Burladingen Aus der Zeit der Stadterhebung

Burladingen / Matthias Badura 29.08.2018
Erwin Ritter zeigte auf Einladung der Burladinger Kolpingsfamilie den Stadterhebungsfilm von 1978.

Das ist Landrat Lazi“, „Da hinten steht Paul Büchler“, „Der da ist der Alt-Lindenwirt Johann Graf“, „Siehst du den am Stand? Das muss Willy Gastel sein“, „Rechts im Bild ist Anton Flaiz“ – unwillkürlich riefen immer wieder einzelne der 60 Besucher am Montagabend im Burladinger Pfarrsaal die Namen, wenn sie Bekannte oder Prominente im Stadterhebungsfilm von 1978 auf der Leinwand erblickten. Zum einen Teil taten sie das, um ihre Kennerschaft zu beweisen, nach dem Motto: „Ich war auch dabei!“. Zum anderen Teil, weil sie sich über das Wiedersehen ehrlich freuten. Viele derer, die in der von Lothar Möller gedrehten Dokumentation zu sehen sind, leben längst nicht mehr. Mindestens einer der Abgebildeten saß hingegen lächelnd mit im Saal: Alt-Rektor Balthas Mauz.

Gekommen waren zu der Vorführung fast ausschließlich Mitbürger (aus allen Ortsteilen), die zur Zeit der Stadterhebung schon Erwachsene waren, die diese Zeit aktiv, teils gestaltend miterlebt haben. Man hätte erwarten können, dass auch Mitbürger kommen, die damals ihre Jugend verlebten. Die politischen Vorgänge und die Empfänge der Honoratioren haben sie nicht miterlebt, aber ganz sicher waren sie beim großen Stadtfest dabei, das im Film zu sehen ist. Sie müssen dabei gewesen sein, denn an den beiden Tagen tummelten sich Tausende in der Burladinger Hauptstraße. Wie gesagt, diese Jahrgänge waren am Montag nicht vertreten.

Trotz seiner Schwächen, was die Qualität anbelangt, ist Möllers Super-8-Film ein eindrückliches Dokument. Er spiegelt die Hochstimmung wieder, die damals in Burladingen herrschte, er macht deutlich, wie viel Mühe, aber auch Freude in die Feierlichkeiten gesteckt wurde. Zudem zeigen die Aufnahmen ein Stück Alt-Burladingen, das es nicht mehr gibt. Wenn sich auch das Straßenbild zu seinem Vorteil gewandelt hat, der Anblick der geduckten Häuschen oder der vormaligen Stadtpost rufen doch persönliche Erinnerungen hervor.

Erwin Ritter, der den Film vorführte, berichtete über dessen Entstehung, wie er gedreht und vertont wurde. Natürlich durfte die Anekdote nicht fehlen, wie Innenminister Lothar Späth bei der Übergabe der Stadturkunde ein Versprechen gab, das ihm die Nautle dann ein paar Jahre danach, als er Ministerpräsident war, in Form einer Tonaufzeichnung unter die Nase  hielten. Späth hatte bei der Abreise versprochen, bei „gemütlicherer“ Gelegenheit zurückzukehren. Bei einem Empfang in Stuttgart nahmen ihn die Nautle beim Wort und verpflichteten ihn zur Übernahme der Schirmherrschaft des ersten großen Burladinger Ringumzugs.

Nach der Vorführung blieben noch einige der Zuschauer und schwelgten bei Bier und Viertele in Erinnerungen. Das war’s. Ein Fest zur Erinnerung an 1978 wird es in Burladingen bekanntlich nicht geben. Anders als in Meßstetten. Dort feierten die Bürger am Wochenende die 40. Wiederkehr der Stadterhebung ganz groß. An ihrer Spitze: Bürgermeister Frank Schroft, ein Sohn der Stadt Burladingen.

Daten zur Erhebung und zum Film

Stadterhebung Burladingen erhielt in der Nacht vom 30. Juni auf 31. Juli 1978 das Stadtrecht. Die Erhebungsurkunde überreichte Innenminister Lothar Späth am 5. August 1978. Die Ausstellung zur 1200-jährigen Burladinger Geschichte eröffnete am 10. August. Das Stadtfest wurde am 12. und 13. August 1978 gefeiert.

Dokumentation Den Super-8-Film zur Stadterhebung drehte der Fotografenmeister Lothar Möller im Auftrag des Rathauses. Erwin Ritter, damals Mitarbeiter der Stadtverwaltung, wirkte an der Vertonung mit, verfasste zudem mit Bürgermeister Peter Höhnle die Zwischentexte.

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