Burladingen / Matthias Badura Über Europa“ diskutierten 70 Schüler und ältere Besucher mit dem YouTube-Star Mirko Drotschmann. Die Jugend, merkte man schnell, befürwortet den Staatenbund und weiß politisch gut Bescheid.

Wie sich bei der Veranstaltung der Volkshochschule Burladingen und des Progymnasiums schnell zeigte, muss man junge Leute nicht für Europa sensibilisieren und versuchen, ihnen zu erklären, dass der Staatenbund – trotz mancher Mängel – Frieden, Freizügigkeit und Wohlstand gebracht hat und wohl auch für die Zukunft garantiert.

Das, so merkte man der Diskussion und den Fragen in der Aula des Progymnasiums an, hat die Jugend verinnerlicht. Und ihre positive Einstellung mit Unerfahrenheit abzutun, ist ungerecht und falsch – wenngleich, so beklagten mehrere der Schülerinnen und Schüler, ihnen genau dieses Vorurteil beständig entgegenschlägt.

Wie man vermuten könnte, ist es die ältere Generation, die sich mit dem steten Wandel, der das Zusammenwachsen der Staaten begleitet, schwer tut. Sie hätten in der zweistündigen Veranstaltung einiges lernen können oder hätten zumindest einige Anregungen erhalten. Doch nur wenige Ältere saßen in der Aula. Und jene, die in der Aula saßen, so durfte man vermuten, sind Europa-Befürworter und über das politische Geschehen informiert.

Als Redner auf dem Podium präsentierten sich Urban Mayer, Melchingen, lange Zeit Vorsitzender des Fördervereins Städtepartnerschaft; außerdem Laura Leibold, geboren in Portugal, wohnhaft in Burladingen und Lehrerin, sowie Mirko Drotschmann alias „MrWissen2go“.

Als ebenso kundiger wie geistreicher und einem Millionenpublikum (Fernsehen, Internet) bekannter Wissensvermittler, war verständlicherweise er der Gast, dem die meisten Fragen gestellt wurden.

Die drei schilderten ihre angenehmen Erfahrungen mit Europa: keine Grenzkontrollen, keine Wechselstuben, die Möglichkeit, zu studieren und zu arbeiten, wo man mag. Hinzu kämen Subventionen, von denen die Gesellschaft tagtäglich – auch auf dem flachen Lande–  profitiert.

Was aber, fragte Moderator Chris Bartels, Lehrer am Progymnasium, sind negative Aspekte? Drotschmann räumte ein, viele Entscheidungen der EU-Kommission seien undurchsichtig und es fehle an Demokratie in den Prozessen, die diese Entscheidung hervorbringen. Weiterhin sei die Bürokratie der Union vielfach aufgeblasen und zu viel Geld versickere unnötig. Hier müsse nachgebessert werden. Der 33-Jährige warnte zugleich davor, Rechtspopulisten auf den Leim zu gehen, wenn sie gegen Europa wettern. Die von ihnen angesprochenen Probleme besäßen zwar oft einen realen Kern, seien aber zumeist aufgebauscht. Tragbare Lösungen hätten die Europafeinde nicht anzubieten, nur kurzsichtige Hau-Drauf-Parolen.

Man müsse, empfahl Drotschmann, sich immer wieder erinnern, wie das Leben in den Vor-Europa-Zeiten war, als es die heute selbstverständlichen Annehmlichkeiten noch nicht gab. Oder, lautete eine anderer Tipp: nach England schauen, wo sich allmählich abzeichne, wie falsch der Ausstieg aus der Gemeinschaft war. „Da haben der Populismus und die Anti-Europa-Hetze gewirkt und jetzt merken die Leute: es stimmt ja alles gar nicht, was ihnen erzählt wurde“, sagte Urban Mayer. Daneben gab sich der Melchinger unversöhnlich. Man solle die Briten endlich ziehen lassen, als abschreckendes Beispiel, selbst wenn es den Rest der Gemeinschaft viel Geld koste.

Einig war man sich darüber, dass der Erfolg der EU an den Erfolg der Wirtschaft geknüpft ist. Konjunkturelle Einbrüche könnten politische Krisen nach sich ziehen – „Krawalle“. Hier sah indessen wieder Drotschmann eben den Vorteil, dass die EU, anders als auf sich allein gestellte Nationalstaaten, die Möglichkeit der wirtschaftlichen Kooperation besitze.

Weitere Fragen betrafen das Verhältnis zu Russland, die Urheberrechtsregelung, die Rolle Deutschlands im Staatenbund und ganz zum Schluss noch einmal, wie man Europagegnern, zumal älteren entgegentreten soll? Manche Leute, wusste Drotschmann, könne man nicht überzeugen, die hätten gar nicht vor, über Argumente ernsthaft nachzudenken. Generell sei es aber gut, sich auszukennen, Daten und Fakten parat zu haben.

Eine Begegnung mit Mirko Drotschmann

Internet Sie haben die Diskussion in der Aula des Progymnasiums verpasst? Einen Eindruck von Mirko Drotschmann gewonnt man auf dessen YouTube-Kanal „MrWissen2go“.