Der Rücktritt Harry Eberts ist amtlich – so sieht es die CDU-Fraktion, nachdem Beigeordneter Berthold Wiesner am Donnerstag gegenüber dem Gemeinderat bestätigt hatte: ja es stimme, der Bürgermeister habe seinen Mitarbeitern am Dienstag mitgeteilt, er werde sein Amt zum 31. Oktober zur Verfügung stellen.

Wie CDU-Fraktionssprecher Michael Eisele daraufhin in der Sitzung sagte, akzeptiere und respektiere seine Fraktion die Entscheidung des Stadtoberhauptes. Man sehe darin „die Möglichkeit eines Neubeginns“. Der neu gewählte Gemeinderat und ein neuer Bürgermeister könnten „gemeinsam an einem Strang ziehen und die Weiterentwicklung der Stadt voranbringen.“

Im Landratsamt hält man sich dagegen mit den Vorbereitungen für den Neustart noch zurück: Bislang, so die Auskunft der Pressesprecherin Marisa Hahn, sei von Harry Ebert keine Rücktrittserklärung eingegangen. Wenn es soweit sein sollte, werde man prüfen, wann eine Neuwahl möglich ist.

Ein neues Spielchen?

Rosi Steinberg, Sprecherin der Freien Wähler, gibt sich vollends skeptisch. Sie traut dem Braten nicht – und Ebert ein „weiteres Spielchen“ zu: „Ich halte es da mit meinem Stadtratskollegen Alexander Schülzle, der gesagt hat, er glaubt erst an den Rücktritt, wenn er es von Harry Ebert persönlich hört. Wir haben die Aussage aus der Mitarbeiterversammlung und die Bestätigung von Berthold Wiesner. Aber was Offizielles haben wir ja immer noch nicht“, meint sie – und fügt hinzu: „Es wäre freilich schön, wenn es so wäre.“

Schön deshalb, weil zuletzt „Stillstand“ im Gemeinderat geherrscht habe. „Man hat die vergangenen zwei Jahre nur noch erledigt, was erledigt werden musste.“ Von einem neuen Bürgermeister (oder einer neuen Bürgermeisterin) verspricht sich die Fraktionssprecherin „frischen Wind und eine kooperative Zusammenarbeit“.

Die Frage, ob sich die Freien Wähler an der Kandidatensuche beteiligen und möglicherweise einen Bewerber präsentieren, beantwortete Steinberg mit einem klaren Ja. Die Fraktion verfüge über Kontakte und Beziehungen und werde versuchen, jemand wirklich Geeigneten zu finden. Das Bild des künftigen Rathauschefs sieht sie bereits vor sich: „Wir wollen einen innovativen, dynamischen und aufgeschlossenen Bürgermeister, einen, der Ideen hat und was in der Stadt bewegt.“

Auf keinen Fall dürfe es ein Sprungbrett-Kandidat sein, ein Aufsteigertyp, der seine Amtszeit in Burladingen nur dazu benutzt, um auf der Karriereleiter ein Stück nach oben zu klettern.

Der Einwand, dass die Kandidatenlage der vergangenen Bürgermeisterwahlen eher dürftig war, beeindruckt Steinberg nicht. Damals, behauptet sie, seien die politischen und wirtschaftlichen Bedingungen in der Stadt andere gewesen. Burladingen, so ihre Überzeugung, verfüge über Potential und könnte für einen Bewerber durchaus interessant sein.

Von Seiten der CDU meint wiederum Michael Eisele, die Stellenausschreibung des Bürgermeisterpostens müsse „entsprechend den Möglichkeiten schnellstmöglich erfolgen“. Eine „lange Vakanz“ sollte vermieden werden. Was die Kandidatensuche betrifft, seien jedoch erst die „nächsten offiziellen Schritte“ abzuwarten.

Dagegen sind in den Kreisen des Grünen-Ortsverbandes bereits „heiße Diskussionen“ über die Kandidatensuche im Gange – verrät der Vorsitzende Stefan Businger. Ja, es sei möglich, dass man einen eigenen Kandidaten aus dem „Partei-Pool“ präsentieren werde. Man wolle es zumindest versuchen.

Vom Rücktritt Eberts, sagt er weiter, sei er einigermaßen überrascht gewesen. „Es war klar, dass er nicht die ganze Amtsperiode durchmacht, aber damit, dass er so plötzlich geht, habe ich nicht gerechnet.“ Für korrekt hält Businger diesen Knall-auf-Fall-Abgang nicht. Aber: „Ich glaube, im Grunde sind wir alle froh darüber.“

Volles Verständnis für die Entscheidung Harry Eberts bekundet der Chef des AfD-Ortsverbandes, Joachim Steyer. Ständig habe sich der Bürgermeister mit dem Gemeinderat herumärgern müssen, sei permanenten Querelen und Anfeindungen ausgesetzt gewesen. „Er ist auch nur ein Mensch. Irgendwann hat jeder mal die Schnauze voll“, so Steyer gegenüber der HZ. Vorab gewusst habe er von dem Entschluss seines Parteifreundes nicht, versichert der künftige Stadtrat. Dass er mit dem Ausscheiden Eberts einen Vorteil verliert, sieht er nicht so.

Im Gremium gehe es doch um die Sache und um die besten Entscheidungen im Sinne der Stadt. Da könne man auch dann gut zusammenarbeiten, wenn man parteipolitisch unterschiedliche Ansichten vertritt, ist Steyer der Ansicht.

Konstituierende Sitzung soll vorverlegt werden


Amtseinsetzung Der noch amtierende Gemeinderat sollte laut Sitzungsplan nach der Sommerpause am Dienstag, 17. September, nochmals tagen, bevor sich am Donnerstag, 26. September, das neue Gremium konstituiert. Für wenig sinnvoll hielt das Rosi Steinberg. Sie schlug vor, das neue Gremium sollte bereits am 17. eingesetzt werden, um am darauffolgenden Donnerstag erstmals tagen zu können. Dann müssten die ausscheidenden Stadträte nur noch einmal und nicht zwei Mal antreten. Steinbergs Vorschlag erhielt Zustimmung, fraglich erschien aber, ob alle neu gewählten Stadträte am 17. September Zeit haben, nachdem der Einsetzungstermin ursprünglich eine Woche später geplant war. Beigeordneter Berthold Wiesner sagte zu, das prüfen zu lassen. Wenn es also möglich ist, findet die konstituierende Sitzung des neuen Burladinger Gemeinderates am 17. September statt. Weil das bestehende Gremium in diesem Fall zu keiner „eigenen“ Sitzung mehr zusammenkäme und offenbar noch wichtige Punkte abzuarbeiten sind, will man sich in kommenden Wochen in einer außerplanmäßigen „Sondersitzung“ treffen.