Burladingen / Von Matthias Badura  Uhr
Rathausintern erklärt der Bürgermeister von Burladingen seinen Rücktritt, die bereits platzierte Amtsblatt-Information wird dagegen vor dem Druck zurückgezogen. Der Gemeinderat fordert Klarheit.

Die Rücktrittsankündigung Harry Eberts, die bereits im Amtsblatt platziert war und die in digitaler Form durch die ganze Stadt lief, fehlt in der Papierausausgabe vom Mittwoch. Sie wurde in letzter Minute wieder herausgenommen. Die Leser suchten vergebens.

Eine schriftliche Anfrage der HZ beantwortete Ebert am Mittwoch unter einer privaten Mailadresse ausweichend: Er habe keine Kenntnis davon, wie die Korrekturfahne an die Öffentlichkeit gelangt sei.

Kein Rücktritt vom Rücktritt

Von einem „Rücktritt vom Rücktritt“ wird man jedoch nicht ausgehen können, denn in einer Mitarbeiterversammlung am Dienstag hatte sich Ebert eindeutig erklärt. Er gab nicht nur den Zeitpunkt seines Ausscheidens zum 1. November bekannt, sondern nannte auch Gründe dafür, nämlich gesundheitliche, und sprach überdies von „neuen Herausforderungen“, die auf ihn zukämen.

Es steht also zu erwarten, dass er seine Entscheidung in der Sitzung am heutigen Donnerstag vor dem Gemeinderat erstmals öffentlich bekannt gibt. Es sei denn er tut es aus taktischen oder anderen Gründen nicht. Zurück kann Ebert nach den Aussagen gegenüber den Mitarbeitern nicht mehr.

Karriere in der AfD?

Aber was meint er mit „neuen Herausforderungen“? Wenig verwunderlich wäre es, wenn diese in einem Parteiamt bei der AfD lägen, deren Mitglied Ebert ist. Erst in diesem Frühjahr hatte der Burladinger Bürgermeister überregionale Schlagzeilen geschrieben, als er dem radikalen „Flügel“ der AfD die Burladinger Stadthalle für eine Tagung zur Verfügung stellte.

Dafür hatte er heftige Kritik aus den Reihen des Gemeinderates einstecken müssen. Ebert reagierte darauf unbeeindruckt und ließ die aufgebrachten Räte wissen, er würde jederzeit wieder so handeln. Wird der Bald-Frühpensionär nun von seinen Partei­freunden mit höheren Weihen belohnt?

Wichtiger für die Burladinger Bürger wäre es aber zu wissen: Wie geht es in der Stadtverwaltung weiter? Irgendwann wird eine Bürgermeisterwahl stattfinden müssen. Zu welchem Zeitpunkt das ist, lässt sich momentan nicht exakt sagen. Einstweilen liegt Landrat Pauli kein offizielles Rücktrittsgesuch Eberts vor. Das sei jedoch nicht verwunderlich, meinte der Dienstherr gegenüber der HZ. Ebert sei schließlich zunächst seinen Bürgern verpflichtet. Pauli wundert sich offenkundig auch deshalb nicht, weil das Verhältnis zwischen ihm und Ebert bekanntermaßen nicht das beste ist. Der Bürgermeister würde ihn wohl als einen der Letzten über einen geplanten Rücktritt informieren, vermutet der Landrat.

Nachfolger gesucht

Auf Ebert warten „neue Herausforderungen“. Wer aber nimmt die „Herausforderung Burladingen“ an? Wer tritt die Nachfolge an? Die Diskussion darüber begann bereits am Dienstag, als flinke Finger die Amtsblattmitteilung von einem Handy aufs andere jagten und das Bild selbst in der Balinger Sitzung der CDU-Kreistagsfraktion die Runde machte.

Der meistgenannte Name eines potentiellen Nachfolgers ist der des Ersten Beigeordneten Berthold Wiesner. Er nahm einstens in Neufra Anlauf auf den Bürgermeistersessel, scheiterte zwar, könnte aber in Burladingen, wo er überaus beliebt ist, durchaus Chancen haben.

Es würden einem noch weitere Kandidaten einfallen, die als Chef der Burladinger Verwaltung ein gutes Bild abgeben könnten und die sich dadurch auszeichnen, dass sie das Verwaltungshandwerk beherrschen und die Stadt kennen: Michael Schäfer etwa, der bis vor Kurzem das Hauptamt leitete und nach Kirchentellinsfurt wechselte. Oder seine Vorgängerin Christine Kullen, die heute im Hauptamt von Freudenstadt arbeitet.

In den Gesprächen tauchte zudem der Name Sabine Abbasi auf. Man erinnert sich, die Burladingerin bewarb sich im vergangenen Jahr in Hechingen für den Bürgermeisterposten, unterlag aber trotz ihrer Referenzen als Wirtschaftsjuristin, Wirtschaftspsychologin und Business Coach gegen den Beigeordneten-Platzhirsch Philipp Hahn.

Bevor es zum Bewerberlauf kommt, muss jedoch erst das Rücktrittsgesuch Eberts vorliegen. Und als allererstes wird der Burladinger Bürgermeister dem Gemeinderat erklären müssen, warum er seinen Rücktritt nicht in der üblichen Weise ganz offiziell erklärt, sondern auf Umwegen durchsickern lässt.

Weiter wird man wissen wollen, was es mit der zurückgezogenen Anzeige auf sich hat, die für heillose Verwirrung in der Stadt sorgt. Darüber wird er Rechenschaft ablegen müssen, schließlich ist Ebert Herausgeber und verantwortlich für das Amtsblatt.

CDU-Fraktionsvorsitzender Michael Eisele hat angekündigt, die Sache in der Sitzung heute Abend aufzurufen. Man möchte hinzufügen: Sofern Harry Ebert überhaupt kommt!

Im Geiste fließt schon der Sekt

Der Freie Wähler Alexander Schülzle ist dagegen skeptisch. Wie er gegenüber dem SWR sagte, lasse er die Sektkorken erst knallen, wenn er die Nachricht vom Bürgermeister selbst gehört habe.

An diesem Donnerstag in der Sitzung

Beginn 19 Uhr Die Rücktritts-Ankündigung Harry Eberts wird an diesem Donnerstag im Gemeinderat zur Sprache kommen. Unter welchem Tagesordnungspunkt – das ist nicht bekannt.