"Ich bin ein Polarhund und deshalb ein Laufwunder, weshalb also soll ich da rein und mich fahren lassen?" mag sich manch ein Felltier gefragt haben, als die Aufforderung kam: "Ab in die Schubkarre!". Doch wer bei einer Hundeolympiade einen Preis gewinnen will, muss auch komische Dinge machen. Über eine Rettungsdecke gehen, die böse raschelt, oder unter einem Streifenvorhang durch.

Und wie das bei allen Lebewesen so ist, gibt es da die mutige Charaktere - und die entschlossenen. Solche eben, die ganz fest entschlossen sind, das nie, niemals zu tun. Aber Höchstleistungen im Balancieren waren auch gar nicht die Hauptsache bei diesem Wettkampf am Samstag. Es stand der gemeinsame Spaß im Vordergrund beim Tag der offenen Türe in der Auffangstation für Polarhunde in Gauselfingen.

Und diesen Spaß hatten hunderte Menschen und viele Hunde, obwohl - oder vielleicht sogar weil der Tag im Gedenken an den im April verstorbenen Gründer des in Freudenstadt ansässigen Vereins, Günter Schwartze, stand. Drei Aufträge habe der vor seinem Tod an seine Vereinsmitglieder weitergegeben, erzählte die neue Vorsitzende Christiane Breinig. Einer davon lautet: "Sichert, was wir bisher geschaffen haben und dass wir die zukünftige Arbeit leisten können."

Zu dieser Sicherung trägt auch ein Tag der offenen Türe bei. Viele Besitzer von Hunden, die einst in der Auffangstation gelandet waren, kamen. Interessierte aus ganz Deutschland, aus der Schweiz und aus Österreich waren da, aber auch sehr viele Besucher aus Gauselfingen und der Umgebung. Ortsvorsteher Rudi Kanz betonte, dass die Auffangstation jetzt zu Gauselfingen gehöre. Die Vorsitzende kann das nur bestätigen: Mehr als 20 Gassigeher und Pfleger aus der Gegend hat die Station. "Die leisten tolle Arbeit", lobt Breinig. Seit die Station im vergangenen Jahr eröffnet wurde, sind schon 76 Hunde an neue Besitzer vermittelt worden.

Der Verein versucht, innerhalb kürzester Zeit neue Besitzer für die Hunde zu finden. Nicht immer klappt das so flott, denn manche Hunde haben nie eine Sozialisation erfahren. Doch auch dabei helfen die Ehrenamtlichen aus der Region. "Sie pflegen die Tiere und bringen ihnen immer auch etwas bei." Dank dieser Hilfe können viele der Hunde schon nach weniger als vier Wochen wieder in neue Familien vermittelt werden.

Der weitere Ausbau der Gauselfinger Auffangstation und die Pflege und Versorgung der Hunde kosten Geld, weswegen so ein Tag der offenen Türe eine wichtige Einnahmequelle ist. Wer einen Hund hat und dem Verein mindestens 30 Euro spendet, kann sein Tier mit einem Foto hinter Glas an der "Galerie für eine neue Zukunft" präsentieren lassen. Das Geld wird derzeit unter anderem gebraucht, um die Übersprunggitter fertig zu stellen und damit den zweiten Auftrag des Gründers zu erfüllen, die Station zu Ende zu bauen.

Doch mindestens ebenso wichtig an so einem Tag ist, dass sich Yukon, Kelly, Aros und Damon und wie die Bewohner der Station alle heißen, in der ganzen Schönheit der Polarhunde präsentieren konnten und bald vielleicht das Glück haben, wieder Menschen ganz für sich alleine zu haben, die sie lieben und artgerecht für sie sorgen.

Und so kann auch der dritte Auftrag Schwartzes erfüllt werden: "Vergesst nie, dass im Mittelpunkt eurer Arbeit die Tiere stehen."