Wenn man mit ihnen über ihre Erlebnisse spricht, bekommen sie glänzende Augen. Mehrere Feldköche des DRK Ringingen waren in Armenien. Die Armut, viel mehr aber noch die Gastfreundschaft und Herzlichkeit, die ihnen während ihres Aufenthaltes begegneten, haben die Frauen und Männer von der Alb tief berührt.

Zur Vorgeschichte: Die Feldköche des DRK Ringingen hatten im Sommer bei einem Kochwettstreit in Mössingen die Teilnahme an einem internationalen Feldkochen in Armenien gewonnen. Der Wettbewerb hätte anlässlich des 30. Jahrestages eines schweren Erdbebens in der damals stark betroffenen Stadt Gjumri stattfinden sollen. Die Veranstaltung wurde dann abgesagt, nicht aber die Reise selbst. Und anstatt gegen andere Mannschaften kochten die Ringinger nun zusammen mit Vertretern des Armenischen Roten Kreuzes für Bedürftige.

Nach einem langen Flug und Zwischenstopp in Moskau angekommen, besichtigte die Gruppe mehrere Hilfsprojekte, die der DRK-Landesverband Baden-Württemberg seit der Katastrophe von 1988 betreut und unterhält. Ständig begegnete ihnen  Armut: „Armenien zählt drei Millionen Einwohner, jeder Dritte gilt als arm, jeder Fünfte ist ohne Arbeit“, so Michael Dieter, Gruppenführer der Ringinger Köche.

Ein Höhepunkt der Reise war zunächst eine kleinere Gedenkveranstaltung zum Jahrestag des Erdbebens im „Haus der Hoffnung“ in Jerewan. Hier kochten die schwäbischen Besucher gemeinsam mit armenischen DRK-Mitgliedern in einer Feldküche 550 Portionen Kartoffelsuppe für Bedürftige. „Teilweise war es schwierig, Lebensmittel, die für uns selbstverständlich sind, zu bekommen“, staunt Michael Dieter noch nachträglich.

Die Armenier haben von den Älblern gewiss einiges gelernt. Aber auch umgekehrt. Dass sie  improvisieren können und bei allem Mangel pfiffige Lösungen finden, bewiesen die Gastgeber immer wieder. Die Ringinger mussten außerdem lernen, dass das Essen enorm kalorienreich sein soll. „Da kommt ordentlich Fett rein, viel, viel mehr als bei uns. Für viele Bedürftige ist das die einzige Mahlzeit am Tag. Das muss eine ganze Weile vorhalten“, so wiederum Michael Dieter.

Ein zweites Mal kochten die Ringinger mit dem armenischen DRK in Jerewan in einem Wohnheim: Gaisburger Marsch. „Was uns am meisten beeindruckte, war die allgemeine Hilfsbereitschaft und die Dankbarkeit. Wenn man für seine Arbeit und ein verhältnismäßig einfaches Essen mit einem solchen Lächeln belohnt wird, dann ist das mehr als man 1000 Wortee beschreiben können“, sagen die Feldköche.

Ein anderer Höhepunkt der Reise war eine zweite Gedenkfeier zum 30. Jahrestag des Erdbebens. Bei der Kranzniederlegung in Gjumri waren neben einem Staatsminister Vertreter sämtlicher Nationen anwesend, die damals zur Hilfe eilten. Mittendrin die Ringinger.

Es fanden noch weitere Besichtigungen statt. So waren die Besucher beim Projekt zur „Förderung der benachteiligten und vernachlässigten Jugendlichen Armeniens“ zu Gast. „Wir wurden auch hier sehr freundlich empfangen. Wieder wurde deutlich, wie schlimm die Armut in diesem Land ist.“

Totenstille im Bus

Aber es sollte noch deutlicher werden: „Wir wurden von Familien dieser Kinder eingeladen. Als wir sahen, unter welchen Bedingungen sie leben müssen, hat es uns die Sprache verschlagen. Es herrschte anschließend Stille im Bus“, so ein Mitglied der Gruppe.

Lustiger war es freilich bei einem Rockkonzert, dem die Ringinger ebenfalls beiwohnten. Und richtig fröhlich wurde es abends im Kreise der armenischen Begleiter.

So kehrten die deutschen DRKler einerseits erschüttert, andererseits tief beeindruckt nach einer Woche in ihr Dorf zurück. Ihre Freundschaft mit den Armeniern und DRK-Kollegen, die sie kennen lernten, wollen sie aufrecht erhalten. „Wir sind als Fremde gekommen und als Freunde gegangen. Über die neuen Medien vergeht fast kein Tag ohne einen Austausch zwischen Armenien und Ringingen“, sagen Kerstin und Michael Pfister, die bei der Reise dabei waren.

Wer weiß, vielleicht war es nicht die letzte Reise von der Alb in den Kaukasus...