Burladingen Ein Bewerber  für Pfarrerstelle vorhanden

Burladingens neue evangelische Pfarrerin mit Bibel und Gesangbuch in Händen? Nein, nicht ganz. Es handelt sich um Vera Bender, Kirchengemeinderätin und Vorsitzende des Besetzungsausschusses für die Vergabe der vakanten Burladinger Pfarrstelle. Was sie in Händen hält ist eine Art Kirchenverfassung der evangelische Landeskirche. Und die ist ganz schön kompliziert. Trotz allem sieht’s so aus, als könnte die Nachfolge von Christoph Dinkelacker bald geregelt sein. Habemus papam, würden die katholischen Mitchristen sagen. Bei den Evangelischen könnte es aber auch Habemus mammam heißen.
Burladingens neue evangelische Pfarrerin mit Bibel und Gesangbuch in Händen? Nein, nicht ganz. Es handelt sich um Vera Bender, Kirchengemeinderätin und Vorsitzende des Besetzungsausschusses für die Vergabe der vakanten Burladinger Pfarrstelle. Was sie in Händen hält ist eine Art Kirchenverfassung der evangelische Landeskirche. Und die ist ganz schön kompliziert. Trotz allem sieht’s so aus, als könnte die Nachfolge von Christoph Dinkelacker bald geregelt sein. Habemus papam, würden die katholischen Mitchristen sagen. Bei den Evangelischen könnte es aber auch Habemus mammam heißen. © Foto: Matthias Badura
Burladingen / Matthias Badura 14.08.2018
Erst meldete sich gar niemand. Jetzt könnte die verwaiste Stelle des evangelischen Pfarrers in Burladingen bald wieder besetzt sein.

Bekommt die Stadt wieder einen evangelischen Pfarrer? „Es sieht gut aus“, sagt Vera Bender, Burladinger Kirchengemeinderätin und Vorsitzende des Besetzungsgremiums, das den Neuen zu wählen hat. Anders als in der katholischen Kirche werden bei den Protestanten die Geistlichen nicht ernannt, sondern vor Ort von einem Gremium gewählt.

Name ist streng geheim

Ein Bewerber für die Stelle ist vorhanden – oder eine Bewerberin. Ob Mann, ob Frau und wer das ist darf Bender nicht sagen. Solange das Verfahren läuft herrscht strengste Geheimhaltung. Erst nach der Wahl und wenn alles beglaubigt ist, wird man den Namen öffentlich bekannt gegeben.

Zum einen, erklärt die Vorsitzende, müsse es mit der Wahl ja erst einmal klappen, zum anderen habe das Stillschweigen grundsätzlich auch mit der Situation der Kandidaten in ihren jetzigen Gemeinden zu tun. Es sorge für Unruhe, wenn bekannt wird, dass der Ortspfarrer sich weg bewirbt. Das sei wie in anderen Berufen auch.

Vera Bender strahlt sanft. Man merkt ihr an, die Neubesetzung ist mit vielen Telefonaten, Gesprächen, Konferenzen und Mailverkehr verbunden. Andererseits spürt man auch ihre Erleichterung, einen Kandidaten zu haben. Zuerst sah das ganz anders aus.

Pfarrer Christoph Dinkelacker wurde am 1. Juni in den Ruhestand verabschiedet. Das Burladingen Besetzungsgremium formierte sich am 13. März. Ausgeschrieben wurde die vakante  Stelle am 17. April. Aber: Fehlanzeige. Niemand meldete sich beim Oberkirchenrat in Stuttgart. „Es lagen leider keine Bewerber vor“, ließ man Burladingen von dort aus wissen. Allzu sehr gewundert hat das niemand. In der evangelischen Kirche herrscht inzwischen ähnlicher Priestermangel wie in der katholischen. Und die Geistlichen, die eine Stelle suchen, zieht es im Allgemeinen nicht aufs Land.

