Die Rüge oder Kritik oder auch  Schelte hätte dem Rathauschef gelten sollen. Aber Harry Ebert war in der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend nicht anwesend, hatte sich wegen Krankheit abgemeldet. So musste sich der Beigeordnete Berthold Wiesner den Fragen und auch Vorwürfen der Fraktionen stellen.

Zur Sprache kam der Marktplatz unter dem Punkt Verschiedenes nach einer Sitzung, die ansonsten nicht viel Stoff für  Diskussionen hergegeben hatte. Das Ärztehaus wird in absehbarer Zeit bezugsfertig sein und aller Voraussicht nach im Frühjahr  eingeweiht. Wenn jedoch am 1. April die Mieter ins medizinische Versorgungszentrum der Stadt einziehen und ihre Arbeit aufnehmen, wird der Marktplatz noch lange eine Baustelle sein – sagte Dörte Conradi, Mitglied der CDU-Fraktion.

Die alleinige Schuld für die Verspätung wies sie der Verwaltung zu, nachdem der Gemeinderat wieder und wieder dazu aufgefordert habe, Tempo zu machen. Die Anregungen und Beschlüsse des Gremiums seien in der bisherigen Planung nur schleppend eingearbeitet und teils gar nicht umgesetzt worden. Ebenso seien die Ausschreibungen noch nicht erfolgt, ein Bauzeitplan liege nicht vor und der Technische Ausschuss, der die Planung flankieren sollte, wurde nicht einberufen, obwohl man das schon im Juli per Beschluss gefordert hatte: „Bummelzug“, kommentierte Conradi diesen letzten Vorhalt. Alexander Schülzle von den Freien Wählern unterstützte die Vorwürfe, auch wenn – oder gerade weil – Berthold Wiesner versicherte, die Ausschreibungen würden im Dezember nach der Einbringung des Haushaltes erfolgen. Auch sei ein Termin für die Sitzung des Technischen Ausschusses festgesetzt: Am 15. November.

„Wir wissen doch seit Sommer 2015 was wir da bauen“, schimpfte Schülzle. „Es kann doch nicht sein, dass wir nichts Greifbares haben.“ Der Freie Wähler sprach zudem die Bürgerbeteiligung an und erinnerte daran, dass er im Vorjahr angeregt habe, einen Neujahrsempfang für 2018 zu organisieren. Dort hätte man die Marktplatzgestaltung zum Thema machen können. Den Empfang gab es nicht und auch sonst habe die Verwaltung in diesem Jahr nichts unternommen, um die Bürger und Vereine in das Projekt Marktplatz einzubinden. Wenn die Gewerke im Dezember ausgeschrieben werden, dann müsse man in aller Eile über Platten, Randsteine, Pflaster, Poller entscheiden. Und werde hinterher von den Bürgern gescholten, weil man Einzelheiten nicht reiflich genug überlegt habe. „Dann heißt es: ,Was habt ihr da wieder gemacht?’. Das sieht doch so aus, als ob wir nichts auf die Reihe kriegen“, ärgerte sich der Stadtrat.

Sein CDU-Kollege Ottmar Kuster hieb in dieselbe Kerbe: Immer wieder habe man gedrängt, in der Sache vorwärts zu machen und konstruktive Vorschläge gebracht und beschlossen. „Wie lange reden wir schon darüber? Jetzt soll alles wieder schnell gehen und jetzt kommt der Winter. Wie soll das funktionieren?“

Ob es Sinn macht und überhaupt möglich ist, in der verbleibenden kurzen Zeitspanne noch bei einer Informationsfahrt Markt- und Rathausplätze anderer Gemeinden zu besichtigen? Auch dieser Vorschlag wurde schon vor Langem gemacht. Berthold Wiesner hielt die Besichtigungsfahrt in einer der allernächsten Wochen zwar für möglich, doch der Freie Wähler Karl-Moritz Kraus bezweifelte die Durchführbarkeit. Das sei jetzt viel zu kurzfristig.

Berthold Wiesner hielt entgegen, dass man die Gewerke nicht vor der Einbringung des Haushaltes ausschreiben konnte, auch sie man nicht untätig gewesen, die Arbeiten zum Umbau der Bahnhofstraße würden in den nächsten Tagen beginnen und der Teil des Volksbankgebäudes, den die Stadt erworben hat, in der kommenden Woche abgerissen. Zudem, so deutete der Beigeordnete an, gebe es im Bauamt personelle Engpässe, und trotz dieser Probleme seien in jüngerer Zeit ja viele andere Vorhaben in der gesamten Stadt verwirklicht worden. „Wir tun bereits sehr viel.“

Nicht zuletzt sagte er zu, dass zur Sitzung des Technischen Ausschusses eine entsprechende Auswahl des jeweiligen Baumaterials für den Marktplatz vorliegen wird.