Mit gemischten Gefühlen sehen Fördervereinsvorsitzender Martin Maier und seine Leute dem 9. Kapellfest der Neuzeit am 13. September entgegen. Da ist einerseits die Vorfreude auf ein Fest mit Erfolgsgarantie, profitabel aber überschaubar, gut besucht und doch heimelig. Und sollte dabei die Frage gestellt werden, wie weit denn die Arbeit des Fördervereins gediehen ist, brauchen sich die Vorstandsmitglieder nicht zu verstecken. Stolz können sie vermelden, das Ziel sei fast erreicht. Schneller als erwartet, hat man fast 50 000 Euro für die dringend notwendige Sanierung der Kapelle erwirtschaftet. 2016, das ist absehbar, wird diese magische Grenze, das selbst gesteckte Ziel, überschritten sein - nur acht Jahre nach Gründung des Fördervereins.

Andere Hoffnungen, bei denen sich die wackeren Leute um Martin Maier nicht auf ihre eigene Tatkraft verlassen konnten, haben sich hingegen nicht erfüllt! Allen voran, der Wunsch, ins Leaderprogramm des Landes aufgenommen zu werden. Hier standen großzügige Zuschüsse in Aussicht. Allein, Ringingen kam ebenso wenig zum Zug. wie alle anderen Bewerber des Zollernalbkreises.

Von der Stadt - sie ist Besitzerin der Marienkapelle - hat man bislang ebenfalls keine Zuwendung erhalten. Angesichts der bald anlaufenden Ringinger Hallensanierung dürfte in allernächster Zeit aber auch keine allzu großzügige Zusage des Gemeinderates zu erwarten sein. Solange es aber keine klare Aussage der Stadt gibt, wie viel sie zu investieren gewillt ist, kann der Förderverein auch keinen Zuschussantrag beim Denkmalamt stellen.

Von daher ist man im Augenblick an einem toten Punkt angelangt. Nachlassen oder kürzer treten, wollen die Aktivisten um Martin Maier aber nicht. Vielleicht findet sich in nächster Zukunft doch ein Weg. Etwa bei einer Besprechung mit dem Bürgermeister im September. Harry Ebert, sagt Martin Maier, begleite das Anliegen des Vereins wohlwollend. Eventuell gelinge es ihm, einen bis dato verschlossenen Fördertopf zu öffnen oder eine bislang verborgene Geldquelle anzuzapfen. Mit Leader im Rücken, seufzt Maier, wäre das freilich einfacher gewesen. Für überaus wichtig hält es der Vorsitzende, dass der Ortschaftsrat das Projekt erneut in seine Wunschliste zum Haushalt aufnimmt, wenn möglich an oberster Stelle, um ein deutliches Signal zu setzen. Nun findet zunächst das Kapellfest statt, man wird weiter an die Hilfsbereitschaft und das Traditionsbewusstsein der Bevölkerung appellieren, um weitere Spenden bitten, das DRK-Probekochen bewirten und überhaupt die Augen offen halten, um jede Möglichkeit zu prüfen, die einen Cent in die Kasse spülen könnte. Das einzige, was die Gruppe nur in geringfügigem Maße erbringen kann, sind direkte Arbeitsleistungen an der Kapelle. Die Gewerke, um die es geht, bleiben in der Hand von Fachfirmen und Experten.

Info Am 13. September ist Ringinger Kapellfest. Bilder, Infos und Beitrittsformulare zur Marienkapelle und zum Förderverein unter www.marienkapelle-ringingen.de.

Ort der Andacht und der immerwährenden Baustelle

Legende Laut einer Legende stifteten drei Fräulein "von Eineck" die Ringinger Marienkapelle. Urkundlich erwähnt wird sie erstmals 1507. Bereits vor 1650 sollen Gläubige aus dem Killertal auf die Alb gepilgert sein, um in der Kapelle für gutes Wetter zu bitten. 1736 schreibt Pfarrer Magnus Tiberius: Das in dem "uralten" Gnadenort befindliche marianische Gnadenbild werde "mit großer Andacht verehret".

"Gueter Nachpar" 1652 bittet Pfarrer Jakob Böler die Obrigkeit um eine Spende, damit man die im 30-jährigen Krieg zerstörte Kapelle wieder aufbauen könne. Der Fürst von Hechingen gibt als "gueter Nachpar" zwölf Stämme Holz.

Wieder baufällig 1736 ist das Kirchlein erneut in "baufälligem Stand". Es wird renoviert. Nach 1760 verwirklicht Franz Ferdinand Dent die bis heute erhaltenen Deckengemälde, auf denen auch das Dorf und seine Bewohner abgebildet sind. 1806 ist das Kirchlein erneut ruinös. Die Heiligenpflege will es abreißen lassen. Da übernimmt der Ringinger Schultheiß Gregorius Daigger die Baupflicht und rettet so die Andachtsstätte. Seither gilt sie als Gemeindebesitz.

Abriss Drei andere Kapellen des Dorfes - Bernhards-, Gallus-, und Schächerkapelle - fallen 1834 unter der Spitzhacke. Grund dürfte zum einen Geldknappheit der Kirche sein: Im Zuge der napoleonisch Flurneuordnung wurden Klöster aufgelöst und Kirchenbesitz eingezogen. Zuständigkeiten änderten sich, Einkünfte brachen weg. Zum anderen duldet die Kirchenleitung in Konstanz die alten Frömmigkeitsformen nicht mehr. Sie schränkt die Zahl der Prozessionen und Wallfahrten ein, streicht Heiligenfeiern, wettert gegen Reliquienverehrung. Der aufgeklärte Katholizismus erblickt darin den Nährboden für Aberglauben, Müßiggang und "Unzucht". In Ringingen kommen das "Kapellfest" und eine Marienbruderschaft in Abgang. Die Gläubigen begehren überall heftig gegen die Verbote auf. In Ringingen sollen die Verehrer des Gnadenbildes noch 1842 am Fest Mariä Namen "massenhaft" zur Kapelle gepilgert sein.

Neue Aufgaben In jüngerer Zeit wurden weitere Renovierungen notwendig. So hat man 1984 das Deckengemälde und etwas später das Marienbild an der Außenwand der Kapelle restauriert, 2001 ließ man kleinere Teile des Dachstuhls erneuern. Inzwischen sammelt das Dorf für eine größere Sanierung. 2008 gründete sich dazu ein Förderverein. Die Kosten der anstehenden Sanierung schätzt Vorsitzender Martin Maier auf insgesamt 150 000 Euro. Fast 50 000 hat der Verein inzwischen erwirtschaftet.

SWP