Der Rücktritt des Burladinger AfD-Bürgermeisters Harry Ebert ist jetzt amtlich. Auch wenn Ebert ihn nicht selbst bekannt gab. Das musste in indirekter Form sein erster Beigeordneter Berthold Wiesner erledigen.

Wer Burladingens politische Szene und den eigenwilligen Harry Ebert kennt, den verwunderte es nur wenig, getäuscht sah sich nur, wer unumstößlich geglaubt hatte, der Bürgermeister werde sich am Donnerstag im Gemeinderat den Fragen zu seiner Rücktrittserklärung stellen. Aber Ebert war nicht da, er hatte sich, wie so oft in jüngerer Zeit, wenn es brenzlig wurde, wegen Krankheit entschuldigen lassen. So verlangten die Fraktionen ersatzweise vom Beigeordneten Berthold Wiesner Auskunft:

Hat die Rücktrittserklärung Eberts gegenüber den Rathausmitarbeitern am Dienstag so stattgefunden, wie in der HZ dargestellt? Und wie gelangte die gleichlautende Mitteilung erst in die digitale Erstfassung des Burladinger Amtsblattes hinein und warum ist sie dann in der Druckversion doch nicht erschienen? (Was in der Stadt einen enormen Wirbel auslöste.)

Fraktionen verlangen Auskunft

Berthold Wiesner bestätigte, ja, der Bürgermeister habe sich tatsächlich gegenüber den Rathausmitarbeitern offenbart, er werde sein Amt zum 31. Oktober zur Verfügung stellen. Zu der Sache im Amtsblatt könne er nichts sagen, dazu und zu allem anderen müsse man Harry Ebert selbst befragen, so Wiesner.

Das habe er per Mail versucht, erwiderte CDU-Fraktionsvorsitzender Michael Eisele daraufhin leicht spöttisch, aber, wie man sich denken könne, habe er von Ebert keine Antwort erhalten. Dabei gebe es ja wohl eine Informationspflicht eines gewählten Stadtoberhauptes gegenüber seinen Stadträten.

Rücktritt ist offiziell

Eiseles Fraktionskollegin Dörte Conradi war überzeugt, man werde nie erfahren, was es mit der „wundersamen“ Geschichte im Amtsblatt auf sich habe. Aber zumindest der Rücktritt zum 31. Oktober dürfe nun durch die Bestätigung Wiesners als offiziell gelten.

Es sei „unterirdisch“ wie der Bürgermeister wieder einmal Informationspolitik betrieben habe, meinte Conradi weiter, Eisele verglich es mit einer „Theaterbühne“. Durchaus in Ordnung sei, dass Ebert seine Mitarbeiter als erste über seinen Entschluss in Kenntnis gesetzt habe; dass er den Gemeinderat im Dunkeln tappen ließ, sei man gewohnt. Als wirklich schlimm müsse man bewerten, dass er seine „Verwirrspiele auf dem Rücken einer ganzen Stadt“ gespielt habe. In ähnlicher Weise äußerte sich Karl-Moritz Kraus im Namen der Freien Wähler.

Bei aller Kritik und vielleicht auch Wut über die Eskapaden und Mätzchen Eberts, der den Gemeinderat neuerlich vorgeführt hat, hielt sich die Empörung des Gremiums dennoch in Grenzen, es war zugleich etwas anderes zu spüren: Erleichterung.

Harry Ebert habe mit seinem Rücktritt die richtige Entscheidung getroffen. Nun sei der Weg frei für einen Neuanfang, sagte Dörte Conradi. Zustimmung auf Seiten der Freien Wähler.

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