalbau, wo Erwin Ritter den Originalfilm von der Stadterhebung 1978 vorführte und Heinz Hess eine Bilderschau alter Burladinger Fotos und Postkarten zeigte.

Wie immer bei der Cool-Tour wurden angesichts der historischen Bilder Erinnerungen und Emotionen wach, und man diskutierte munter. Das Bewegendste dürfte aber doch der Stadterhebungsfilm gewesen sein. Trotz mancher technischen Mängel vermittelt er einen tiefen Eindruck vom Hochgefühl der Festtage.

Die Organisatoren und Referenten bedankten sich abschließend – beim Publikum, bei den Helfern im Hintergund und bei Ludwig Schülzle, der den längst geschlossenen „Saalbau“ für die Filmvorführung geöffnet hatte.

Wie in alten Zeiten

Schon allein das Gefühl, wieder einmal in der Wirtsstube des Traditionsgasthauses sitzen zu können, war Nostalige pur.

Nur von einer kurzen Lebensdauer

Hecht In der Nachtjagdstellung Hecht wurden im Zweiten Weltkrieg heranfliegende Feindverbände geortet und eigene Jäger an sie herangeführt. Die Stellung im „Mettwinkel“ existierte von 1943 bis 1945. Heute ist von der einstigen High-Tech-Anlage fast nichts mehr übrig. 

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