Burladingen Schau „Evangelisch in Hohenzollern“ ist da

Die Ausstellung „Evangelisch in Hohenzollern“ ist jetzt in der Burladinger Versöhnungskirche zu sehen.
Die Ausstellung „Evangelisch in Hohenzollern“ ist jetzt in der Burladinger Versöhnungskirche zu sehen. © Foto: Vera Bender
Burladingen / Von Vera Bender 05.06.2018
Die Ausstellung, die die Geschichte der evangelischen Enklave in Hohenzollern zeigt, hat Burladingen erreicht.

Zum 500. Reformationsjubiläum im vergangenen Jahr hat das Staatsarchiv Sigmaringen gemeinsam mit dem Evangelischen Kirchenbezirk Balingen eine außergewöhnliche Ausstellung konzipiert: „Evangelisch in Hohenzollern“. Auf 21 Tafeln kann man nachvollziehen, wie sich innerhalb des evangelisch geprägten Württembergs die hohenzollerischen Lande als katholische Hochburgen behaupteten und sich hier dennoch Protestanten ansiedelten.

Der Kirchengemeinderat der evangelischen Kirchengemeinde Burladingen hatte am Sonntagvormittag zum Stehempfang mit gleichzeitiger Ausstellungseröffnung in die Versöhnungskirche geladen. Einen kurzen geschichtlichen Überblick gab dabei Ruhestandspfarrer Christoph Dinkel­acker, der ganz nebenbei schmunzelnd erwähnte: „Die Pfarrstelle Burladingen steht unter Artenschutz. Sie hat Bestandsschutz, und deshalb können Sie sicher sein, dass wieder ein Pfarrer nach Burladingen kommen wird.“

Erst am Sonntag zuvor war Dinkelacker in den Ruhestand verabschiedet worden, so dass die Pfarrstelle inzwischen vakant ist. Zwar würden immer mal wieder innerhalb der Evangelischen Landeskirche Württemberg einzelne Pfarrstellen gestrichen, da die Gemeindegliederzahlen insgesamt rückläufig sind und es ohnehin an Pfarrern mangelt, doch Burladingen darf sich als Diasporagemeinde demnach wohl weiter Hoffnung auf einen neuen Seelsorger machen.

Dabei wurde laut Dinkelacker das heutige Pfarrhaus in den 1960er-Jahren zunächst als Vikarswohnung konzipiert. „Der Oberkirchenrat war der Meinung, dass Burladingen eh nie zum Pfarramt wird“, so der Ruheständler. Doch 1968 wurde dann Pfarrer Brandauer investiert. Auf ihn folgten die Pfarrer Dürr und Hitziger und 2001 schließlich Dinkelacker selbst. Damals zählte man 1600 evangelische Gemeindeglieder – mit steigender Tendenz. Heute liegt die Zahl relativ stabil bei 1380. Und das, wo man doch Ende des 19. Jahrhunderts gerade einmal eine evangelische Familie in Burladingen beherbergte.

Nach dem 30-jährigen Krieg galt das Gesetz, dass der jeweilige Landesherr über die Religion seiner Untertanen bestimmt. Hohenzollern war damit katholisch. Von Sigmaringen bis Dettingen bei Haigerloch bildeten sich von 1861 bis 1890 dennoch fünf evangelische Gemeinden, wobei Sigmaringen und Hechingen die ersten waren. Zum Schluss kam Gammertingen hinzu, zu der auch Burladingen gehörte. Gerade einmal 30 Evangelische lebten hier im Jahr 1930. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Zahl der „Wüstgläubigen“, so das Schimpfwort, durch eine Gruppe von Flüchtlingen aus Schönborn stetig an. Als in den 1950er-Jahren immer mehr Mischehen geschlossen wurden, blieben die katholischen Kirchturmglocken noch stumm.

Doch bei der Grundsteinlegung zur evangelischen Kirche in Burladingen 1962 gaben auch Katholiken großzügig Spenden. Die Gauselfinger evangelische Kirche wurde bereits 1958 auf Betreiben des Firmeninhabers von Jercoma eingeweiht, der sich für den Bau stark machte und Geld aufbrachte. Heute pflegen die beiden Konfessionen in Burladingen einen guten ökumenischen Kontakt, wie die Kirchengemeinderäte bestätigten.

Die Öffnungszeiten der Wanderausstellung

Die Ausstellung kann an den Sonntagen 17. und 24. Juni nach den Gottesdiensten um 11 Uhr sowie während des evangelischen Gemeindefestes am 1. Juli ganztägig besichtigt werden.

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