Gauselfingen / EUGEN LEIBOLD  Uhr
Der Musikverein, der Motorradclub, die Nautle-Theaterspieler - sie alle sehnen sich nach einem Raum im leer stehenden Gauselfinger Schulhaus. Doch sie haben wohl keine Chance, zum Zuge zu kommen.

Die Situation im leer stehenden Gauselfinger Schulhaus war am Montagabend ein Hauptthema in der Ortschaftsratssitzung. Ortsvorsteher Rudi Kanz gab eingangs bekannt, dass der Umbau des Gebäudes für die Bedürfnisse des städtischen Kindergartens, der zum Jahreswechsel dort einziehen will, inzwischen läuft.

Ein weniger erfreuliches Thema mit Bezug zum Schulhaus: Rudi Kanz ließ wissen, dass gleich mehrere örtliche Vereine dort gerne einen Raum für ihre Zwecke nutzen würden, aber nicht zum Zuge kommen können. So würde der Musikverein Gauselfingen gerne ein Probelokal im Schulhaus einrichten, der Motorradclub Gauselfingen hofft auf ein Vereinsheim, und die Burladinger Narrenzunft Nautle, die alle Jahre wieder im Gauselfinger Pfarrsaal Theater spielt, würde gerne ihre Kulisse und ihre Requisiten in einem eigenen Raum unterbringen.

Rudi Kanz bedauerte, dass diese Wünsche nicht erfüllt werden könnten. Der Grund ist nicht Platzmangel, sondern die Tatsache, dass frühere Fördermittel für die Grundschule - zum Beispiel für die Einrichtung eines Computerraumes - eine Fremdnutzung nicht erlauben. Sollte eine Nutzung durch Vereine dennoch genehmigt werden, drohe eine Rückforderung der Fördermittel. Kanz berief sich dabei auf den Ersten Beigeordneten der Stadt, Berthold Wiesner.

Im Ortschaftsrat machte sich Kopfschütteln breit angesichts der Tatsache, dass durch bürokratische Vorschriften brach liegende Räume blockiert werden, die von Vereinen sinnvoll genutzt werden könnten. Dass die Stadtverwaltung nichts dafür kann, sahen die Ratsmitglieder freilich ein.

Kämmerer Berthold Wiesner hat auf Nachfrage bestätigt, dass das Land im Jahr 2003 für die Sanierung der Gauselfinger Grundschule 120000 Euro an Ausgleichstockmitteln überwiesen hat. Dadurch konnten die Gesamtkosten der Sanierung von damals 210000 Euro erheblich verringert werden. Der Zuschuss aus dem Ausgleichstock sei indes auf 25 Jahre hinaus zweckgebunden. Schon um den Kindergarten im Schulhaus unterbringen zu können, musste eine Sondergenehmigung beantragt werden, die auch erteilt wurde.

Da die Mittel aus dem Ausgleichstock aber nur für gemeindeeigene Aufgaben, wie etwa Schule und Kindergarten, verwendet werden dürfen, ist eine Nutzung der Räume durch Vereine nicht gestattet. Würden die Vereine trotzdem im Schulgebäude untergebracht, drohe eine Rückforderung der gewährten Zuschüsse.

Als abschreckendes Beispiel nennt Wiesner die Vorgänge in Schömberg. Dort hatte die Stadt Baukostenzuschüsse für den Umbau einer alten Turnhalle für schulische Zwecke erhalten und dann einen Proberaum für die Stadtkapelle in diesem Gebäude geplant. Dies brachte dem Bürgermeister eine erstinstanzliche Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe wegen Betrugs ein - und auch die Fördermittel mussten zurückgezahlt werden.

Gauselfinger Räte bangen um das Dorfladen-Projekt

Doch so teuer? Für Diskussionsbedarf sorgte im Gauselfinger Ortschaftsrat auch die Schätzung des städtischen Gutachterausschusses über den Wert des bisherigen Kindergartengebäudes. Von 150 000 Euro war die Rede. Der relativ hohe Betrag erstaunte einige Ratsmitglieder und stieß auf Unverständnis. Bisher, so hieß es, sei immer von einem nicht sanierungswürdigen Zustand des Kindergartengebäudes die Rede gewesen. Nicht zuletzt aus diesem Grunde sei auch die Entscheidung gefallen, den Kindergarten im früheren Schulhaus unterzubringen. Einige Ortschaftsräte unkten, die "plötzliche Wertsteigerung" des Kindergartengebäudes habe wohl mit dem Interesse eines potenziellen Investors zu tun. Wie berichtet, hat der Gammertinger Autohändler und "Biggest Loser"-Star Ralf Haile seine Fühler nach dem Gebäude ausgestreckt, um Helmut Preuhs, den Geschäftsführer der "Punktmarkt"-Kette, einen Dorfladen einrichten zu lassen. Ortsvorsteher Rudi Kanz geht hingegen davon aus, dass der stattliche Schätzwert nicht zuletzt auch in der rund 20 Ar großen Grundstücksfläche resultiert.

Kanz will kämpfen Rudi Kanz versprach den Ortschaftsräten, sich dennoch dafür einzusetzen und alle Möglichkeiten zu nutzen, dass das Dorfladen-Projekt Wirklichkeit wird.lei

SWP