Burladingen Staatsschutz ermittelt wegen Schmierereien

Ganz Burladingen diskutiert über die Schmierereien am Rathaus. Bürgermeister Harry Ebert wird anonym beschimpft, und seine Partei, die AfD, versucht, politisches Kapital daraus zu schlagen.
Ganz Burladingen diskutiert über die Schmierereien am Rathaus. Bürgermeister Harry Ebert wird anonym beschimpft, und seine Partei, die AfD, versucht, politisches Kapital daraus zu schlagen. © Foto: Foto Archiv
Burladingen / Bianka Roith 25.06.2018
Die AfD versucht, politisches Kapital aus den Schmierereien gegen Bürgermeister Harry Ebert zu schlagen.

Die anonymen Schmierereien an den Fassaden des Burladinger Rathauses und des Rathaus-Rückgebäudes versetzen die Fehla­stadt abermals in Aufruhr. Wer hat Bürgermeister und AfD-Mitglied Harry Ebert in schwarzer Farbe und mit 60 Zentimeter großen Lettern als „AfD-Hurensohn“ und „Nazi“ beleidigt?

Das Polizeipräsidium Tuttlingen vermutet, dass die Tat in der Nacht von Samstag auf Sonntag geschehen ist. Laut Kriminaloberkommissar Harri Frank, Pressesprecher der Polizei, erhielt die Polizei am Sonntag kurz nach 13 Uhr einen Anruf. Die ermittelnden Beamten hätten sich den Tatort dann genau angeschaut und Einwohner befragt, ob sie etwas gesehen haben. Am Montag waren Kriminalpolizisten vor Ort, um den Tatort nach Spuren abzusuchen und diese zu sichern. Gibt es denn welche? „Die Farbe, die verwendet und aufgesprüht wurde, ist auch eine Spur“, so Frank.

Konkrete Ermittlungsansätze gebe es freilich noch nicht. Übergeben wurde die Angelegenheit der Kriminalpolizei in Rottweil, und zwar an die Abteilung Staatsschutz, denn: „Es handelt sich um eine politisch motivierte Tat.“ Die Nachforschungen gehen laut Pressesprecher in alle Richtungen, „egal, ob rechts oder links“.

Zu ermitteln gilt es auch, ob die Farbe abgewaschen werden kann oder ob ganz neu renoviert werden muss. Hier braucht es erst ein Gutachten einer Fachfirma. Erst dann lässt sich die Höhe des Sachschadens beziffern.

In den sozialen Medien hat die Tat kontroverse Diskussionen ausgelöst. Einige Kommentar-Schreiber regen sich über die Kosten auf, die durch diese Aktion auf die Bürger zukomme. Doch noch mehr ärgert es viele Leute, dass diese Tat ganz feige und anonym verübt worden sei. Wer das Rathaus verunstaltet habe, so ist zu lesen, solle seine Kritik lieber dem Bürgermeister ins Gesicht sagen. Andere Stimmen bedauern, dass die Aktion Wasser auf den Mühlen der AfD sei.

In der Tat ließ der Versuch des AfD-Kreisverbandes, politisches Kapital aus der Tat zu schlagen, nicht lange auf sich warten. In dessen Stellungnahme heißt es: „Wir bedauern den Anschlag auf das Rathaus in Burladingen. Den Schaden, den die Kartellparteien Deutschland, Baden-Württemberg und auch der Region des Zollernalbkreises bislang zugefügt haben, ist viel schwerwiegender als diese Schmierfinken sich das überhaupt in ihrer geistigen Limitierung vorstellen können.“ Es folgt der durchsichtige Aufruf an „die anständigen Bürger in diesem Land, im Eigeninteresse zusammenzustehen“ und sich der AfD anzuschließen.

Ohne parteipolitische Appelle kommen die Vertreter der Burladinger Kommunalpolitik aus, die die Schmieraktion gleichwohl verurteilen. Rosi Steinberg, Vorsitzende der Freie-Wähler-Fraktion im Gemeinderat, findet deutliche Worte: „Das ist unter der Gürtellinie. Ich kann das nicht akzeptieren. Wenn man konträrer Meinung ist, dann muss man dazu stehen und es mit Namen machen. Ich beanspruche ein gewisses Niveau. Wenn ich gegen den Bürgermeister und seine Partei, die AfD, bin, dann muss ich mich auch zu erkennen geben und mich klar mit meinem Namen äußern, aber nicht mit Schmierereien.“ Rosi Steinberg setzt darauf, dass Ebert-Kritiker sich trauen, Gesicht zu sein: „Die Bürger der Stadt Burladingen sollen sich outen. Sonst geht der Bürgermeister davon aus, dass die Mehrheit hinter ihm steht. Diese Leute sollen einmal in den Gemeinderat kommen, um zu sehen, wie das abläuft.“

Auch die Christdemokraten reagierten: „Wir missbilligen die Schmierereien am Rathaus mit beleidigendem Inhalt gegenüber den Bürgermeister der Stadt Burladingen. Diese sind völlig inakzeptabel und stellen eine Straftat dar“, erklärten die stellvertretende CDU-Stadtverbandsvorsitzende Dörte Conradi und der Fraktionsvorsitzende der CDU im Gemeinderat, Michael Eisele in einer gemeinsamen Stellungnahme. „Wenngleich wir die inhaltlichen Positionen und den politischen Stil der AfD nicht teilen, so entspricht dies keinesfalls unseren demokratischen Vorstellungen, sich mit der AfD auseinanderzusetzen. Wir hoffen, dass die Polizei die Straftäter rasch ermittelt“, so Conradi und Eisele.

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