Nachdem der Prozess um einen versuchten Waffenkauf in der vergangenen Woche am Hechinger Amtsgericht wegen Reichsbürgerverdacht mit Eingangskontrollen und Polizeischutz eröffnete, stellte sich der Gegenstand des Verfahrens am zweiten Verhandlungstag phasenweise wie eine Seifenblase dar.

In den meisten Zeugenaussagen schien sich am Mittwoch zu bestätigen, was der jüngere der beiden Angeklagten (58) aus dem Raum Burladingen beim Prozessbeginn dargelegt hatte – dass er zwar im April 2016 eine Waffe geordert, aber nie erhalten habe. Die Bestellung, sagte er damals, sei eine Dummheit und Rauschtat gewesen. Und nur durch seine Schuld sei sein älterer Mitangeklagter (59) in die Sache hineingerutscht.

Der Mann, der die Waffen im April 2016 angeboten hatte, erzählte gestern, der Angeklagte sei bei der Kaufvereinbarung und bei zwei späteren Treffen betrunken gewesen. Bei der ersten Begegnung habe er „Verschwörungstheorien“ ausgebreitet und von Ufos und Außerirdischen dahergeredet, die sich in seinem Garten aufhalten. Daher brauche er eine Waffe zur Verteidigung.

Er selber, berichtete der Zeuge weiter, sei damals hochverschuldet gewesen. In seiner Geldnot habe er die Situation ausgenutzt und beschlossen, sein Gegenüber hereinzulegen. Er habe eine Waffenlieferung zugesagt und ein paar Tage später 5500 Euro dafür kassiert. Wirklich eine Waffe zu besorgen, sei er gar nicht in der Lage.

Ein zweiter Zeuge gab zu, er habe den Kontakt zwischen dem falschen Händler und dem Angeklagten eingefädelt. Mehr wisse er über die Sache nicht. Er habe allerdings mitbekommen, dass es Knatsch gab, weil die Ware nie geliefert wurde.

So will es auch eine weitere Zeugin wahrgenommen haben. Wie sie bei den Ermittlungen im Jahr 2017 gegenüber der Polizei ausgesagt hatte, hörte sie zu, als sich der jüngere Angeklagte und andere über einen angeblich bevorstehenden Krieg unterhielten. Demnach war die Rede davon, dass man sich bewaffnen, mit ABC-Anzügen ausrüsten und in einer Höhle verschanzen müsse, deren Eingang noch mit Hilfe von Sprengstoff zu vergrößern sei. Dabei, dies wiederholte die Frau am Mittwoch gegenüber Amtsrichter Ernst Wührl, sei auch der geplatzte Waffendeal zur Sprache gekommen. Der Auftraggeber habe für seine 5500 Euro lediglich eine Schein-Rechnung über Computerteile erhalten, aber keine Kriegswaffe.

Die Zeugen stellten den jüngeren Angeklagten als einen Typen dar, der merkwürdigen Überzeugungen anhänge, aber im Grunde vollkommen harmlos und friedliebend sei. Der zweite Angeklagte tauchte in den Erzählungen kaum auf, demnach wäre er eine Randfigur in der Geschichte gewesen.

Amtsrichter Wührl und auch Staatsanwalt Patrick Bader beließen es bei diesen Darstellungen. Als Zuhörer hatte man jedoch den Eindruck, als ob da teilweise faustdick gelogen wurde. Mehrfach widersprachen sich die Aussagen und sie passten erst recht nicht zu dem, was später ein Beamter des Landeskriminalamtes aus den Ermittlungen berichtete.

Damit war die Beweisaufnahme abgeschlossen, die Verteidigerin und der Verteidiger der beiden Angeklagten sowie der Staatsanwalt werden ihre Plädoyers erst am Freitag halten. Möglicherweise legen die Anwälte ein starkes Gewicht auf das Argument, dass in den SMS-Nachrichten, die seinerzeit zwischen den Beteiligten hin und her liefen, nie das Wort „Maschinenpistole“ fiel. Es sei immer nur um „Waffen“ gegangen. Damit könne ja auch eine einfache Pistole oder ein Messer und selbst ein Frauenschuh gemeint sein.

Das sah allerdings der LKA-Ermittler anders. Wie er überzeugt ist, waren mit den untereinander verwendeten Begriffen „Bohrmaschine“ und „Dübel“ nichts anderes als Maschinengewehre und Munition gemeint. So hatte auch der vorgebliche Waffenschieber in seiner Vernehmung erklärt, es sei ausdrücklich um Militärwaffen gegangen; sein Auftrag habe gelautet, dem Angeklagten ein oder mehrere Wehrmachts-Sturmgewehre zu besorgen. „Er wollte unbedingt ein G 43 haben.“

Plädoyers auf der Tagesordnung


Ablauf Der Prozess wird am Freitag dieser Woche um 9 Uhr fortgesetzt. Die Plädoyers sind angekündigt, womöglich fällt auch das Urteil.