Freiwilligenjahr Melchingerin Luisa Schneider erzählt von Chile

Luisa Schneider aus Melchingen (im gelben T-Shirt) lebt seit vier Monaten in Valdivia/Chile. Sie arbeitet ein Jahr im Freiwilligendienst, morgens ist sie im Kindergarten, mittags betreut sie ältere Kinder in einer Tagesstätte.
Luisa Schneider aus Melchingen (im gelben T-Shirt) lebt seit vier Monaten in Valdivia/Chile. Sie arbeitet ein Jahr im Freiwilligendienst, morgens ist sie im Kindergarten, mittags betreut sie ältere Kinder in einer Tagesstätte. © Foto: privat
Adelbert Barth 29.12.2017

Erinnern Sie sich, verehrte Leser? Am 14. August des sich nun dem Ende neigenden Jahres  flog Luisa Schneider nach Südamerika, um in Valdivia – das liegt im Süden Chiles – ihren Freiwilligendienst für das Gustav-Adolf-Werk zu leisten. Die HZ berichtete damals über die Motive und das Engagement der jungen Melchingerin.

Jetzt schickte sie einen Bericht über ihre Arbeit und ihr derzeitiges Zuhause. Darin schreibt Luisa: „Es ist kaum zu glauben, dass ich schon vier Monate hier bin. Völlig verrückt, dass ich jetzt hier sitze und die bisher wahrscheinlich erlebnisreichsten Monate meines Lebens Revue passieren lasse.“

Beim Abflug hatte sie noch gemischte Gefühle, zum einen belastete sie der Abschied vom Elternhaus, andererseits war da die Vorfreude auf den neuen Lebensabschnitt. In Santiago de Chile angekommen wurde sie mit Seminaren und einem Sprachkurs auf ihre künftige Arbeit vorbereitet. Es sei aber genügend Zeit für Touren durch die Hauptstadt und in die Umgebung und für Aktivitäten mit den anderen Freiwilligen geblieben. Luisa war vorher noch nie in einer vergleichbar großen Stadt. Und sie sei froh gewesen, in dieser Zeit nicht auf sich allein gestellt zu sein: Den ersten Kulturschock, Probleme mit der Sprache und der Orientierung erlebte die Melchingerin gemeinsam mit anderen, konnte ihre Verwunderung, aber auch ihre Begeisterung mit den Freunden teilen.

Am Bestimmungsort

Nach drei Wochen der Vorbereitung ging die Reise weiter zu ihrem eigentlichen Einsatzort. Nach elfstündiger Busfahrt erreichte sie die Stadt Valdivia. Dort wohnt sie seithier bei ihrer Gastmutter Eugenia, deren Tochter Josefina und dem Sohn Pedro ganz in der Nähe der Universität Austral. Die Kommunikation mit ihrer Gastfamilie klappte von Anfang an sehr gut, lässt sie wissen – und meint dabei beides, die Sprache als auch die gegenseitige Zuneigung.

Geich am ersten Tag ihrer Ankunft begann der Arbeitsalltag für die Europäerin. Morgens arbeitet sie nun in einem „Jardin infantil“, einer Art Kindergarten, mit Kindern zwischen zwei und vier Jahren. Die Tagesstätte liegt im Zentrum der Stadt und ist für sie gut zu Fuß zu erreichen. Mittags fährt sie mit dem Bus in den „Hogar luterno“, ihre zweite Arbeitsstelle. Dort gibt es insgesamt fünf Gruppen von Kindern im Alter zwischen zwei und 14 Jahren, um die sie sich zusammen mit weiteren Kolleginnen kümmert.

Sowohl von den Mitaribeiterinnen wie auch von den Kindern wurde Luisa herzlich aufgenommen – als „Tía de Alemania“, was übersetzt „Tante aus Deutschland“ heißt.

Im September feierte Luisa zusammen mit den Kindern den „Dieciocho“, den Nationalfeiertag Chiles. Mit den Kleinen wurden traditionelle Tänze, Lieder und Gedichte einstudiert, die sie an der Feier vor ihren Eltern aufführten. Danach durfte Luisa mit ihren eigenen Workshops beginnen. Morgens im Kindergarten hilft sie den Erzieherinnen, wenn diese den Kindern spielerisch Deutsch beibringen. Im Hogar begleitet sie jeden Tag eine andere Gruppe und bietet je nach Alter ihrer Schützlinge verschiedene Aktivitäten an. Weiter hilft sie bei den  Hausaufgaben. Zusätzlich bietet sie „Talleres de idioma, de arte y deporte“ an , das sind kleine Englischeinheiten, in denen zum Beispiel die Namen der Wochentage gelernt werden.

Größten Spaß macht der Melchingerin die Musikstunde mit Kindern zwischen vier und sechs Jahren. Hier lernen die Kinder Lieder und Rhythmik mit Hilfe von teils selbst gebastelten Instrumenten wie Flaschen-Rasseln. Für eine Weihnachtsfeier, die dieser Tage stattfand, hat Luisa drei Kindern das Flötenspielen beigebracht. Zusammen mit ihnen sang sie dann „Lasst uns froh und munter sein“ – worüber die Erwachsenen hellauf begeistert waren.

Wie Luisa versichert, fühlt sie sich unglaublich wohl in Chile und an ihrem Arbeitsplatz: Wegen der Kollegen, wegen der Kinder und weil sie viele Freiheiten genießt, ihren Arbeitsalltag selbst gestalten kann.

Im Süden unterwegs

An den Wochenenden hat sie  Zeit, die Stadt und ihre Umgebung zu erkunden. Valdivia, lässt sie wissen, ist eine Studentenstadt, „in der immer etwas los ist“.

Weihnachten verbrachte Luisa im Kreise ihrer Gastfamilie. Momentan ist sie zusammen mit einer Freundin im Süden des Landes unterwegs. An Silvester wollen sich die beiden mit anderen Freiwilligen in Santiago treffen, um dort gemeinsam den Jahreswechsel zu feiern. Im Januar beginnen dann wieder der Kindergarten- und der Schulalltag. Luisa freut sich schon darauf. Und Melchingen? Das ist für sie im Moment ganz weit weg.

Projekte in vielen Ländern

Freiwilligendienst Das Gustav-Adolf-Werk Württemberg, GAW, versteht sich als „Brücke zwischen den evangelischen Kirchen in Deutschland und kleinen Gemeinden im Ausland“. Es „verbindet Christen und  unterstützt sozial-diakonische Einrichtungen und Gemeinden“ in mehreren Ländern. Wer sich für den Freiwilligendienst des GAW interessiert, findet im Internet Informationen unter www.gaw-wue.de.