Hausen Der Wolf pirscht sich heran

Hausen / Eugen Leibold 16.06.2018
Wie gefährlich ist Räuber wirklich? Jürgen Veser, Wildtierbeauftragter des Zollernalbkreises, gab Antworten

Die Zivilisation greift immer mehr um sich, für die Tierwelt bleibt immer weniger Platz, ganze Populationen und Gattungen verschwinden täglich – und ausgerechnet er kehrt zurück: Der als ausgerottet geltende Wolf! Noch vor geraumer Zeit hätte man das nicht für möglich gehalten.

Er ist in aller Munde, die Meinungen gehen weit auseinander. Da gibt es berechtigte Vorbehalte, da gibt es aber auch unbegründete Ängste. Was hat es mit dem Wildtier auf sich? Einige der Fragen beantwortete Jürgen Veser, Wildtierbeauftragter des Zollern­albkreises und Staatlicher Revierförster in Stetten, den Zuhörern, die der Heimatverein Hausen zu einem Vortrag in sein Museumscafé in der Alten Schule geladen hatte.

Wie Veser ausführte, begann die allmähliche Rückkehr des Wolfs mit dem Mauerfall 1989. In Ostdeutschland war er nämlich nie ganz verschwunden gewesen. Dann tauchte er vermehrt in Norddeutschland wieder auf, wanderte von dort aus nach Süden. Doch auch in der Alpenregion ist er heimisch und auch von dort aus wanderte er in jüngerer Zeit ein.

Im Zollernalbkreis habe man derzeit noch keine Spuren eines Wolfes ausfindig machen können, sagte Veser. Allerdings sei mit Sicherheit damit zu rechnen, dass er sich irgendwann zeigen wird. Der Wolf, auch das führte der Forstmann aus, ist durch das Washingtoner Artenschutzabkommen Cites, die Berner Konvention und durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Man werde lernen müssen mit dem Tier zu leben, meinte Veser. In Ländern wie in der Türkei oder in Russland, wo das Wildtier immer heimisch geblieben sei, habe man sich mit ihm arrangiert.

Tierhalter, deren Tiere in der Natur leben – etwa Schafhalter – müssten entsprechende Schutzmaßnahmen anwenden: Zäune, Hunde.

Sollten dennoch Tiere gerissen werden, würden die Schäden finanziell ersetzt.

Wölfe erreichen bis zu 40 Kilogramm Gewicht, sind bis zu 90 Zentimeter hoch und bis zu 1,60 Meter lang. Das Revier eines Wolfes beträgt rund 200 Quadratkilometer.  Im Schnitt bringt eine Wölfin bei einem Wurf zwischen vier und sechs Junge zur Welt. In Freiheit können die Tiere zwölf Jahre alt werden. Der Futterbedarf eines Wolfs beträgt etwa vier Kilogramm täglich. Wie Veser abschließend versicherte, ist der Wolf für den Menschen normal­erweise ungefährlich, weil scheu.

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Wolfsrudel, 13 Paare und drei Einzeltiere, wurden 2017 in Deutschland nachgewiesen. Dies bedeutet gegenüber 2016 eine Zunahme von 13 Rudeln.

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