Ringingen Sowitec darf messen - Aber Räte murren

Ringingen / HARDY KROMER 19.03.2015
Die Firma Sowitec darf ihre Windmessanlage auf "Hautenwies" im Kirchholz aufstellen. Doch auch in Ringingen wird das Murren über die städtischen Windkraftpläne lauter.

Ringingen durfte bislang für mögliche Windkraft-Investoren als sicheres Pflaster gelten. Vor Jahren winkte der Ortschaftsrat den Standort Seeheimer Berg durch, bevor er von überregionalen Stellen gekippt wurde. Als eine Firma das Heufeld mit Rotoren zupflastern wollte, kam unter Grundstücksbesitzern gar Goldgräberstimmung auf. Und auch gegen den aktuellen Standort "Ringelstein" im Herrenwald hatte der alte Ortschaftsrat vor Jahresfrist keine nennenswerten Einwände.

Doch jetzt, wo das Interesse der Sonnenbühler Firma Sowitec sich konkretisiert (die HZ berichtete), wird auch unterm Nähberg gemurrt. Zwar stimmte der Ringinger Ortschaftsrat am Dienstagabend bei nur einer Gegenstimme von Rainer Maier dafür, dass Sowitec sein mobiles Windmess-"Ufo" für ein halbes Jahr auf "Hautenwies" (auch "Burrenwiese" genannt) mitten im Kirchholz parken darf. Begeisterung darüber kam im Gremium aber nicht auf.

"Wenn bei der Messung ein gutes Ergebnis rauskommt, kriegen wir die Windräder schneller, als wir gucken können", warnte Matthias Kraus. Maria Hipp stimmte in die Kritik ein: "Dann brauchen wir gar nicht mehr zu diskutieren. Dann ist es entschieden." Und Rainer Maier sah die Entwicklung schon vorgezeichnet: "Burladingen will keine Windräder, Salmendingen will sie auch nicht, und Ringingen drückt man's dann hin." Wieso man sich nicht auch wehre wie die Bewohner der "Küche", wollte Maier wissen.

Befeuert wurden die Kritiker noch durch einen Brief des Jagdpächters und ehemaligen Revierförsters Sebastian Nadler. Der warnte davor, "30 bis 40 Hektar bestes Waldgebiet" zu "zerstören". "Hautenwies" sei mit seinem Buchenaltholzbestand einer der besten (Holz-)Standorte im ganzen Stadtwald - und die Vogelwelt sei dieselbe wie "Auf Berg" bei Salmendingen und bei der "Küche". Sogar der Uhu sei im Kirchholz "ständig zu hören". Als "weitaus günstigeren" Windrad-Standort empfiehlt Nadler den Seeheimer Berg. Für den möge der Ortschaftsrat doch "hartnäckig kämpfen" - und gegen den Standort im Kirchholz.

"Bitte nicht polarisieren", empfahl dazu Ortschaftsrat Markus Weiß. Wenn man auf der Burrenwiese mit den Vögeln argumentiere, dann müsse man dies auch auf dem Seeheimer Berg tun. "Die Messanlage tut jetzt niemandem weh", mahnte er zu Gelassenheit: "Messen - und dann sieht man weiter." Stadtrat Friedemann Mutschler pflichtete bei: Eine Grundsatzdiskussion müsse jetzt nicht geführt werden. Sein Appell: "Abwarten! Wir wissen heute noch nicht, was übrig bleibt."

Auch Stadt- und Ortschaftsrat Karl-Moritz Kraus zeigte sich "befremdet" über den Nadler-Brief. Es sei einfach nicht richtig, "den Schwarzen Peter hin und her zu schieben". Niemand wolle Windkraftanlagen unbedingt, aber mit Blick auf die nötige Energiewende könne man "nicht alles von sich wegschieben". Es sei schon "komisch", dass jetzt, wo die Messanlage komme, "ein paar Leute aufwachen". Als die Pläne für das Gebiet ausgelegt worden seien, "hat niemand etwas dagegen gesagt".

Weil diese Auffassung mehrheitsfähig war, darf Sowitec jetzt die Windgeschwindigkeit messen. Ob dann auf städtischem Grund tatsächlich zwei oder drei moderne Windkraftanlagen gebaut werden, muss das weitere Verfahren zeigen. Helmut Unmuth prophezeite in seiner Wortmeldung in der Bürgerfragestunde, dass die Windkraft-Diskussion ohnehin "für Kaisers Bart" sei. Windräder im Kirchholz würden niemals kommen. Wer gehört habe, was Forstdirektor Hermann Schmidt in Salmendingen über die Erschließungskosten gesagt hat, der wisse: "Dieses Risiko nimmt kein Investor wegen zwei oder drei Windrädern auf sich."

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