Burladingen / HARDY KROMER  Uhr
Die Burladinger haben die passende Antwort auf die Nazi-Schmierereien gegeben: Schon am ersten Wochenende haben sich fast 200 Zuschauer den Elser-Film angesehen. Die Polizei hat das Kino geschützt.

Dieses Signal war überfällig: Ein breites gesellschaftliches Bündnis hat am Wochenende zum Ausdruck gebracht, dass rechtsradikale Umtriebe in Burladingen nicht geduldet werden. 70 Kinogänger am Freitag und über 100 am Samstag füllten den Saal der Alb-Lichtspiele, deren Betreiber Ludwig und Doris Schülzle sich dazu entschlossen hatten, den Film "Elser - Er hätte die Welt verändert" trotz der Nazi-Attacke gegen ihr Haus zu zeigen.

Am Samstagabend folgten die Burladinger in großer Zahl dem Aufruf der Vereinsgemeinschaft, sich mit den Schülzles solidarisch zu erklären und den Nazi-Parolen demonstrativ die Stirn zu bieten. Unter den Besuchern des Elser-Films waren Wolfgang Schroft, der Sprecher der Burladinger Vereine, sein Stellvertreter Helfried Ringel, CDU-Stadtverbandschef Frank Schroft, der evangelische Pfarrer Christoph Dinkelacker, der SPD-Landtagsabgeordnete Klaus Käppeler, die Hettinger Bürgermeisterin Dagmar Kuster, Forstdirektor Hermann Schmidt vom Förderverein Städteparnterschaft und etliche weitere Vereinsvorsitzende.

Ihnen allen (und auch den weniger prominenten Gästen aus der ganzen Region, von denen viele erstmals seit Jahren mal wieder im Burladinger Kino waren) dankte Doris Schülzle, bevor der Vorhang aufging, in kurzen, bewegenden Worten. Sie sei, bekannte sie, "geschockt" gewesen, "in meinem Alter noch das Wort ,Verräter' an der Wand unseres Hauses zu sehen". Dieses sowie Hakenkreuze und Nazi-Parolen hatten Straftäter aus der rechten Szene vor knapp zwei Wochen an die Fassade der Alb-Lichtspiele gesprüht, weil das Kino die neonazikritische Dokumentation "Blut muss fließen" gezeigt hatte. Inzwischen, so ließ Doris Schülzle in ihre Seele blicken, habe man sich wieder gefangen - wegen der "tollen Unterstützung", die sie und ihr Mann von den Bürgern und den Vereinen erfahre. Ihr besonderer Dank galt Initiator Schroft: "Wolfgang, wir trinken mal ein Bier oder zwei."

Auf die warmen Worte folgte harte Kost. Das Publikum verfolgte gebannt, wie explizit "Elser"-Regisseur Oliver Hirschbiegel Folterszenen zeigt, wie schonungslos er die Grausamkeit und Unmenschlichkeit der Nazi-Schergen auf die Leinwand bringt. Sein Film ist die späte Würdigung eines einfachen Mannes von der Alb, der - nicht von Ideologie, sondern von bodenständiger Moral getrieben - versucht hat, den Tyrannen und Völkermörder Adolf Hitler zu stoppen, bevor alles zu spät war. Es war hart, aber wichtig, sich diesen Stoff just am 70. Jahrestag der Kapitulation Nazi-Deutschlands zu vergegenwärtigen.

Bedröppelt schweigend verließen die Kinogänger nach zwei Stunden den Saal. Draußen, in der Zollernstraße, fuhr eine Polizeistreife unverdrossen Patrouille. Am Freitag waren schon Zivilbeamte des Staatsschutzes im Saal gewesen. "Das", sagt Doris Schülzle, "hat uns doch sehr beruhigt".

Info Weitere Vorstellungen des Elser-Films gibt es am Dienstag und Mittwoch um 20 Uhr in den Alb-Lichtspielen.