Burladingen/Albstadt / MATTHIAS BADURA Da hat das Trigema-Luftschiff beim Degerfelder Flugplatzfest doch dem einen oder anderen Teilnehmer mit seiner rasenden Kiste fast die Schau gestohlen!

Da hat das Trigema-Luftschiff beim Degerfelder Flugplatzfest doch dem einen oder anderen Teilnehmer mit seiner rasenden Kiste fast die Schau gestohlen!

Obwohl das Programm am Samstagabend schon beendet war und obwohl das Eintreffen des Luftschiffs fast unbemerkt vor sich ging, strömten zahlreiche Neugierige in den oberen Bereich des Flugplatzfeldes, wo der Aufbau stattfand. Unbemerkt? Ja, beinahe unbemerkt rollte das Luftschiff in einem Anhänger verpackt daher: Die Gondel misst nicht viel mehr als zwei Meter, und der Sack mit der Außenhülle könnte vom Umfang her auch ein mittelgroßes DRK-Zelt enthalten. Wo bitte ist denn hier ein Luftschiff?

Es dauerte jedoch nicht lange, da war das Himmelsgefährt von keinem Punkt des weitläufigen Geländes mehr zu übersehen, da blähte sich die Seide wie ein riesiges Segel in den Himmel und nahm es immer mehr Konturen an. Es hatte zuvor nur ein paar Handgriffe gebraucht, um die Gondel mit Schnappverschlüssen an die Hülle zu hängen, nun strömte die Warmluft zügig in die Haut aus Seide.

41 Meter lang und über 13 Meter hoch: Die Köpfe der Schaulustigen neigten sich immer mehr in den Nacken, Fotoapparate und Handys klickten. Alte Ballonfahrer, die dabei standen, blickten schmerzlich drein: So ein Aufsehen hatten ihre Gefährte in den 70er- und 80er-Jahren erregt, heute ist ihr Auftauchen am Himmel fast nichts Besonderes mehr. Es gibt viele Fesselballone in Deutschland, Luftschiffe nur sehr wenige. Das Unternehmen, das für Trigema fliegt, betreibt übrigens drei davon. So war das Schiff schnell startklar, die Crew gab zwei ersten Passagieren, die sich die Luftreise etwas kosten ließen, Anweisungen, wie sie sich der Kanzel zu nähern haben, wie sie einsteigen und sich während der Fahrt verhalten sollen. Insgesamt keine große Sache. Also rein. . . up, up and away. Das Schiff drehte anschließend geschätzte 40 Minuten in niedriger Höhe seine Kreise über dem Degerfeld. Das war so vereinbart, ging es doch darum, diesen jüngsten Stolz der Firma Trigema dem Publikum vorzustellen - und nicht um eine weitreichende Werbetour.

Allerdings schwebt das Gefährt auch bei diesen Werbefahrten - wie vergangene Woche über der Allianz-Arena - in möglichst niedriger Höhe, die Menschen sollen ja den Trigema-Schriftzug lesen und den Trigema-Affen erkennen können. Wie Pilot Ralph Kremer der HZ sagte, sei es jedoch technisch kein Problem, bis zu 4000 Meter aufzusteigen. Ob er in einem solchen Fall noch mehr zu tun hätte als am Samstag?

Die HZ überzeugte sich auf dem Kopilotensitz davon, dass es harte Arbeit ist, ein Luftschiff zu steuern. Es besitzt als Antrieb nur einen kleinen Propeller und ist somit eben doch ein gutes Stück weit dem Wind ausgeliefert.

Die Lenkung funktioniert über Seilzüge, die per Hand betätigt werden. Wie Ralph Kremer sich da mit beiden Fäusten und Armen reinhängte, erinnerte es beinahe an die Arbeit auf einem Schiffsdeck. Hinzu kommt die Wärme. Zwei Gasbrenner, die die Luft in der Hülle erhitzen, sind unmittelbar über dem Kopf des Piloten und der Mitfahrer montiert. Nein, frieren tut man hier nicht.

Wie das sonst so ist, da oben? Unbeschreiblich. Was für eine Ruhe (vom regelmäßigen Fauchen der Brenner abgesehen), was für ein Weitblick. Man fühlt sich wie ein König und muss vor Freude einfach denen am Boden zuwinken - "wie ein kleiner Bub".

Dass es bei der Rückkehr der zweiten Fahrt schon dämmerte, kam der Crew zupass. Sie justierte und testete erstmals die Innenbeleuchtung des Fluggerätes. Sie soll bei der großen Montgolfiade in Warstein am kommenden Wochenende vor Publikum erstrahlen. Diejenigen, die dort dabei sein werden, dürfen sich auf ein grandioses nächtliches Bild freuen. Im Rahmen des mehrtägigen Festes soll das Trigema-Luftschiff dann auch getauft werden. Über den Namen war man sich am Samstag weiterhin nicht einig.