Es handelt sich um „den Versuch, sehr unterschiedliche Menschen und Gruppen hinter einem gemeinsamen Minimal-Konsens zu versammeln“, heißt es in der Erklärung. Zahlreiche Vereinigungen haben den Aufruf bereits unterzeichnet.

Burladingen

„Wir hoffen dass dadurch auch eine Vernetzung der Zivilgesellschaft angeschoben wird“, beschreibt der Sprecher der Alboffensive, Moritz Elser, die Intention seiner Gruppe. Der Bezug zu Burladingen erkläre sich daher, „da Burladingen in Vergangenheit lokal und bundesweit negative Schlagzeilen, unter anderem im Zusammenhang mit der AfD produziert hat“, erklärt Elser.

Die ersten Unterzeichner

Zu den ersten Unterzeichnern, die ihre Zustimmung per E-Mail signalisiert haben, gehören bislang die Gruppierungen Albstadt bleibt bunt, AK Asyl Balingen, AK Asyl Hechingen, Die Linke – Kreisverband Zollernalb, Die PARTEI Kreisverband Zollernalb, Fridays For Future Albstadt, GEW - Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Zollernalbkreis, Jusos in der SPD im Kreisverband Zollernalb, der SPD-Ortsverein Meßstetten und der Verein Kleinkunstbühne K3.
Der Burladinger Aufruf im Wortlaut:

Burladinger Aufruf: Keine Stimme der AfD im Zollernalbkreis!

Seit einigen Jahren erleben wir in der Bundesrepublik einen deutlich spürbaren Rechtsruck. Dieser findet im Diskurs, auf der Straße und an der Wahlurne statt. Der parlamentarische Arm des Rechtsrucks ist die 2013 gegründete Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD). Anfangs noch eher eine rechtskonservative Partei wandelte sich die AfD zu einer rechtsextremen Partei mit rechtspopulistischen Stil.
Der AfD gelang es in den letzten Jahren Wahlerfolge für sich zu verbuchen, indem sie gesellschaftliche Gruppen gegeneinander ausspielten und aufhetzen. Mit ihrer Politik schürt sie Vorurteile und Ängste indem sie die Gesellschaft entlang von Religion und Herkunft spaltet.
Die so genannten „Lösungen“ der AfD bestehen vor allem in einer Nationalisierung und Ethnisierung des Politischen („Deutschland zuerst!“, „Der Islam gehört nicht zu Deutschland.“ usw.).
Der damit einher gehende Ruf nach Sondergesetzen für Minderheiten (z. B. Moscheebau- oder Minarettbau-Verbot) ist antidemokratisch, da er den demokratischen Gleichheitsgrundsatz verletzt.
Die AfD ist gleichzeitig Akteurin und Gewinnerin des Rechtsrucks. Dieser ist auch in den Kommunen deutlich spürbar.
Auch was AfD-Vertreter von der Pressefreiheit halten, demonstrierte der damalige Burladinger Bürgermeister Harry Ebert, seit 2016 ein AfD-Mitglied, als er einer Vertreterin der lokalen Presse Hausverbot erteilte.
Wir sind uns unserer historischen Verantwortung auch auf lokaler Ebene bewusst. Im Zollernalbkreis hat der deutsche Nationalsozialismus seine blutigen Spuren hinterlassen. Im Rahmen des „Unternehmen Wüste“ wurden hier in der Region 1944 und 1945 von der SS über 10.000 Häftlinge zur Arbeit gezwungen. An den Folgen dieser Zwangsarbeit starben mehr als 3.480 Menschen. Für uns ist das kein „Vogelschiss“, wie der AfD-Ehrenvorsitzende Alexander Gauland einmal meinte.
Die AfD tritt zur Landtagswahl am 14. März 2021 auch in den Wahlkreisen Balingen und Hechingen-Münsingen mit je einem Kandidaten an.
Spätestens nach den Austritten des für die AfD gewählten Landtagsabgeordneten Stefan Herre und drei von vier Kreisräten im November 2019 haben sich die rechts-konservativen Kräfte im Zollernalbkreis aus der AfD verabschiedet.
Seitdem hat man es mit einem klar rechtsextrem dominierten Kreisverband zu tun. Armin Schweitzer, selbst für die AfD im Mai 2019 in den Kreisrat gewählt, schrieb im Dezember 2019 in seiner Austrittsbegründung: „Die AfD sowohl im Bund als auch im Zollernalbkreis (KV) veränderte ihr Erscheinungsbild in den letzten sechs Monaten in erheblichem Maße zum Negativem! Dies vollzog sich zunehmend im Sinne einer rechtsradikaleren, immer mehr autoritäreren Grundausrichtung. Der wachsende Einfluss des ,rechten Flügels’ eines Björn Höcke (Thüringen) gestaltet sich mehr und mehr zum Problem der ursprünglichen Glaubwürdigkeit der AfD.“
Die AfD stellt auch im Zollernalbkreis keine Alternative zu den etablierten Parteien dar. Statt Lösungen hat sie nur Rückschritte, Spaltung und falsche Versprechungen anzubieten.
Wer eine solidarischere Gesellschaft möchte, in der alle Menschen besser leben können, der*die muss sich entschieden gegen die AfD stellen.
Der „Burladinger Aufruf“ richtet sich an Menschen im Zollernalbkreis, denn wir glauben , dass auch eine kleinteilige, kommunal verwurzelte Arbeit gegen den Rechtsruck notwendig ist. Sie muss dann durch überregionale und internationale Zusammenarbeit mit anderen Gruppen und Einzelpersonen ergänzt werden.
Im Rahmen des „Burladinger Aufrufs“ erklären wir:
* Für uns, die Unterzeichnenden des „Burladinger Aufrufs“, stellt die AfD keinerlei wählbare Alternative dar. Wir appellieren an die Menschen im Landkreis diese Partei nicht zu wählen.
* Wir rufen dazu auf in diesem Sinne Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit zu leisten. In den Familien, in den Betrieben, in den Gemeinden.
* Gegen die AfD und den Rechtsruck hilft auch eine stärkere demokratische Teilhabe. Demokratie darf sich nicht auf die Wahlurnen beschränken. Wir fordern deswegen mehr Demokratie auf allen Ebenen. In den
In den Betrieben, in den Nachbarschaften, in den Jugendhäusern, in den KITAs und in
den Schulen.
Erstunterzeichnende Gruppen:
* „Albstadt bleibt bunt“
* „Alboffensive – kein brauner Alb(t)raum“
* „AK Asyl Balingen“
* „AK Asyl e.V. Hechingen“
* „Die Linke – Kreisverband Zollernalb“
* „Die PARTEI Kreisverband Zollernalb“
* „Fridays For Future Albstadt“
* „GEW - Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Zollernalbkreis“
* „Jusos in der SPD, Kreisverband Zollernalb“
* „SPD-Ortsverein Meßstetten“
* „Verein Kleinkunstbühne K3 e.V.“