Ringingen Sowitec misst den Ringinger Wind

Ufo auf der grünen Wiese: Sodarmessung der Firma Sowitec im Jahr 2012 "Auf Berg" oberhalb von Salmendingen. Jetzt soll die Ringinger "Hautenwies" an die Reihe kommen.
Ufo auf der grünen Wiese: Sodarmessung der Firma Sowitec im Jahr 2012 "Auf Berg" oberhalb von Salmendingen. Jetzt soll die Ringinger "Hautenwies" an die Reihe kommen. © Foto: Sowitec
Ringingen / HARDY KROMER 13.03.2015
So viel auch über die Küche bei Hermannsdorf diskutiert wird: Deutlich konkreter sind die Windkraft-Pläne für die Standorte im Herrenwald bei Ringingen und auf "Telle" zwischen Melchingen und Stetten.

Die Tagesordnung der nächsten Ringinger Ortschaftsratssitzung verrät es: Auf "Hautenwies", südöstlich von Ringingen, soll eine Windmessanlage aufgestellt werden. Die Sonnenbühler Firma Sowitec, die auch den Windpark auf dem Melchinger Himmelberg betreibt, will "möglichst hochwertige Aussagen zur Windhöffigkeit in diesem Gebiet" gewinnen, wie Projektentwickler Roland Heinrich der HZ verriet.

Stimmt der Ringinger Ortschaftsrat am kommenden Dienstag zu (wovon nach den bisherigen Diskussionen zum Thema Windkraft im Gremium stark auszugehen ist), kann Sowitec auf der "Hautenwies" für ein paar Monate ein mobiles Gerät aufstellen, das einem gelandeten Ufo ähnlich sieht. Das Gerät sendet Schallwellen in die Atmosphäre, die von Staubpartikeln reflektiert werden. Aus der gemessenen Laufzeit der Schallwellen lässt sich die Windgeschwindigkeit ermitteln. Sodar-Messverfahren (Sonic Detecting And Ranging, zu deutsch: Schallermittlung und -ortung) nennt sich das Ganze.

"Eine tolle Sache, weil man dadurch keinen riesigen Messmast braucht", sagt Roland Heinrich. 2012 hatte Sowitec "Auf Berg" oberhalb von Salmendingen ein solches mobiles Messgerät stehen - an jenem Standort, der ursprünglich favorisiert wurde, inzwischen aber wegen der dortigen Vogelaufkommen komplett gekippt wurde.

Deutet die beantragte Messung darauf hin, dass der Standort Herrenwald/Ringelstein zwischen Ringingen und Burladingen nun der von der Firma Sowitec favorisierte ist? Roland Heinrich bestreitet das nicht: "Das Projekt ist bei uns schon lange in Planung", sagt er. "Seit 2012 haben wir den Herrenwald im Fokus". Leider, so bedauert er, würden die Flächen, die dort als Windkraftstandorte in Frage kämen, immer kleiner. Wären ursprünglich noch acht bis zwölf Anlagen denkbar gewesen, so sei inzwischen "nur noch eine kleine Restfläche" für maximal drei Windräder übrig. Grund dafür ist auch hier die "Vogelempfindlichkeit" des Gebiets, das Heinrich zufolge "alles bietet, was der Milan lieb hat".

Davon abgesehen, hält der Sowitec-Projektentwickler aus Melchingen den Ringinger Herrenwald und die gleichfalls ins Visier genommene "Telle" oberhalb des Laucherttales zwischen Stetten und Melchingen für "unkritische Standorte". Anders als der Standort Küche lägen beide "so weit weg von jeder Bebauung, dass sich auch kritische Bürger damit anfreunden können müssten". Herrenwald und "Telle" genießen bei Sowitec auch deshalb Sympathien, weil es für diese Standorte bereits Gutachten gibt, die nur fortgeschrieben werden müssten. "Dort müssen wir nicht bei Null anfangen und können hoffentlich schon bald in ein Genehmigungsverfahren einsteigen, damit endlich mal Fleisch dran kommt."

Gern gehört hat Heinrich in diesem Zusammenhang auch, dass Bürgermeister Harry Ebert plant, mit Windkraft-Pachteinnahmen den städtischen Wasserhaushalt zu stützen. Auch das deute auf die Ernsthaftigkeit der städtischen Absicht hin, nach vielen Jahren der Diskussion nun "wenigstens ein paar neue Anlagen hinzuzukriegen". An den genannten Standorten ließe sich für den Stadtsäckel durchaus Geld machen. Die Flächen, die zu verpachten wären, sind nämlich überwiegend in städtischem Besitz.

Den Wind messen will Sowitec indes nur auf "Hautenwies", nicht aber auf "Telle" oder bei der Küche. Die Ringinger Ergebnisse seien zumindest auf das Gebiet "Telle" übertragbar, weiß Heinrich aus Erfahrung. Und was die Küche angeht, wird eine Umsetzung von Windkraft-Plänen ohnehin immer fraglicher. Wie berichtet, lassen Einwände der Forstverwaltung das in Frage kommende Gebiet weiter schrumpfen. Außerdem sind die Windgeschwindigkeiten geringer als auf der anderen Seite des Fehlatales, und die Nähe zur militärischen Radarstation in Meßstetten gilt als weitere Problemzone. Die Summe all dessen macht Windräder bei Ringingen und Stetten derzeit deutlich wahrscheinlicher.

Info Die Ringinger Ortschaftsratssitzung, in der es um die Aufstellung der Windmessanlage geht, beginnt am kommenden Dienstag, 17. März, um 19.30 Uhr. Weitere Themen sind: ein Baugesuch auf Einbau eines Friseursalons im Haus Hilbgasse 13, die Neuordnung des Friedhofes, die Hallengebühren und die Busverbindung nach Mössingen.

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