Hohenzollern Erinnerungen an Bischof Karl Lehmann

Hohenzollern / Matthias Badura 13.03.2018
Der Mainzer Bischof (1983-2016) hatte ein ganz besonderes Verhältnis zu Hohenzollern.

Karl Lehmann, ein Großer der katholischen Kirche, starb am Sonntag an den Spätfolgen eines Schlaganfalls. Er war Hoffnungsträger, Mittler und Versöhner der Konfessionen und Religionen, stand für Ausgleich. Die Bundeskanzlerin, der Bundespräsident, Vertreter beider Kirchen und viele mehr würdigten ihn als Brückenbauer und großen Theologen. Unvergessen wird er auch im Hohenzollerischen bleiben, war der vormalige Bischof von Mainz doch ein Sohn der Region: Am 16. Mai 1936 in Sigmaringen geboren, verlebte er Teile seiner Jugend in Hörschwag, Grosselfingen und Veringenstadt.

Am 1. Oktober 1937 war der Vater des kleinen Karl als Lehrer an die Dorfschule Hörschwag versetzt worden. Die Familie lebte in der Lehrerwohnung des heute abgebrochenen Rathauses. 1941 zog die Familie Lehmann von Hörschwag nach Grosselfingen, wohin der Vater versetzt worden war. Einige Jahre später verschlug es sie nach Veringenstadt.

Im Sigmaringer Konvikt

Der älteste Sohn trat in das  Staatliche Gymnasium Sigmaringen ein und lebte im Erzbischöflichen Studienheim St. Fidelis, im Konvikt.

Der Burladinger Pius Maier, damals ebenfalls im Konvikt, erinnert sich an Lehmann als einen eher unauffälligen Schüler, als passablen Fußballspieler – und, wie auch andere bestätigten, als einen, der nie lernte, weil ihm scheinbar „alles zugeflogen kam“. Lehmann wurde 1963 zum Priester geweiht, war Teilnehmer des Zweiten Vatikanischen Konzils, seit 1983 Bischof von Mainz und seit 2001 Kardinal. Von 1987 bis 2008 stand er der Deutschen Bischofskonferenz vor.

Am Tag nach seinem 80. Geburtstag wurde er 2016 altershalber von seinem Bischofsamt entbunden. Lehmann blieb aber weiterhin ein gefragter Theologe und Hirte, dem viele Menschen ihre Sorgen anvertrauten. Und weiterhin galt er als Leitbild eines aufgeklärten und modernen Katholizismus.

Norbert Dilger erzählt

Eine ganz persönliche Erinnerung verbindet den Rangendinger Pfarrer i.R., Norbert Dilger, mit dem Verstorbenen. Dilger begegnete ihm als Student an der Universität Freiburg, wo Lehmann lehrte und wo Dilger von 1971 bis 1972 dessen Vorlesungen zum Thema Eschatologie – die Lehre von den letzten Dingen – hörte.

Norbert Dilger: „In diesem Fach machte ich auch bei ihm 1972 die theologische Schlussprüfung. An diese Prüfung habe ich nicht mehr viele Erinnerungen, umso mehr aber an das sogenannte ,Pfarrexamen’, die zweite Dienstprüfung, Ende 1979. Karl Lehmann war ja von 1971 bis 1983 Professor für Dogmatik an der Universität Freiburg. Am 7. November 1979 kam ich als junger Pfarradministrator nach Rangendingen, Ende November des gleichen Jahres hatte ich also bei ihm das Pfarrexamen in Dogmatik abzulegen. Er fragte mich zu Beginn der Prüfung: ,Haben Sie schon eine Pfarrstelle?’ Ich antwortete, dass ich seit drei Wochen in Hohenzollern sei, wobei er sogleich nachfragte: ,Ja, wo in Hohenzollern?’

Auf meine Antwort ,in Rangendingen’ war er ganz begeistert und fragte mich: ,Kennen Sie schon die Frau Johanna Wiest?’ Ich fragte: ,Meinen Sie die Konrektorin an der Schule?’ Darauf er: ,Ganz genau. Wissen Sie, unsere Familien sind schon lange befreundet. Sie müssen unbedingt der Johanna Wiest einen Gruß von mir sagen!’

Da verstand es sich fast von selbst, dass die Prüfung nur noch eine Nebensache war – und eine gute Note bekam ich auch noch von ihm!“. Norbert Dilger schließt seinen Bericht: „Kardinal Lehmann hat in besonderer Weise sein Leben in den Dienst Gottes und der Kirche gestellt. Möge er nun ruhen in Gottes Frieden.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Mit großem Geleit durch die Domstadt

Trauerzug Die Beisetzung Karl Lehmanns mit großem Trauerzug in Mainz ist für Mittwoch, 21. März geplant.