Die Tour de Zollernalb der Zentralklinikum-Befürworter aus dem Landratsamt und dem Klinikum kam am Donnerstagabend in Burladingen an – und fand nur wenig Interesse. Nicht einmal 20 Neugierige fanden sich in „Dianas Hendl-Alb“ ein. Vorneweg freilich ein sehr diskutierfreudiger Bürgermeister: Harry Ebert ließ kein gutes Haar am Neubau einer Zentralklinik „auf der grünen Wiese“, für die sich Landrat Günther-Martin Pauli, Chefarzt Prof. Dr. Michael Bitzer und Julika Grimm, Gutachterin aus dem Büro Teamplan, aussprachen.

Als Bitzer die vielen Gründe darlegte, warum aus medizinischer Sicht nur ein zentralisiertes Klinikum wirtschaftlich überlebensfähig ist, wandte Ebert ein: „Diese ganzen Vorteile waren auch vor zehn Jahren schon bekannt.“ Aber trotzdem habe man „das Wohl der Bürger politischen Gründen untergeordnet“. Ebert erinnerte an die fatale Kreistagsentscheidung von 2005: „Man wollte Albstadt und Balingen haben. Die haben gemeinsam ihr Süppchen gekocht – und Hechingen ist hinten runtergefallen.“

Bitzer räumte Fehler ein: „Wir Chefärzte hätten damals einen Aufstand für die Zentralklinik machen müssen. Heute sind wir zehn Jahre schlauer.“

Dass man in Balingen dabei ist, die richtigen Lehren zu ziehen, bezweifelt in Burladingen aber nicht nur der Bürgermeister, der sich als Erster über den avisierten 200-Millionen-Neubau „in der Pampa“ mokierte. Auch CDU-Kreisrat Helmut Barth wurde deutlich: „Wir sind hier in Burladingen. Für uns ist der optimale Standort Bisingen.“ Und: „Aus unserer Sicht ist der Standort Dürrwangen-Laufen der K.o. für das Klinikum.“ Barth prophezeite: „Sie werden dort nur wenige Fälle aus unserer Gegend kriegen“. Und dann gingen auch die positiven Rechnungen nicht auf, ergänzte CDU-Stadtrat Friedemann Mutschler. Er fragte sich, ob die Verantwortlichen des Klinikums „die Fallzahlen aus der viertgrößten Stadt des Kreises bereits abgeschrieben haben“.

Bitzer und Pauli beschwichtigten unisono: „Die Burladinger Patienten sind uns sehr wichtig. Bei uns sind Sie nicht abgehängt.“ Hoffnungen auf einen anderen Zentralklinik-Standort machte der Landrat den Burladingern jedoch nicht. Untersuchungen hätten ergeben, dass Bisingen „nicht so optimal ist“ wie der Standort zwischen Albstadt und Balingen. Man brauche, so Pauli, für den Erfolg unbedingt „den intelligentesten Standort“ – und das sei der, „der für die meisten Zollernälbler günstig ist“. Doch für die Burladinger werde sich eine Anfahrt, die um ein paar Kilometer länger sei, lohnen, wenn sie in einem neuen Zentralklinikum die bessere Versorgung bekämen.

Sehr empfänglich zeigte sich Pauli für die Kritik an der unzureichenden Notarztversorgung im Raum Burladingen. Der Landrat sicherte zu, man werde im Kontakt mit den Nachbarlandkreisen Reutlingen und Sigmaringen alles unternehmen, um für die Burladinger Alb eine akzeptable Lösung zu finden.

Der Strauß, den sich Ebert und Pauli lieferten, hatte damit aber noch nicht einmal begonnen. Das Plädoyer des Stadtoberhauptes lief darauf hinaus, sich im Zollernalbkreis künftig auf Notfallaufnahme und medizinische Grundversorgung zu beschränken und sich einen 200-Millionen-Euro-Neubau zu sparen. Die Patienten aus dem Zollernalbkreis könnten auch auf die Nachbarlandkreise ausweichen. Was den Burladingern zugemutet werde – nach Sigmaringen und Reutlingen zu fahren –, müsse auch für Balinger und Albstädter hinnehmbar sein.

Der Zollernalbkreis als weißer Fleck in der Krankenhauslandschaft? Diesem Szenario erteilten Pauli und Bitzer eine klare Absage. Die Auswirkungen, so Bitzer, wären immens. Ohne kommunales Krankenhaus, so das Hauptargument, wäre auch die ambulante und die notärztliche Versorgung im Kreis gefährdet. Und Pauli betonte: „Es ist keine kommunalpolitische Option, sich wegzuducken.“ Im selben Atemzug erteilte er auch allen Privatisierungsüberlegungen eine Absage, denn: „Privatkliniken neigen dazu, Patienten zu selektieren.“