Erinnerungen an den Jesus-Darsteller, Maler und Bildhauer Frantisek Hladky

MATTHIAS BADURA 18.07.2012

Zu Zeiten, als Fehmi Yalman Wirt im Ringinger "Adler" war, hockte öfters ein tschechischer Wanderarbeiter an der Theke. Lange Haare, langer Bart, milder Blick, schweigsam, in sich gekehrt. Die neugierig gewordenen Stammgäste trauten sich allmählich an den kauzigen Typen heran. Irgendwann neckte ihn einer, nannte ihn "Jesus". Großes Gelächter.

Etwas später bestätigte der Fremde, er sei Jesus. Noch größeres Gelächter: Der Typ hat einen Knall! Wie sich jedoch herausstellte, war er wirklich Jesus. Nicht unser leibhaftiger Herr natürlich, aber er verkörperte die Person Jesu Christi alljährlich bei den Passionsspielen im tschechischen Horice, der ehemaligen sudetendeutschen Gemeinde Höritz in der Nähe der Stadt Krumnau (heute

Krumlov) im Böhmerwald.

Eine Clique von Stammgästen und Kumpels - unter ihnen Wolfgang Bastian, Vorsitzender der "burladinger maler" - reiste daraufhin im Sommer 2007 nach Böhmen, um sich die Passion anzuschauen. Zu diesem Zeitpunkt war Frantisek "Franta" Hladky, um den es hier geht, bereits den "malern" beigetreten, denn er besaß auch künstlerisches Talent, malte, formte, schnitzte, bildhauerte von jeher. Sein Engagement hatte wiederum zur Folge, dass Mitglieder der Burladinger Künstlergruppe 2010 in der Stadtgalerie von Krumlov eine vierwöchige Ausstellung veranstalteten und weitere freundschaftliche Verbindungen geknüpft wurden.

In einem anderen Kapitel der Geschichte wurde der aus Burladingen stammende Berthold Steinhilber auf Frantisek Hladky aufmerksam. 2008 begleitete der renommierte Fotograf Wolfgang Bastian und Co. nach Tschechien. Er lichtete die Aufführung ab, portraitierte aber vor allem die Hauptdarsteller und erweiterte diese Aufnahmen zu einer Serie, indem er im Laufe der nächsten Jahre weitere Passionsspielorte in Europa aufsuchte. Einen Vorgeschmack auf das allmählich entstehende Werk gab Steinhilber beim Stuttgarter "Fotosommer" 2010 - und hatte einen Riesenerfolg damit.

Hladky selbst war seinerseits mit seiner Kunst recht erfolgreich. Bei den Ausstellungen, die er gemeinsam mit den "malern" absolvierte, fanden seine Werke großen Anklang. Der gelernte Schreiner stellte seine Kunst aber auch auswärts aus und kam dabei in ganz Europa herum. Wobei nicht so recht klar ist, ob er sich damit lediglich dem Termindruck beugte. Man hatte mitunter das Gefühl, er sei ein ruheloser Geist, ein Getriebener, ein Wanderer zwischen den Welten, einer, der immer an drei Projekten gleichzeitig strickt. Der Fixpunkt seines Lebens waren seine drei Kinder, Elisabeth, Christina und Klein-Franta. Für sie, davon sind diejenigen überzeugt, die ihn kannten, hätte er alles gegeben.

Als Jesus wollte er sich zur Ruhe setzen, weil er mit 48 für seine Rolle mittlerweile längst zu alt war. Doch kam er aus einem schlichten Grund nicht von der Waldbühne weg: Er war der Jesus-Darsteller, der dem Publikum am besten gefiel. Wie er selber einmal in seinem

singenden, stark gebrochenen Deutsch erzählte, gehörte er zu den Neubegründern, die nach 1990 die Passion wieder

aufleben ließ. Hladky, der

übrigens in sozialistischer Zeit den Wehrdienst verweigert hatte und dem eine nicht

ausrottbare Widerspenstigkeit gegen Obrigkeiten innewohnte, war anders als manche seiner atheistisch erzogenen Ensemblekollegen, religiös. Was man freilich nach außen hin schwer merkte. Wie alles war er auch das auf seine ihm eigene Weise.

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