Stetten u. H HZ-Leser in die Walzmühle: In Klaras Welt

Stetten u. H / MATTHIAS BADURA 03.08.2013
Es war, als ob man die Tür in ein anderes Jahrhundert aufstieße: der Besuch der HZ mit ihren Lesern in der Walzmühle im Laucherttal. Fast nichts hat sich dort seit langer Zeit verändert.

Mit dabei war bei der ersten HZ-Türöffneraktion dieses Sommers Rosalia Schoy aus Bisingen. Als man am Schluss gemütlich im Sonnenschein bei Kaffee und Kuchen vor der Walzmühle beisammen saß, erzählte sie, sie habe erst kürzlich eine Bekannte schimpfen müssen, weil die - als passionierte Wanderin - das Laucherttal bislang immer nur gestreift habe. Ein Versäumnis! Unmittelbar darauf sei sie, Rosalia Schoy, dann zufällig mit dem Auto an der Walzmühle vorbeigefahren, als ihr einfiel, sie selbst habe die Mühle niemals betreten. Und das als gebürtige Ringingerin. Erst recht ein Versäumnis! Anderntags, erzählte sie weiter, sei ihr morgens beinahe die Kaffeetasse aus der Hand gefallen, als sie in ihrer Zeitung las: Die HZ öffnet die Türen der Walzmühle für ihre Leser. Eine Stunde habe sie gekämpft, bis sie sich einen Platz gesichert hatte. Aber, meinte Rosalia Schoy am Mittwoch strahlend, es habe sich hundertprozentig gelohnt.

In der Gruppe sah man neben der Wahl-Bisingerin viele alte Bekannte, welche die HZ-Sommeraktionen schon seit Jahren begleiten, man sah aber auch neue Gesichter.

Zum Gelingen wesentlich beigetragen hat Wolfgang Heinzelmann. Der Hörschwager ist zum einen Angestellter der Stadt Burladingen, zum anderen studierter Archäologe, vor allem aber ist er "Mister Lauchert", der regelmäßig Gruppen über den Themenwanderweg führt und der mit so ziemlich allen Einzelheiten des Wanderweges von Hörschwag nach Stetten sowie auch mit der Mühle vertraut ist. Es gab keine Frage, die der von der HZ engagierte Reiseführer nicht hätte beantworten können. Daneben streute Heinzelmann zahlreiche Anekdoten zum Schmunzeln ein - aus der Geschichte der mehrhundertjährigen Mühle, aber auch aus dem Leben der beiden letzten Besitzerinnen, Klara und Maria Walz.

Was war das Faszinierendste beim Gang durch das Anwesen? Möglicherweise die beiden Sägegatter, deren eines bis in jüngerer Zeit in Betrieb war. Noch eindrücklicher muteten aber wohl die privaten Räume der Walz-Geschwister an. Es ist im Wesentlichen alles geblieben, wie es war. Und so wie es "war", war es bekanntlich seit dem Krieg und noch länger. Eine bäuerliche, archaische, ja primitiv anmutende Lebenswelt. Dazwischen alles vollgestellt mit alten, zerbrochenen Holzrädern, Säubermühlen, Ölfässern. . . Ws wurde eben nichts weggeworfen bei den Walz-Schwestern. Man hätte es ja irgendwann noch einmal brauchen können.

"Es ist noch alles genauso wie vor 20 Jahren, als wir in der Forstausbildung hier gesägt haben", sagte der Hausener Oliver Grudke, der ebenfalls zur Gruppe gehörte. Eine andere Frau staunte, beinahe ergriffen: "Das ist mal ein richtiges Museum!" - mit Betonung auf dem "richtig".

Was sich verändert hat: Vor rund einem Jahr erwarb Gunter Heinzmann Grund und Mühle (und hat inzwischen bereits gehörig aufgeräumt und entsorgt). Der Reutlinger Steuerberater war am Mittwoch als Gastgeber vor Ort und plauderte gegenüber den HZ-Lesern über seine Pläne. Ja, er möchte die Mühle touristisch nutzen, ein Museum, ein Ausflugsziel aus ihr machen, sie erhalten, eine Gastronomie einrichten. Die ungefähren Pläne sind ebenso ungefähr mit der Stadt Burladingen abgestimmt. Die Verwaltung, das weiß man, würde das Vorhaben begrüßen. Das Problem sind allerdings zahlreiche Behörden, die dem Projekt Fesseln anlegen. Etwa der Denkmal- oder der Landschaftsschutz, um nur zwei von den vielen zu nennen, die bei der Umgestaltung ein Mitsprache- oder Vetorecht haben.

Die HZ-Leser jedenfalls wünschten Heinzmann viel Erfolg - allein schon weil er so freundlich war, ihnen die Türen der Mühle zu öffnen.

Info Mehr Bilder gibts bei der HZ

im Internet unter www.swp.de/

hechingen, mehr Informationen über die Walzmühle auf der Homepage www.albmuehle.de.

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