Melchingen Spinnen am Spinnrad will gelernt sein

Chantimanou, die mit bürgerlichem Namen-Chantal Manou Müller heißt, sitzt in der Mitte und erläutert den Kursteilnehmerinnen die Unterschiede und buchstäblichen Feinheiten des Garns.
Chantimanou, die mit bürgerlichem Namen-Chantal Manou Müller heißt, sitzt in der Mitte und erläutert den Kursteilnehmerinnen die Unterschiede und buchstäblichen Feinheiten des Garns. © Foto: Adelbert Barth
Melchingen / Adelbert Barth 30.08.2018
Zu einem zweitägigen Spinnrad-Kurs in Melchingen reiste sogar eine Teilnehmerin aus Luxemburg an.

Richtig spinnen will gelernt sein, in Melchingen fand in den Seminarräumen von Hannegret Bausinger dieser Tage ein Spinnkurs statt. Ulrike Schäfer hatte zusammen mit der Spinngruppe Mössingen einen Spinnkurs für Anfänger und Fortgeschrittene organisiert. Kursleiterin Chantal-Manou Müller aus Bonn zeigte den 15 Teilnehmerinnen, wie sie verschiedene Materialien an ihren Spinnrädern zu Garnen verarbeiten können. Alle Teilnehmerinnen hatten ihre eigenen Räder mitgebracht, eine war für den Kurs sogar eigens aus Luxemburg angereist.

Das Leben von Chantal-Manou „Chantimanou“ Müller dreht sich um Wolle und Garne. Handspinnen ist ihre große Leidenschaft und die Weiterverarbeitung ihrer Garne ist für sie immer wieder ein aufregendes Abenteuer. Sie liebt es, dem Kunsthandwerk der Handspinnerei neues Leben einzuhauchen und es an viele Interessenten weiter zu geben. Mit ihrer Arbeit will Chantimanou die Menschen inspirieren und ihnen zeigen, was sie mit ihren Händen alles erschaffen können. Denn es es gibt unendlich viele Möglichkeiten, von Farbspiele und Texturen in den Garnen. Von diesem Ehrgeiz beseelt bietet sie ihre Kurse deutschlandweit an.

Begonnen wurde in Melchingen damit, Singelgarne zu spinnen. Einzelne Fäden ergeben  zusammen schöne Garne und können dann verstrickt oder verwebt werden. Im zweiten Kursmodul wurde Seide gesponnen. Seide, sagt die Garndesignerin und Textilkünstlerin, ist nicht einfach zu spinnen. Sie zeigte verschiedene Produktions- und Aufbereitungstechniken von Seidenhankies und Schnappeseide und lehrte die Unterschiede in der Handhabung. Fraktal spinnen rundete den ersten Kurstag ab. Hinter diesem komplizierten Namen verbirgt sich eine Technik, die es ermöglicht, bunte Fasern wie gestreifte Kammzüge zu verspinnen.

Am zweiten Tag drehte sich alles um Alpaka- und Lama-Fasern. Diese warmen und sehr weichen, in verschiedenen Farben herstellbaren Fasern, werden immer beliebter. Chantimanou erkläuterte die Unterschiede zwischen gekämmten und kardierten Fasern und wie sie für das Spinnrad vorbereitet werden. Die Teilnehmerinnen konnten dann verschiedene Techniken ausprobieren.

Nach soviel Arbeit und neuen Erkenntnissen war bei einem Alpakaspaziergang mit Wilfried Schäfer und seiner Herde Entspannung angesagt.

Hierbei bewunderten und lobten die Teilnehmerinnen die Landschaft rund um Melchingen. Und ließen sich gleich für neue Garne inspirieren.

Herkunft und Alter sind nicht genau bekannt

Typen Beim Verspinnen werden lose Fasern durch gleichzeitiges Verdrehen und Auseinanderziehen zu einem Faden verarbeitet. Es gibt den Typ des Flügelspinnrads, der meist mit Fußantrieb versehen ist, und das handgetriebene Spindelspinnrad. Wann, wo oder von wem das Spinnrad erfunden wurde, ist nicht gesichert. Älteste Darstellungen aus Asien stammen aus dem 5. Jahrhundert.

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