Doch eine zweite Ausschreibung hatte Erfolg, am vergangenen Freitag teilte man der Vorsitzenden einen Namen mit. Wie viele Bewerber sich beim Oberkirchenrat sonst gemeldet haben, weiß Bender nicht. Egal wie groß die Zahl ist, der Rat „benennt“ nur einen einzigen Kandidaten. Das Besetzungsgremium vor Ort kann also nicht aussuchen. Es kann bei seiner Wahl nur Ja oder Nein zum Vorschlag aus Stuttgart sagen.

Das Besetzungsgremium besteht aus zehn Burladinger Kirchengemeinderäten und einem Bezirksvertreter. Sollte der Bewerber durchfallen, wird die Suche nach einem neuen Kandidaten für ein Jahr ausgesetzt, die Stelle erst anschließend wieder  ausgeschrieben. Alles beginnt von vorn.

In der Wahl muss der Kandidat die einfache Mehrheit erzielen. Bei elf Mitgliedern, die das Burladinger Gremium zählt, wären also sechs Ja-Stimmen erforderlich. Zu den Eigentümlichkeiten des evangelischen Kirchenrechts gehört nun, dass diese Stimmenzahl erreicht werden muss, ungeachtet dessen, wie viele Mitglieder des Gremiums an der Wahl teilnehmen. Auch wenn bloß sieben im Raum sitzen weil vier durch Krankheit oder Urlaub verhindert sind – der Bewerber wird nur angenommen, wenn er sechs Stimmen auf sich vereinigt.

Alles könnte sehr schnell gehen. Den Fristen nach sollte die Wahl bereits Ende des Monats stattfinden. Doch rechnet Vera Bender wegen der noch laufenden Ferienzeit mit einer Verschiebung in den September hinein.

Einzug erst im Januar

Falls bis dahin nicht bereits durchgesickert ist, wer künftig die rund 1400 evangelischen Seelen Burladingens betreuen möchte, dürfte es nach der offiziellen Bekanntgabe der Wahl nur noch wenige Stunden dauern, bis das Ergebnis allen, die sich dafür interessieren, bekannt ist. Allerdings werden die evangelischen Gläubigen der Stadt auch dann noch warten müssen, bis der – oder die – Neue ihren Antrittsgottesdienst feiert. „Nach der Wahl kommt die Weihnachtszeit. Da verlässt ein Pfarrer üblicherweise seine Gemeinde nicht“, meint die Vorsitzende.

Es werde wohl Januar werden, bis in das evangelische Pfarrhaus in der Nehberghalde neues Leben einzieht.

Kurze Kirchengeschichte

Wahlverfahren Anders als in der katholischen Kirche werden die Ortsgeistlichen nicht von einem Bischof ernannt, sondern von einem Gremium vor Ort gewählt. Die Bewerbungen nimmt jedoch der Oberkirchenrat entgegen. Er leitet den Ortsgremien nur einen einzigen Bewerber weiter.

Evangelische Geistliche Die evangelische Burladinger Kirchengemeinde entstand nach dem Krieg. 1953 zählte sie 446 Angehörige, heute sind es rund 1400 in allen Stadtteilen. Sie besitzt zwei Gotteshäuser, eines in Burladingen und ein kleineres, soeben renoviertes in Gauselfingen. Hasso Meinke war in den Jahren 1960 bis 1964 Vikar in Burladingen. Unter seiner Ägide wurde 1962 der Grundstein zum Kirchenbau in Burladingen gelegt. Bis dahin hatte man die Gottesdienste unter anderem in der Georgskirche abgehalten. Pfarrer Heinz Brandauer wirkte von 1967 bis 1980 in Burladingen, Pfarrer Johannes Dürr von 1981 bis 1990. Ihm folgte  Friedrich Hitziger von 1991 bis 2000. Pfarrer Christoph Dinkelacker übernahm die Stelle im Jahr 2001 und bekleidete sie bis 2018.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel