Prozess Prozess um Kindergarten-Brand: Staatsanwalt fordert Haftstrafen

Der Fideliskindergarten in Burladingen war bei dem vermeintlich vom Angeklagten verursachten Feuer ausgebrannt. Der Gebäudeschaden beträgt rund eine Million Euro.
Der Fideliskindergarten in Burladingen war bei dem vermeintlich vom Angeklagten verursachten Feuer ausgebrannt. Der Gebäudeschaden beträgt rund eine Million Euro. © Foto: Archiv
Natascha Kübler 10.11.2017

Der Angeklagten laufen Tränen über die Backen, ihr Gesicht ist gerötet. Seit Staatsanwalt Markus Engel das erste Strafmaß genannt hat, kann die 39-Jährige mit ihren Emotionen nicht mehr hinter dem Berg halten. Die männlichen Angeklagten bleiben hingegen gefasst.

Fünf Jahre und acht Monate: Für diese Zeit soll der 27-jährige Angeklagte, der für den Brand im Burladinger Fideliskindergarten verantwortlich sein soll, ins Gefängnis. Das fordert Staatsanwalt Markus Engel in seinem Plädoyer. Der Verteidiger spricht sich wiederum für maximal fünf Jahre aus.

Von den angeklagten Fällen sei die Brandstiftung die Tat, die negativ am meisten heraussteche, so der Staatsanwalt. Allein schon wegen ihrer Dimension: Der Gebäudeschaden des ausgebrannten Kindergartens liegt bei rund einer Million Euro. Dennoch sei von einer fahrlässigen und nicht vorsätzlichen Tat auszugehen, so Engel. Der 27-Jährige hatte ausgesagt, im Kindergarten mit einem Feuerzeug die Räume ausgeleuchtet zu haben und dabei zu nah an Papier geraten zu sein. So sei der Brand entstanden.

Sicherheitsgefühl beeinträchtigt

In seinem Plädoyer spricht der Staatsanwalt von besonderen Fällen. Kindergarten und Schulen – sie waren im Visier der Gruppe – stünden in einem besonderen Fokus. Das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung, das dieser Tage eine große Rolle in der Gesellschaft spiele – sei durch die Taten massiv beeinträchtigt worden.

Engel sieht in den 23 Einbrüchen oder Einbruchsversuchen eine Bandenserie. Schließlich hätten die kreisübergreifenden Taten eine gewisse Logistik und auch Recherche erfordert. Die Angeklagten hätten sich gekannt, seien befreundet und alle in finanziellen Nöten gewesen. „Das waren keine Taten aus Lust und Laune“, meint Engel.

Er befindet auch die Rolle der 39-Jährigen als die einer Mittäterin und nicht nur als die einer Beihelferin. „Sie hatte ihre Aufgabe“, betont er in dem Plädoyer – nämlich auf die Einbrecher warten und sie fahren.

Zu Gunsten der Angeklagten zu werten sei, dass sie Geständnisse abgelegt hätten. Das Trio hätte „reinen Tisch gemacht“. Für den 27-jährigen Angeklagten spreche zudem, dass der vierfache Vater einen Entschuldigungsbrief an den Kindergarten geschrieben habe. „Ich nehme ihm das ab“, bemerkt Engel.

Für die 39-Jährige sowie den 24-Jährigen fordert der Staatsanwalt dann drei Jahre sowie vier Jahre und vier Monate Haft.

Die Verteidiger fordern indes in ihren Plädoyers für die 39-Jährige zwei Jahre auf Bewährung und für den 24-Jährigen ein Strafmaß, bei dem die Haft nach Abschluss einer Ausbildung im Gefängnis enden soll (vermutlich drei Jahre).

Das Urteil wird am Montag, 13. November, gefällt. Bis dahin heißt es für die Angehörigen der Angeklagten bangen. Die Frau des vermeintlichen Brandstifters stürmte am Donnerstag nach Prozessende zu ihrem Mann. Auch bei ihr flossen Tränen.

Entschuldigungsbrief des 27-jährigen Angeklagten

Sehr geehrte Kindergartenleitung, sehr geehrtes Kindergartenteam,
ich will mich hier aufrichtig bei Ihnen allen entschuldigen. Mir tut es wirklich leid, was passiert ist und das mit dem Brand war wirklich nicht mit Absicht. Es ist mir wirklich peinlich, was wir da gemacht haben. Wir waren alle in einer desolaten Geldnot und haben somit die Sachen gemacht. Das alles ist nicht zu entschuldigen, aber mir tut das alles wirklich leid. Ich bin selbst Vater von vier Kindern und weiß, was Sie alle für Arbeit leisten. Die Arbeit mit allen Kindern.
Als mein Sohn vom Kindergarten entlassen worden ist, hat man uns zum Gespräch eingeladen und dort zeigte man uns eine Mappe mit Bildern und die ganze Arbeit von unserem Sohn. Das hat uns wirklich stolz gemacht. All das können andere Eltern wegen mir leider nicht mehr sein. Es fällt mir wirklich schwer, damit umzugehen und das Ganze zu verarbeiten. All die Spielsachen, die kaputt gegangen sind. All die Arbeit, mit den Kindern. Aber nicht nur das, auch die Unterbringung aller Erzieher und Kinder. Alle wurden getrennt.
Ich würde liebend gerne beim Wiederaufbau helfen. Rückgängig kann ich das alles leider nicht machen, aber ich werde Ihnen mein ganzes Leben lang jährlich 600 Euro in monatlichen Raten überweisen. Das ist eine Leistung, die ich von mir aus leisten werde, egal was für eine Strafe mich erwarten wird.