Burladingen Jugendliche wollen gehört werden

Burladingen / Bianka Roith 09.06.2018
„Burladingen ist bunt“: Das Bündnis für Offenheit und Menschlichkeit hat die Themen Rechtspopulismus und rechte Strömungen bei Jugendlichen von verschiedenen Seiten beleuchtet.

Zur Einstimmung der Besucher waren im katholischen Pfarrsaal in Burladingen Teile der Ausstellung „Aufbruch – Fluchtweg – Ankommen“ aufgebaut.

Referent war Professor Josef Held. Er berichtete über eine Studie über Rechtspopulismus und Rassismus im Kontext der Fluchtbewegung. Ohne erhobenen Zeigefinger versuchte er aufzudröseln, wie Jugendliche zu den Flüchtlingen stehen und ob sie wirklich so fremdenfeindlich sind.

Mit der AfD wollen sie auf jeden Fall nichts zu tun haben. Die meisten Jugendlichen geben sich mittig, obwohl sie anders denken.

Große Verunsicherung

Es gebe eine große Verunsicherung und Zukunftsangst. Eine Schülerin jammerte zum Beispiel, ihr Leben sei ruiniert. Auf Nachfrage lamentierte sie, sie wollte eigentlich eine Ausbildung machen, heiraten und Kinder kriegen. Aber die Zeiten seien ja so unsicher. Es gab auch das Gerücht, dass man in Hechingen die Kreiskrankenhäuser geschlossen hat, um dort Flüchtlinge unterzubringen. Menschen waren der Ansicht, dass Ausländer die Kultur kaputt machen und dadurch die „heile Welt in der Heimat“ bedrohen. „Aber wenn man die Heimat politisiert, ist es gefährlich.“

Soziale Medien unwichtig

Josef Held stellte klar, dass die sozialen Medien keine große Rolle spielen, um die Jungen aufzuhetzen. Junge Menschen seien sehr stark auf das Wir angewiesen. Keiner redet und nach Nachfrage heißt es, wir waren uns gleich einig. In so einer Gemeinschaft lasse sich die politische Stimmung sehr leicht einheizen.

Politische Bildung sei das Ergebnis der Identifikation über eine Macht, die man nicht hat. Politisch aktiv zu sein, sei daher ein wichtiges Mittel.

„Rechtspopulismus sieht harmlos aus, aber er kann sich zuspitzen und das gilt es zu bekämpfen.“

In der Podiumsdiskussion trafen Thomas Hochländer (Vorsitzender des Jugendparlaments Burladingen), Michael Eisele (CDU-Fraktionsvorsitzender im Burladinger Gemeinderat), Rosi Steinberg (Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler), Josef Held, Cord Dette (Fachbereichsleiter Jugendarbeit Mariaberg) und Chris Bartels (Weltethos-Beauftragter des Progymnasiums Burladingen), aufeinander, um ihre Erfahrungen mit der Redefreundlichkeit der Jugendlichen auszutauschen.

Stuhl blieb leer

Ein Stuhl in der Mitte blieb leer. Er war gedacht für einen Zuhörer, der sich aktiv an der Podiumsdiskussion beteiligen möchte, wie Moderator Manfred Knobloch vom Bündnis erläuterte. Die Zuhörer redeten zwar eifrig mit, doch der Stuhl blieb unbesetzt. Es gebe einfach keine Diskussionskultur mehr, es werde weniger geredet. Der Austausch erfolgt eher über soziale Medien, so der Tenor. „Aber wenn man diskutiert, muss doch am Ende ein Ergebnis stehen“, meinte Chris Bartels. Es erfordere eben Mut, seine Meinung zu äußern.

Wenn etwas auf Facebook gepostet werde, dann werde diskutiert. „Aber das ist Anonymität, die in unserer Generation nicht da war“, erklärte Rosi Steinberg. „Es ist die Basispolitik, zu diskutieren und mit den Jugendlichen zu besprechen, wo sie bolzen und wo sie das überhaupt dürfen. Das finde ich schon politisch“, erklärte Cord Dette.

Eigene Meinung unerwünscht

„Sie mögen mich nicht, weil ich eine andere Meinung habe“, musste eine Schülerin erfahren. Doch solche kontroverse Diskussionen seien wichtig, damit der Reflexionsprozess angeregt werde. Jugendliche dürfen nicht das Gefühl haben, es sei eh egal, was sie meinen. „Sie dürfen nicht denken, als junger Mensch nicht ernst genommen zu werden“, so Cord Dette.

Die jungen Menschen benötigen einen Raum, wo sie sich austauschen können. Ein Bauwagen ist ihr Raum, da fühlen sie sich frei. Hier spiele das Besitztum eine Rolle, so Thomas Hochländer. Hier können die Jugendlichen bestimmen, wer Zutritt erhält und wer nicht.

Josef Held führte ins Feld, dass zu wenig über das Generationsverhältnis geredet werde. „Die Alten wissen es besser, deshalb sagen die Jungen nichts mehr.“ Alles besser zu wissen, weil man älter ist, sei schädlich.

Eine sinnvolle Herangehensweise wäre, die Jugendhäuser wieder zu beleben, waren sich die Redner und auch das Publikum einig. Es gebe zu wenig Freiräume. Junge Menschen haben es aber schon immer geschafft, Freiräume zu finden.

Ein Zuhörer erklärte, Integration finde statt beim Sportverein, nicht nur die Nationalmannschaft sei bunt. Aber das Thema Heimat dürfe nicht nur bestimmten Gruppen überlassen werden, betonte Josef Held.

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