Chaim Eisenberg aus Israel macht immer wieder Urlaub in Schwaben, nicht nur zum Wandern, sondern auch, um die Geschichte seiner Vorfahren zu erforschen. Auf der Suche nach einem Schachgegner schlägt ihm der Wirt den örtlichen Bauer und Bezirksschachmeister „Adolf“ vor – ausgerechnet. Und so kommt es zum spielerischen und verbalen Schlagabtausch und zur Spurensuche in den jeweiligen Familienzusammenhängen, die bis in die Zeit des Nationalsozialismus hineinreichen. Bei der sich immer neue Familiengeheimnisse auftun.

Für Regisseur Franz Xaver Ott ein passendes Stück für die Spezialität des Hauses, aus einer engen Perspektive heraus große Themen zu verhandeln. Schon allein die Konstellation, dass hier ein israelischer Jude auf einen deutschen Adolf trifft, habe ja einen „großen Reiz“. Noch besser passt das Stück zum Lindenhof, weil der gerade umgebaut wird und somit das Stück in der Gaststube gespielt werden muss und auch kann. Ganz authentisch und „ohne großen Bühnenzauber“.

Auf den Autor Stefan Vögel ist Ott durch den Film „Arthur und Clair“ mit Josef Hader aufmerksam geworden: Der Film basiert auf einem Theaterstück von Vögel – Ott hat daraufhin zum Autor Kontakt aufgenommen. Vögel schaut sich derzeit in Melchingen die Proben an. Er lebt zwar in Liechtenstein, kommt aber aus dem „tiefsten“ Vorarlberg. Die Konstellation in „Chaim und Adolf“ hat ihm ein dortiger Wirt erzählt, nur dass der „echte“ Chaim ein Skitourist war. Die ins Stück hineinverwobenen Themen und erfundenen Familiengeschichten beruhen auf dem Umstand, dass auch in den Vorarlberger Illwerken die Zwangsarbeitergeschichten jahrzehntelang totgeschwiegen wurden. Das Duell zwischen Chaim und Adolf sei eine Mischung aus Komödie und Krimi, mit ernstem historischen Hintergrund. Genau das reizt auch Stefan Vögel beim Schreiben: die Genres miteinander zu mischen. Auch das Schachspiel fungiert natürlich nicht nur als bloße Beilage, sondern entspricht genau dem Schlagabtausch der Kontrahenten, die auch in ihren Wortgefechten ständig antizipieren müssen, was der andere wohl als nächstes unternimmt.

Dramaturgisch dient das Schachspiel bis zum Schluss als vorantreibendes Element. Und so fassen sich Chaim und Adolf alles andere als „mit Samthandschuhen“ an: „Beide gehen in die Vollen“, „ohne angezogene Handbremse“ und „suhlen sich in den Klischees“, erklärt Vögel, der sich sein Stück sogar von einem Spezialisten für die damaligen Fluchtbewegungen hat absegnen lassen: Zwar sei es eher ungewöhnlich, dass ein Nazi-Opfer in der dritten Generation so perfekt Deutsch beziehungsweise Jiddisch spreche. Andererseits sei zu beobachten, dass gerade die dritte Generation wieder vermehrt Interesse an Deutschland und dem Land ihrer Großeltern habe, meint Franz Xaver Ott.

Info „Chaim & Adolf“ von Stefan Vögel am Melchinger Theater Lindenhof ­– Premiere: 25. Oktober, 20 Uhr; weitere Termine: 28., 31. Oktober, 1., 7., 8., 11. November.

Förderung durch das Land


Gefördert wird die Produktion vom Sonderprogramm „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ des Landes, was es dem Lindenhof ermöglicht, mit dem Stück die Landgasthöfe zu bespielen und damit auch mal ganz andere Zuschauer anzusprechen als die typischen Theaterbesucher. Was es den Wirten und damit auch ihren Stammtischen vielleicht ein wenig einfacher macht: Der Lindenhof kann dieses Stück bis zu 30 Mal kostenlos anbieten. Interessierte Gastwirte, die sich so eine Theaterproduktion sonst vielleicht nicht leisten können, sollen sich gerne melden.