Burladingen Kanz-Brüder verkaufen Grupp-Heli

Burladingen / MATTHIAS BADURA 29.06.2013
Ein Jahr dauerte die Suche nach dem passenden Käufer und nahmen die Sicherheitschecks in Anspruch, bis der Jet-Ranger 206 am Mann war. Helikopter verkaufen sich wohl nicht so einfach wie Butterbrote.

Sven und Michael Kanz stammen aus Ringingen. Unter dem Firmennamen Kanz Automobile kaufen und verkaufen sie Autos, vorwiegend Luxuswagen. Ihr Geschäft betreiben sie von Sonnenbühl und Burladingen aus, sind aber gerade dabei, ein Autohaus in Melchingen zu erstellen, das in rund zwei Monaten bei einem Tag der offenen Tür seiner Bestimmung übergeben werden soll.

Wie man zum Händler von Edelkarossen wie Maybach, Ferrari oder Lamborghini wird? Auf den Tag und den Kunden genau können Sven und Michael Kanz das nicht erklären. Irgendwann habe es vor rund fünf Jahren irgendwie angefangen. Sie hätten ihre Sache wohl gut gemacht, es folgten Anschlussgeschäfte, ihr Name sprach sich herum. Dass sie ihren Firmensitz auf der beschaulichen Alb hatten, kam ihnen im mondänen Kundenkreis durchaus zugute. "Das strahlt Vertrauen aus", erklärt Sven Kanz.

Hubschrauber haben die beiden 28 und 34 Jahre alten Brüder auch schon verkauft. Wieder ist der Hintergrund derselbe: man sei an die Sache heran geraten und plötzlich waren die Anfragen da. Einen solchen Deal wie den mit dem Grupp-Hubschrauber hätten sie allerdings noch nie gemacht, auch wenn sie bereits allerhand Härten gewohnt waren.

Vor einem Jahr begannen sie die Suche nach einem Interessenten für den Jet-Ranger 206, den Wolfgang Grupp 1995 gekauft hatte und der 18 Jahre in Betrieb gewesen war. Interessenten gab es offenbar viele, aus der Schweiz oder aus Leipzig etwa.

Formen nahm der Verkauf aber erst an, als sich ein israelisches Luft- und Raumfahrtunternehmen für den Heli interessierte. Es will die Maschine künftig zur Schulung seiner Piloten einsetzen. Als die Sache vollends konkret wurde, reiste ein israelisches Ingenieurteam an, um den Hubschrauber unter die Lupe zu nehmen. Nachdem die Kommission grünes Licht gegeben hatte, reisten die eigentlichen Verhandlungspartner nach. Was sich simpel anhört, war in Wirklichkeit kompliziert und nervenaufreibend. So mussten die Kanz-Brüder die betreffenden Personen unter anderem mitten in der Nacht vom Stuttgarter oder Züricher Flughafen abholen, sie im Hotel einquartieren und anderntags nach Burladingen befördern. Vor allem mussten sie aber den Ingenieuren Rede und Antwort stehen, zu der Maschine und zu den Flugbüchern, in denen jede einzelne Flugstunde, jedes technische Detail minutiös dokumentiert ist. Wie in einem Inspektionsheft? Michael Kanz lacht und macht deutlich: "Das ist ein regelrechter Aktenschrank voller Daten". Zuletzt kamen die Experten jedoch zu dem Ergebnis, dass sich die Maschine in einem Top-Zustand befindet. Und waren folglich bereit, den geforderten Preis zu bezahlen.

Um diese Ereignisse herum ranken sich zahlreiche Episoden und Anekdoten, welche die beiden Brüder erzählen oder andeuten. Fazit bleibt: "Einen Hubschrauber ins Ausland und obendrein ins Nicht-EU-Ausland zu verkaufen, das ist was anderes, als ein Auto bei der Zulassungsstelle ab- und anzumelden", so Sven Kanz.

Am Montag dieser Woche begab sich der vormalige Trigema-Hubschrauber auf seinen mutmaßlich letzten Flug innerhalb Deutschlands. Mit Wolfgang Grupp, Sven und Michael Kanz an Bord, ging es vom Trigema-Werk 6 in Burladingen, wo der Jet-Ranger 206 zuletzt stand, in eine Flugwerft nach Heilbronn. Von dort aus reist er im Container seinem Bestimmungsort entgegen.

Man hatte den Hubschrauber zuvor noch regelmäßig über der Stadt fliegen sehen, weil es vorschriftsgemäß alle zwei Wochen bewegt werden musste. Das ist jetzt, wie gesagt, vorbei.

Über die im Spiel befindlichen Summen bewahren die beiden Ringinger Kommissionäre absolutes Stillschweigen. Aber dass sie ein dickes Lob von Wolfgang Grupp erhielten, das lassen sie gern durchblicken. Wenn der Trigema-Chef der Ansicht ist, die Brüder seien knallharte Verhandlungspartner und gute Geschäftsleute, wird man das glauben dürfen.

Und Wolfgang Grupp? Besitzt er jetzt keinen Hubschrauber mehr? Falsch, er reist seit über einem Jahr in einer dem Jet-Ranger 206 weit überlegenen Bell 407 durch die Lüfte zu seinen Verkaufsgeschäften und Terminen.

www.kanz-automobile.de

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