Tierschutz Kieferbruch nach Rüsselschlag

Burladingen / HARDY KROMER 19.10.2012
Ein Elefant hat einem zwölfjährigen Jungen in Burladingen den Kiefer gebrochen. Der Unfall ereignete sich während des jüngsten Gastspiels des Circus Luna auf dem Burladinger Festplatz.
Einen Kieferbruch hat ein zwölfjähriger Junge während einer Tierschau des „Circus Luna“ in Burladingen davongetragen. Öffentlich gemacht hat diesen Vorfall jetzt die Tierschutzorganisation Peta, die gleichzeitig massive Vorwürfe gegen die Behörden erhebt und eine sofortige Beschlagnahmung des Elefanten fordert.

Nach Angaben der Tierschützer besuchte der Schüler eine Vorstellung sowie die Tierschau, als ihn die Elefantendame Benjamin mit dem Rüssel geschlagen und im Gesicht getroffen haben soll. Die Polizeidirektion Balingen hat inzwischen bestätigt, dass der Vorfall bei der Burladinger Polizei angezeigt worden ist. Das städtische Ordnungsamt und das Gewerbeaufsichtsamt hätten den Unfall rasch untersucht. Es sei festgestellt worden, dass der Elefant hinter einem Elektrozaun sicher untergebracht gewesen sei.

Nicht ausschließen will die Polizei, dass der Junge durch den Zaun gegrifft haben könnte, um den Dickhäuter zu streicheln. Ob der Elefant den Jungen dann gezielt umstieß oder ob der Bub zufällig von dem pendelnden Rüssel getroffen worden sei, lasse sich nicht mit Sicherheit sagen. Wie es weitergehen wird, muss nun die Hechinger Staatsanwaltschaft entscheiden, der die Ermittlungsergebnisse vorgelegt worden sind.

Während die Ermittler bislang also die Schuldfrage noch offen lassen, erhebt die Tierrechtsorganisation Peta schwere Vorwürfe gegen die Veterinärbehörden sowie das Regierungspräsidium Freiburg. Peta meint, dass der Unfall absehbar gewesen sei. Die Elefantendame Benjamin leide „aufgrund jahrelanger qualvoller Haltungsbedingungen“ unter schweren Verhaltensstörungen. Weil Peta das zuständige Regierungspräsidium Freiburg zuletzt Mitte Juli in einem Schreiben ausdrücklich vor dem Risiko eines erneuten Unfalls warnte, sieht die Tierrechtsorganisation eine Mitschuld bei der Behörde. Peta fordert die unverzügliche Beschlagnahmung des Elefanten und seine Überführung in eine artgerechtere Auffangstation sowie ein grundsätzliches Verbot von Wildtieren im Zirkus.

Peta verweist darauf, dass der Burladinger Unfall nicht erste war, an dem Elefant Benjamin beteiligt war. Im September 2010 sei ein junger Vater in Leutkirch durch einen Angriff des Dickhäuters lebensgefährlich verletzt worden. Der 24-Jährige habe eine Niere verloren und sei im Koma gelegen, sein neun Monate alter Sohn habe eine Oberschenkelfraktur erlitten. Und schon im Jahr 2000 habe der Elefant eine Frau in Melsungen „krankenhausreif geschlagen“. Das Tier habe der Mutter und ihrem sechs Jahre alten Kind ebenfalls einen Schlag mit dem Rüssel versetzt.

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