TIERQUÄLEREI Jäger, der Hund durch Ort schleifte, ist Waffen und Jagdschein los

Golden Retriever "Jazz" aus Burladingen. Der Jäger, der ihn gequält hat, soll jetzt 18.000 Euro Strafe bezahlen und zwei Monate lang den Führerschein abgeben.
Golden Retriever "Jazz" aus Burladingen. Der Jäger, der ihn gequält hat, soll jetzt 18.000 Euro Strafe bezahlen und zwei Monate lang den Führerschein abgeben. © Foto: privat
Burladingen / HARDY KROMER 13.12.2013
Neues vom Drama um „Jazz“: Das Landratsamt hat dem Burladinger Jäger, der den Hund gequält hat, die Waffen und den Jagdschein weggenommen.

Einsatz am Burladinger Mettenberg: Beamte der Jagdbehörde des Balinger Landratsamtes haben am Freitagvormittag  in Begleitung von Burladinger Polizisten dem 74-Jäger, der am Samstag  vor einer Woche einen Hund mit seinem Auto fast zu Tode geschleift hat, den Jagdschein und seine Waffen weggenommen. Widerstand hat der Jäger nicht geleistet. Die Herausgabe, so ließ das Landratsamt auf Anfrage der Hohenzollerischen Zeitung (HZ) wissen, sei freiwillig erfolgt. Damit steht fest, dass der Waidmann ab sofort nicht mehr jagen darf. Auch die Jagdpacht für sein Revier am Mettenberg hat der Burladinger damit verwirkt. Gegenüber den Behördenvertretern soll der Jäger freilich Rechtsmittel angekündigt haben.

„Der Jagdschein und die Waffen sind weg? Das höre ich gern. Das ist sehr beruhigend“, sagte Bernd Weinschenk, der Besitzer des Golden Retrievers „Jazz“, als er von der HZ von der Aktion der Behörden erfuhr. Mehr wollte der Mediendesigner, dem der bundesweite Rummel um seinen verletzten Hund zuletzt immer unheimlicher geworden ist, nicht dazu sagen. Weinschenk sieht, was diese Woche auch auf die Familie des der Tierquälerei beschuldigten Jägers eingeprasselt ist, und beschwichtigt: „Die Kinder und die Enkel können ja nichts dafür.“

Besonnenheit, zu der auch Kreisjägermeister Walter Greff aufruft, tut offenbar dringend Not. Denn inzwischen ist auch erkennbar, dass die rechtsradikale Szene von Burladingen das Thema der Woche für sich zu vereinnahmen sucht. Unter dem populistischen Motto „Tierschutz ist Heimatschutz“ hat die Szene eine Mahnwache auf dem Burladinger Rathausplatz angekündigt. Die Mahnwache ist versammlungsrechtlich genehmigt worden und wird, wie unsere Zeitung erfahren hat, von der Polizei beobachtet werden.

Tierschutz ist Heimatschutz? Dr. Günter Wiebusch, Vorsitzender des Tierschutzvereins Zollernalbkreis, distanziert sich vehement von der für den heutigen Samstag geplanten Veranstaltung in aller Form. „Wer Menschen wegen ihrer Rasse diskriminiert, wie es die Rechten tun, kann niemals ein glaubwürdiger Tierschützer sein“, sagt Wiebusch. Was heute in Burladingen stattfinden soll, sei nichts anderes als „mieser Missbrauch einer vorherrschenden Stimmung, um daraus politisches Kapital zu schlagen.“

Derweil hat die Kreisjägervereinigung Hechingen ein Mitgliedsausschlussverfahren gegen den Burladinger Jäger eingeleitet. Kreisjägermeister Walter Greff, der sich schon zu Wochenbeginn in aller Deutlichkeit von der Tat seines Jägerkollegen distanziert hatte, hat  von seinem zehnköpfigen Vorstands- und Ausschussgremium die Zustimmung dafür eingeholt, dem 74-Jährigen die Ausschlussverfügung zuzustellen. „Der Tatbestand des vereinsschädigenden Verhaltens ist klar erfüllt“, sagte Greff zur Begründung. Sollte der Burladinger gegen den Ausschluss Einspruch einlegen, dann müsste die Jahreshauptversammlung über den Ausschluss entscheiden.

Die beste Nachricht am Ende einer turbulenten Woche, die Burladingen bundesweit in die Schlagzeilen gebracht hat, kommt derweil aus dem Mörikeweg, wo die Weinschenks zu Hause sind: „Dem Hund geht’s gut. Ich bin sehr zufrieden“, sagt Bernd Weinschenk, Herrchen von „Jazz“. Tierarzt Günter Wiebusch, habe „richtig gute Arbeit geleistet“. An den Hinterläufen des 200 Meter weit über die Straße geschleiften Tieres habe man die Verbände schon entfernen können.

 

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