Annegret Liebmann hat viele Baustellen abzuarbeiten. Zum einen, weil die Stelle des evangelische Burladinger Seelsorgers vor ihrem Amtsantritt für ein Jahr verwaist war; zum anderen, weil auch so und generell viele Routine- und Schreibtisch-Aufgaben zu erledigen sind; drittens, weil sie an ihrem Wirkungsort der kommenden Jahre einiges neu gestalten möchte.

Sie hat die Ärmel hochgekrempelt und umgehend begonnen: Es fand ein Begegnungsnachmittag mit der evangelischen Kirchengemeinde Bitz statt. Nicht als einmaliges Erlebnis, vielmehr hat Annegret Liebmann, wie sie im Gespräch mit der HZ sagte, vor, die Kooperation mit der Nachbargemeinde noch zu vertiefen. Dass sie Gottesdienste ihrer Amtkollegin Barbara Danner übernimmt und umgekehrt, ist bereits abgemacht. Weiter hat sie damit begonnen, die Mitglieder des Kirchengemeinderates etwa bei der Lesung in die Gottesdienste einzubinden. Wiederum soll dies erst der Anfang sein, die Konfirmanden und weitere Gemeindemitglieder sollen künftig ebenfalls den Gottesdienst mitgestalten.

Auch der Besuchsdienst wurde neu aufgestellt und soll in kommenden Jahren öfter unterwegs sein als bisher. Ein Mitarbeiterfest mit allen, die in den Gemeindedienst eingebunden sind, sei’s als Briefausträger, sei’s bei den Seniorennachmittagen, wurde gefeiert; eine mehrstündige, weichenstellende Klausurtagung mit dem Kirchengemeinderat hat stattgefunden und beim Gemeindefest war – anders als früher  – alles frei. (Mit dem Ergebnis, dass die Summe im Spendenkässchen den Betrag überstieg, den man eingenommen hätte, wenn kassiert worden wäre.)

Auf diese Weise zur Mitarbeit eingeladen oder aufgefordert, bleiben die Gläubigen jetzt den Gottesdiensten eher fern, um nicht beigezogen zu werden? Das Gegenteil sei der Fall, sagt Kirchengemeinderätin Vera Bender. „Viele kommen, die man schon lange nicht mehr gesehen hat. Das Miteinander ist stärker geworden.“

Insgesamt lautet Benders Urteil daher: „Unsere neue Pfarrerin ist ein Glücksfall!“ Das freut Vera Bender deshalb doppelt, weil nicht nur sie vor rund zwei Jahren befürchtete, es werde sich möglicherweise überhaupt niemand für den Posten im ländlich geprägten Burladingen auf der rauen Alb bewerben.

Die Sorge, die gebürtige Metzingerin könnte sich hier unwohl fühlen und ihre Entscheidung bereuen, ist unbegründet. Die Landschaft und die Menschen begeistern Annegret Liebmann. Die Burladinger seien strebsam, arbeitsam und gesellig. Ständig entdecke sie neue Dinge, die sie in positives Staunen versetzen, schwärmt die 54-Jährige. Etwa der Bio-Metzger, bei dem man neben Wurst und Fleisch auch gesunde Lebensmittel kaufen kann. Oder die scheinbar unscheinbare Firma, die für einen internationalen Markt produziert.

Auch das Gemeinschaftsleben hat es ihr angetan. Dass Annegret Liebmann gerne unter Menschen ist und Feste nicht scheut, erahnte man, als sie sich gleich nach ihrer Ankunft im Mai unter die Besucher des Jubiläumsfestes der Fehlataler mischte.

Mit einem offenkundigen Gespür für solche Dinge veranlasste sie, dass sich ihre Kirchengemeinde bei der jüngsten Tour de Burladingen engagiert und eine der Stempel- und Getränkestationen betreut. Künftig will die Pfarrerin den Kontakt mit den Vereinen noch intensivieren. Natürlich, sagt sie, sei man selber kein Verein, sondern eben eine Kirche. Aber man sehe sich als Teil der Stadt und des öffentlichen Lebens. „Wir möchten präsent sein und wir möchten, dass man uns wahrnimmt.“

Besonders froh ist die Seelsorgerin, mit Oliver Geiger einen neuen Organisten gefunden zu haben, nachdem dessen Vorgänger in Ruhestand ging. Die Zeichen stehen gut, darüber hinaus bald wieder einen Chor zu haben, der die besonderen Anlässe im Kirchenjahr begleitet. Gespräche seien im Gange.

Einen leichten Rückschlag gab es dennoch. Im Herbst sollte ein Teil des maroden Weges vor dem Gotteshaus neu angelegt werden. Doch die Firma sagte dieser Tage wegen Auftragsüberlastung ab. Die Arbeiten können frühestens nach dem Winter beginnen. Andererseits, sieht es Annegret Liebmann pragmatisch. Das biete die Chance, das vor Jahren erstellte Konzept für den Weg in Ruhe zu überarbeiten.

Eine wirkliche Sorge bereitet ihr das lecke Kirchendach. Bei Starkregen und Schneeschmelze dringt Wasser ins Gotteshaus, die Wände des Kirchenraumes glänzen dann feucht, teilweise hat sich im Gebäude Schimmel gebildet. Fachleute schätzten die Sanierungskosten schon vor fünf Jahren auf 400 000 Euro. Das Problem dabei: Die Kirchengemeinde muss ein Drittel des Geldes selber aufbringen, erst dann geben der Bezirk und die Oberlandeskirche Zuschüsse.

Zunächst gilt es jedoch, die Wahl des Kirchengemeinderates zu organisieren – und Kandidaten zu finden. „Schön wäre, wenn wir zehn Bewerber hätten, damit es eine echte Wahl wird“, meint die Pfarrerin.

Was auch kommen mag, Annegret Liebmann fühlt sich an ihrem neuen Wirkungsort rundum wohl, die Grundlagen für die Aufgaben der nächsten Jahre seien gelegt. „Ich bin hier vollständig angekommen.“

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Mitglieder zählt der Kirchengemeinderat, der am 1. Dezember gewählt werden soll. Noch sind Kandidatenplätze frei. Bewerbungsschluss ist 25. Oktober.