Stetten/Hörschwag In der Walzmühle wird aufgeräumt

Auch das Umfeld der Walzmühle (im Hintergrund) wird untersucht: Drei Rottenburger Studenten nehmen Abflussmessungen an der Lauchert vor. Es geht darum, wie viel Strom das Wasserrad der Mühle erzeugen könnte. Foto: Vera Bender
Auch das Umfeld der Walzmühle (im Hintergrund) wird untersucht: Drei Rottenburger Studenten nehmen Abflussmessungen an der Lauchert vor. Es geht darum, wie viel Strom das Wasserrad der Mühle erzeugen könnte. Foto: Vera Bender
Stetten/Hörschwag / VERA BENDER 29.06.2013
Was tut sich eigentlich bei der - im vergangenen Jahr verkauften - Walzmühle? Was auf den ersten Blick relativ geheimnisvoll erscheint, ist in Wirklichkeit öffentlich und sogar für ein breites Publikum gedacht.

Im ersten Moment hält sich Gunter Heinzmann etwas bedeckt. Dabei sitzt der neue Eigentümer der fernsehbekannten Mühle an der Lauchert zwischen Hörschwag und Stetten u. H. vor dem alten Gebäude und verteilt bei der "Tour de Burladingen" höchstpersönlich die Aufkleber der Station an die Radfahrer.

Man muss den Steuerberater aus Reutlingen schon direkt ansprechen, dann zeigt sich Heinzmann aber erstaunlich offen und führt bereitwillig durchs Anwesen. Wie er zum Kauf der Walzmühle kam? Ob er Verbindungen nach Burladingen hat? Der heimatverbundene und geschichtsinteressierte Mann lacht: "Das war eine ganz spontane Aktion." Gunter Heinzmann hat nie in Burladingen gelebt, hat hier keine Verwandten oder Beziehungen. Aber er strahlt übers ganze Gesicht, wenn er die Fischreusen zeigt, die er kürzlich gefunden hat.

Wie es mit der Mühle weitergeht? "Wir befinden uns gerade in der Orientierungsphase", sagt der Besitzer zunächst etwas nebulös. Doch der Nebel lichtet sich schnell - genau wie die scheinbare Unordnung. Momentan wird "aufgeräumt", sprich: Es wird gesichtet, was alles da ist, was funktionstüchtig ist, was der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann.

Noch kann man die alte Kornmühle nicht richtig in Augenschein nehmen, da erst viele Gegenstände weggeräumt werden müssen. Doch der Steuerberater ist ganz stolz und aufgeregt, denn von der Kornmühle dürften die wenigsten wissen.

Er selbst hat Klara Walz nur ein einziges Mal im Burladinger Seniorenheim getroffen. Doch Heinzmann ist fasziniert von dem Leben der Frau, die ihren Mann gestanden hat. Am liebsten würde es der Reutlinger sehen, wenn das Leben von Klara Walz als Biographie erscheinen würde. Aber es gibt doch schon ein Buch über die Walzschwestern und sogar einen Film? Ja, klar - sofort erfährt man, dass im Stall eine Leinwand und ein Beamer sind und man den Film gerne zeigen könne.

Schließlich soll ein öffentliches, begehbares Museum an und in der Walzmühle entstehen. Bewirtung gab es schon während der "Tour de Burladingen§. Wie genau alles gestaltet sein wird, muss sich in den nächsten Wochen zeigen. Man verhandelt derzeit mit dem Denkmalamt, da die Walzmühle ein Kulturdenkmal ist. Was kann man machen? Was darf man machen? Gunter Heinzmann muss sich noch in Geduld üben.

Derweil nehmen drei Studenten der Fachhochschule Rottenburg Abflussmessungen an der Lauchert vor. Sie wollen durch das Ausmessen des Flussbettes herausfinden, wie viel Wasser an der Mühle entlang fließt. Gar keine einfache Aufgabe, da es sich ja nicht um eine betonierte Röhre handelt, sondern um einen natürlichen Wassergraben, der mal breiter oder mal tiefer ist. Rechnet man die Fließgeschwindigkeit des Wassers hinzu, kann man ausrechnen, wie viel Strom das Wasserrad produzieren könnte. Die Rottenburger Studenten wollen durch ihre Bestandsaufnahme also herausfinden, ob es sich lohnt, die vorhandene Anlage zu revitalisieren. Eine etwas ältere Studie des Regionalverbandes Neckar-Alb muss hierzu überprüft werden.

Bald könnte die Albmühle, wie sie in Facebook und auf der Homepage www.albmuehle.de genannt wird, wieder zu neuem Glanz erblühen. Der Weg wurde bereits frisch eingeschottert. Die Alltagsgegenstände, mit denen Klara Walz und ihre verstorbene Schwester Marie so viele Jahre hantiert haben wie anno dazumal, werden liebevoll drapiert. Gänse tummeln sich in der Wiese. Die Kapelle ist für Pilger und Gläubige geöffnet. Alles wirkt, als würde hier das Leben weitergehen, so wie es bereits vor fünfzig Jahren ablief. Eigentlich wartet man nur darauf, dass Klara Walz die Säge anwirft.

Info Kontakt: Albmühle GmbH,

Telefon 07121/922512, Internet: www.albmuehle.de.

Was ist in Burladingen in Sachen Tourismus zu bewegen?
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