Eine Volkshochschule in der Größenordnung Burladingens kann keine Integrationskurse anbieten, dazu ist sie personell und finanziell nicht ausreichend aufgestellt. Asylbewerber, die hier leben und in einem solchen Kurs Deutsch lernen wollen, müssen sich in größere Städte bemühen.

Es besteht bei der VHS Burladingen zwar die Möglichkeit, Deutschkurse zu absolvieren, aber das kann sich aus der genannten Gruppe niemand leisten und ein entsprechende Förderung zu erhalten, ist kompliziert. Auch für Menschen, die aus dem europäischen Ausland oder Osteuropa stammen und die hier leben, sind diese Kurse zu teuer. Andererseits kann die VHS ihren Unterricht nicht zum Schleuderpreis anbieten, die Dozenten und die eigene Verwaltung wollen ja bezahlt sein.

Ein Anruf von Bonita Grupp

Aus diesen Gründen kamen in vergangenen Jahren an der örtlichen VHS keine derartigen Sprachlehrgänge mehr zustande – was nicht zuletzt die Leiterin bedauerte. Dass aktuell fünf Kurse laufen und zwei weitere in Vorbereitung sind, hätte sich Dr. Tanja Marquardt wohl vor einem halben Jahr im Traum nicht auszumalen gewagt.

Sie staunte nicht schlecht, als sich Bonita Grupp, Mitarbeiterin der Geschäftsführung von Trigema, telefonisch bei ihr meldete: Ob die VHS nicht Deutschunterricht für Trigema-Mitarbeiter anbieten könne? Die Firma übernehme die Kosten!

Dozenten können sich noch melden

Nun stellte das größte Problem die Rekrutierung des Lehrpersonals dar, die Leiterin musste schnellstens Dozenten auftreiben. Was ihr fürs Erste gelungen ist. Aufgrund des Zulaufs und weil womöglich weitere Firmen Interesse bekunden, könnte sie noch pädagogisch geschultes Personal gebrauchen. Bitte melden!

Keine Verordnung aus der Chefetage: Mitarbeiter wünschten sich die Kurse

Wie Bonita Grupp gegenüber der HZ sagte, wurde die Nachfrage nach einem Deutschkurs aus den Reihen der Beschäftigten  an sie herangetragen. Und als sich herumgesprochen hatte, dass es diese Möglichkeit jetzt gibt, hätten immer mehr angeklopft. Inzwischen besuchen 34 Mitarbeiter mit Migrationshintergrund die Kurse, davon sind elf Flüchtlinge.

Dass es sich bei dem Schulbesuch nicht um eine Anordnung der Geschäftsleitung handelte, sondern um eigenen Antrieb, lässt sich auch anhand der Schilderungen der Lehrkräfte ermessen: Die Schüler, berichten sie übereinstimmend, seien hochmotiviert und überaus fleißig. Es mache unglaublichen Spaß, sie zu unterrichten!

Ministerin besucht die VHS Burladingen

Wen könnte so eine Entwicklung mehr interessieren als die Bundesministerin für Migration, Flüchtlinge und Integration, Annette Widmann-Mauz? Sie besuchte einen der Kurse am Donnerstag und unterhielt sich anschließend lange mit Bonita Grupp und Tanja Marquardt.

Das Engagement der Firma Trigema sei mehr als vorbildlich, sagte sie dabei – schließlich sei Sprache die Basis jeglicher Integration. Ebenso fand sie lobende Worte für Tanja Marquardt und ihr Team. Die Leiterin wehrte das Kompliment bescheiden ab, verwies auf die drei anwesenden Dozentinnen und meinte: „Das sind meine Integrationsheldinnen“.

Firma und Mitarbeiter profitieren

Bleibt die Frage, warum das Burladinger Textilunternehmen seinen Mitarbeitern den Unterricht überhaupt bezahlt? Wie Bonita Grupp erklärte, verbessere sprachliche Kompetenz die Zusammenarbeit und die Abläufe im Unternehmen. Und das wirke sich dann wechselseitig wieder positiv auf die Stimmung und das Firmenklima aus.

Das weitere Gespräch drehte sich darum, wie ihr Ministerium gerade auch ländliche Volkshochschulen in ihrer Integrationsarbeit unterstützen könne. Zugesagt hat die Ministerin diesbezüglich aber (noch) nichts.

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