Kardinal Ein Sohn Hohenzollerns wird 80

Hörschwag/Grosselfingen/Mainz / MATTHIAS BADURA 14.05.2016
Einen Teil seiner frühen Jugend verlebte Kardinal Lehmann in Hörschwag und Grosselfingen. Am Montag wird er 80. Ehemalige Mitschüler denken an ihn.

Die Vita des Mainzer Bischofs Karl Kardinal Lehmann ist lang. Das liegt nicht nur an seinen vielen Lebensjahren, sondern zumal an seinen zahlreichen Ämtern und Verdiensten. Er war Teilnehmer des Zweiten Vatikanischen Konzils und seit 2001 Kardinal. Von 1987 bis 2008 stand er der Deutschen Bischofskonferenz vor, er nahm als Kardinal an zwei Papstwahlen teil und wirkt seit fast 33 Jahren als Bischof von Mainz. Dabei gilt der bekennende Fußballfan als Brückenbauer und Mann des Dialogs. Er steht für ein weltoffenes, lebensbejahendes Christentum, für ökumenische Offenheit und gilt als überaus volkstümlich. "Unser Karl", nennen ihn die Mainzer.

Das und vieles mehr kann man in Lebensläufen nachlesen, die über Lehmann verfasst wurden. Eine überaus wichtige Tatsache wird dabei zuweilen vergessen: Dass der in Sigmaringen geborene Kardinal seine früheste Kindheit in Hörschwag und Grosselfingen verbrachte! Am 1. Oktober 1937 war der Vater des kleinen Karl als Lehrer an die Dorfschule Hörschwag versetzt worden. Die Familie lebte in der Lehrerwohnung des Rathauses - das heute abgerissen ist. Die verstorbene Nachbarin Pia Heinzelmann, die als Kindsmagd aushalf, beschrieb der HZ ihren Schützling vor einigen Jahren als "liebes Kind" und "schlaues Kerlchen".

1941 zog die inzwischen vierköpfige Familie Lehmann von Hörschwag nach Grosselfingen, wohin der Vater versetzt worden war. Einige Jahre später verschlug es sie dann nach Veringenstadt. Der heranwachsende älteste Sohn besuchte nun das Staatliche Gymnasium Sigmaringen und trat in das damalige Erzbischöfliche Studienheim St. Fidelis ein, das Konvikt.

Einer, der sich an ihn erinnert, ist Pius Maier aus Burladingen. Der heute 83-Jährige büffelte ebenfalls im Konvikt und kannte Karl Lehmann. Der sei ein eher unauffälliger und stiller Schüler gewesen, erzählt der ältere Maier, er galt aber wohl als passabler Fußballspieler. Es sprach sich jedoch bald herum, dass dieser Lehmann ein blitzgescheiter Bursche und herausragender Schüler war. Dass er einmal Pfarrer und einer der höchsten Würdenträger der Kirche werden würde - das hätte von den Kameraden freilich keiner vermutet, sagt Pius Maier. Den Werdegang des Mitschülers hat der Burladinger natürlich aufmerksam verfolgt.

Der Geburtstag des Kardinals, ein Sohn Hohenzollerns, wird am Pfingstmontag mit einem Gottesdienst im Mainzer Dom und einem Festakt in der Rheingoldhalle groß gefeiert. Tags darauf wird ihn dann, wie das in der katholischen Kirche mit Erreichen dieses Alters üblich ist, der Papst von seinem Bischofsamt entbinden. Damit wäre der Mainzer Bischofsstuhl ab Dienstag verwaist. Bis die Nachfolge geregelt ist, dürften Monate vergehen.

Sollte er anschließend seine freie Zeit nutzen, um einmal nach Hörschwag zurück zu kehren, den Ort seiner frühesten Kindheit, dann wird man Karl Lehmann sicher einen herzlichen Empfang bereiten. Pius Maier und andere, noch engere Weggefährten aus dem Konvikt, dürften sicherlich da sein. Am Geburtstag sind sie auf jeden Fall in Gedanken bei ihm.

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