Burladingen Man sollte mal wieder mähen!

Burladingen / MATTHIAS BADURA 25.07.2012
Beeindruckend, die Impressionen, wenn der Zoller-Berglauf startet oder der Albstadt-Bike-Marathon. Sehenswert war es aber auch, wie 14 Senioren des Pflegeheims St. Georg am Montag durch Burladingen rollten.

Klara Walz, die bekannte, fast schon berühmte Herrin der Sägemühle zwischen Stetten und Hörschwag, die zwischenzeitlich im Alters- und Pflegeheim St. Georg lebt, führte den Zug an. Vieles gab es, was ihrem kritischen Auge missfiel. Die Straße zwischen dem Aldi-Parkplatz und der Anlage St. Georg, auf der die Ausflügler Kurs stadteinwärts nahmen, nörgelte sie, müsse notwendig neu geteert werden."Des wackelt so", beschwerte sie sich, als ihr Rollstuhlüber Flickwerk und durch Schlaglöcher ruckelte. Ein kleines, unbebautes Areal in der Nähe der Georgskirche, auf dem das Gras meterhoch steht, rief desgleichen ihren Unwillen hervor:"Do sott ma amol wieder mäha!" Desgleichen im Gesicht des HZ-Redakteurs, der die Truppe ein Stück des Weges begleitete:"Rasier de au amol!". (Derart gerüffelt, waren dessen Freude und Stolz über den vorausschauend angelegten Urlaubsbart dahin.) Auch sonst hatte sie noch einiges zu bruddeln, etwa, man werde bestimmt nicht mehr nach Hause zurück finden.

Wer die vormalige Sägerin kennt, der würde es so ausdrücken: Klara war in ihrem Element und hatte einen Mordsspaß. Fast wie früher auf der Säge, wo sie gestandene Männer widerspruchslos kommandierte und selbst Autoritäten vor ihr kuschten.

Doch auch den anderen 13 Teilnehmern dieser Expedition schien die Fahrt zu behagen. Monika Baur, aus Killer etwa. Zuerst, erzählte sie, wollte sie gar nicht mit. Es müsse sie ja jemand schieben, das sei doch zu viel Aufwand. Man erklärte ihr, sie habe ja auch ein Leben lang andere versorgt, da sei es nur recht und billig, wenn man sich im Alter um sie kümmere. Ja, pflichtete die Killernerin bei, das stimme wohl. Alsoschloss sie sich an - und genoss das Ganze sichtlich.

Gelungen war die Fahrt schon deshalb, weil die Sonne strahlte -"Haben wir extra bestellt", schmunzelte Margot Buck, die Leiterin von St. Georg, die ihrerseits mit dabei war.

Auf wenig befahrenen Schleichwegen ging es durch Alt-Burladingen in die Josengasse und von dort weiter zum Kreisverkehr, wo der Tross links abbog. Dann bewegte er sich auf dem breiten Bürgersteig längs der Hauptstraße dem Ziele zu: Der Firma Trigema. Dort erwartete Yvonne Maichle die Besucher zu einer Gratis-Werksführung. Alle Anwesenden erhielten einen Kopfhörer, welcher Maichle in den Maschinensälen das Anbrüllen gegen die Technik ersparte, und der den Besuchern das Zuhören erleichterte. Man merkte es: Von den Seniorinnen und Senioren, die in ihrem Leben viel erlebt haben, hatten die wenigsten je einmal einen Walkman oder einen I-Pod mit Ohrstöpseln in Gebrauch. Man musste ihnen beim Anlegen behilflich sein. Staunen im einen oder anderen Gesicht, dass sie die Stimme der Sprecherin so deutlich hörten. Die heftigste Reaktion zeigte wiederum Klara Walz. Sie bekam einen Heiterkeitsanfall - und steckte damit alle anderen an. Ob sie die ungewohnte Technik so ulkig fand? Ob sie der Ohrstöpsel kitzelte? Oder hatte Yvonne Maichle ihr auf einer - für die anderen nicht hörbaren - Frequenz einen saftigen Witz erzählt? Auf jeden Fall wurde gelacht. Nach der Führung gab es Kaffee und Kuchen.

War es nicht vielleicht ein bisschen gefährlich, mit Rollifahrern einen so weiten Weg zurück zu legen? Nein, schüttelte Margot Buck den Kopf, jeder Rollstuhl hatte eine eigene Begleitung, es waren nicht nur Angehörige mit dabei, sondern auch das erfahrene Pflegepersonal. Aber wars vielleicht eine Strapaze für die alten Herrschaften?

Sicher würden die meisten heute Nacht ausnehmend gut schlafen können, glaubte Buck. Im Übrigen verwies sie jedoch auf die fröhlichen Gesichter. Erschöpfung? Auf keinen Fall.

Auch künftig werde man Ausflüge unternehmen. Es gehe dabei nicht nur um die Abwechslung im Heimleben, es gehe auch um die Begegnung der alten mit den jungen Menschen - und umgekehrt. Die Seniorinnen und Senioren seien Teil der Gesellschaft; der Kontakt zueinander und das Bewusstsein füreinander sollennicht verloren gehen. Dank sagte Buck dem Förderverein Seniorenzentrum, der immer wieder beiträgt, Begegnungen zu ermöglichen. Beim diesmaligen Ausflug übernahm er die Kosten für Kaffee und Kuchen. Nicht zuletzt unterstützte Vorsitzender Friedemann Mutschler die jüngste Aktion als Begleiter und Rollstuhlchauffeur.

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