Das Theater Lindenhof hat entschieden, den Spielbetrieb in Melchingen vor der Sommerpause nicht mehr aufzunehmen. Auch wenn sich die Auflagen auf Grund der Corona-Pandemie lockern sollten, wäre ein Betrieb unter Einhaltung der Abstandsregeln und mit verschärften Hygienevorschriften kaum wirtschaftlich gestaltbar – so die Intendanz.

Risiko der Insolvenz

„Es gibt noch keine klare behördliche Regelung, aber selbst wenn die Zuschauerbegrenzung moderat ausfallen würde, müssen wir mit einem erheblichen Besucherrückgang rechnen. Das würde das Risiko der Insolvenz unseres Theaters derzeit nur erhöhen“, sagt Intendant Stefan Hallmayer.

Die Entscheidung, das Theater vor Spielzeitende zu schließen, gründe aber nicht nur auf ökonomischen Überlegungen. Auch künstlerisch und atmosphärisch müsse man genau abwägen, was Sinn mache. Aktionismus sei nicht angesagt. Auch sei es bei einer Kultureinrichtung, bei der viele Mitarbeiter eng zusammenwirken müssen, „schlichtweg ein Ding der Unmöglichkeit“, den Betrieb von Woche zu Woche neu zu planen.

„Wir gehen davon aus, dass die pandemiebedingten Einschränkungen sich durch die ganze nächste Spielzeit 2020/2021 ziehen werden. Daher sehen wir es als richtig an, uns auf die Zukunft zu konzentrieren, und unter Respektierung der anstehenden Vorgaben die neue Saison optimal vorzubereiten. Schließlich soll der Auftakt in die Jubiläumsspielzeit 40 Jahre Lindenhof im September auch klappen: künstlerisch, atmosphärisch und finanziell.“

Neue Wege gehen

Der Intendant ist überzeugt, dass man unter den neuen Rahmenbedingungen, „Theater neu denken und entdecken muss“: „Wir müssen in der neuen Spielzeit anderes Theater oder Theater anders machen. In kleineren Formaten zum Beispiel, gleichzeitig in verschiedenen Räumen, als Theaterspaziergang oder Stationen- und Landschaftstheater. „Darin, neue Formate zu erfinden und neue Räume zu erschließen sind wir geübt“, so Hallmayer. Auch eine thematische Auseinandersetzung mit der neuen Lebenswirklichkeit müsse stattfinden.

Finanzierung radikal eingebrochen

Aktuell ist es im Lindenhof recht still. 60 Prozent der Einnahmen kamen bisher aus dem Kartenverkauf und dem Gastspielbetrieb. Diese Gelder sind radikal weggebrochen.Alle Mitarbeiter, Techniker, Schauspieler und – seit dieser Woche – auch der Vorstand befinden sich in Kurzarbeit.

Um Lösungen wird gerungen


Verschoben Das geplante Sommertheatertheater in Riedlingen mit über 100 beteiligten Bürgern wird in den Sommer 2021 geschoben. Für die Vorstellungen des Hölderlinstücks „Darum wandle wehrlos fort, und fürchte nichts!“ in der Kreuzkirche in Nürtingen, die von 20. bis 30. Mai angesetzt waren, hat man Ersatztermine im März 2021 gefunden. Um eine Lösung für das große Tübinger Hölderlin-Sommertheater auf der Neckarinsel - wird noch gerungen.

Bühne online Doch will man nicht ganz von der Bildfläche verschwinden. Das Theater zeigt wöchentlich die Aufzeichnung einer seiner Produktionen auf YouTube. Nach der Tragikomödie „Global Player – Wo wir sind isch vorne“, kann man diese Woche „Die Windmüller“ sehen.

Soli-Abo Wer das Theater trotz geschlossenen Türen in der Krise unterstützen möchte, kann über die Webseite ein Solidaritäts-Abo für 100 Euro erwerben. Damit kann man in der nächsten Spielzeit fünf Vorstellungen nach Wahl besuchen. Mehr Infos unter www.theater-lindenhof.de.