Letzter oder vorerst letzter Akt in einem Fall, in dem ein Rottweiler – so das Ergebnis einer früheren Gerichtsverhandlung – einen Passanten in Burladingen in den Rücken biss.

Der Hund war schon lange auffällig, es kam laut Nachbarn zu Bedrohungen und einmal zu einem nachweislichen Angriff. Der Polizei und dem Ordnungsamt waren das Tier ebenfalls bekannt, das Ordnungsamt verhängte Auflagen, sprich das Tragen eines Maulkorbs, zugleich kamen die Experten der Hundestaffel jedoch zu dem Ergebnis, der Vierbeiner sei verhältnismäßig friedfertig, zeige nur in Ausnahmesituationen ein aggressives Verhalten.

Im September 2017 ging der Hund auf einen 22-jährigen los. Die junge Frau, die ihn an der Leine führte, stellte den Vorfall zwar anders da, doch das Gericht glaubte in der Verhandlung im vergangenen Herbst dem 22-Jährigen. Der Hund biss demnach von hinten zu und brachte seinem Opfer mehrere blutende Verletzungen bei. Dabei kam der junge Mann zu Fall und schürfte sich noch den Ellbogen auf. Anschließend konnte er fliehen.

Wie das Gericht weiter überzeugt war, trug das Tier trotz einer Auflage keinen Maulkorb. So wurde die Hundeführerin zu 80 Arbeitsstunden verurteilt. Die Staatsanwältin hatte sich mit ihrem Antrag auf eine Geldstrafe von 825 Euro nicht durchsetzen können.

Am Donnerstag dieser Woche sollte ein Folgekapitel des Falles vor dem Amtsgericht Hechingen verhandelt werden. Auf der Anklagebank saß die Mutter der Gassigängerin. Als Halterin des Rottweilers war sie ihrerseits wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt.

Zeugen werden abgeladen

Fünf Zeugen waren aufgeboten. Den Richter bekamen sie alle nicht zu Gesicht. Sie wurden kurz nach Beginn der Verhandlung abgeladen, nachdem sich Staatsanwältin und Verteidiger darauf verständigt hatten, man könne das Verfahren gegen eine Zahlung von 400 Euro an das Kreistierheim Tailfingen vorläufig einstellen. Das lag zwar in der Entscheidung des Richters, doch der ging mit diesem Vorschlag konform.

Mehrere Gründe sprachen dafür, es dabei zu belassen. Zum einen war die Tochter, die dem Hund den Maulkorb vor dem Spazierengehen nicht anlegte und die ihn nicht bändigen konnte, die Hauptverantwortliche und hat bereits ihre Strafe erhalten. Auch liegen gegen die Mutter keine Vorstrafen vor. Den Prozess weiter zu verfolgen sei nicht verhältnismäßig.

Maulkorb kann angeordnet werden


Gefährlich Kampfhunde müssen einen Maulkorb tragen, wobei es hier für die Halter Möglichkeiten gibt, sich von dieser Pflicht zu befreien. Bei „gefährlichen“ Hunden kann ein Maulkorb angeordnet werden, ebenso bei solchen, die den Behörden als bissig bekannt sind. Der Rottweiler zählt in Baden-Württemberg nicht zu den gefährlichen Rassen.