Alle zwei Jahre veranstaltet die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg ein Pfingstturnier. Alle neun Stämme des Bezirks messen sich hier im fröhlichen Wettkampf. In diesem Jahr sollte das Turnier in Pfullendorf stattfinden. Über 350 Pfadfinder hatten sich angemeldet. Aus Melchingen hatten sich 30 Teilnehmer wochenlang vorbereitet, Pfadfinderkunde gebüffelt, Knoten geübt.

Doch in Pfullendorf sah man sich bei der Ankunft mit dem Bus wegen der tagelangen Regenfälle auf dem Lagerplatz einer Schlammwiese gegenüber. Trotzdem begannen die Pfadis mit dem Zeltaufbau. Um die Nässe von den Schlafsäcken fernzuhalten, wurden die Schlafzelte mit Paletten ausgelegt, gegen die klamme Kälte entzündete man kleine Lagerfeuer in den Jurten.

Kurz vor Beginn der Spiele setzte nochmals ein heftiges Gewitter ein, in dessen Verlauf ein Blitz in einen Baum auf dem Lagerplatz einschlug. Ein Pfullendorfer Betreuer musste daraufhin zur Beobachtung ins Krankenhaus gebracht werden.

In einer Krisensitzung beschlossen die Stammesvorstände, das Pfingstlager zu beenden. Das Risiko eines erneuten Blitzschlages war zu groß. "Wir haben die Verantwortung für die Kinder und nehmen das sehr ernst", sagte ein Stammesvorstand. So wurde aus der Eröffnungs- eine Abschiedsfeier. Als die Kinder und Jugendlichen von ihren Eltern abgeholt wurden, sah man ausschließlich enttäuschte Gesichter. "Wir hätten den Pokal bestimmt geholt", waren sich die Melchinger Pfadis sicher.