Melchingen / MATTHIAS BADURA  Uhr
"Rennfahrer Bieberle" und der ihn verkörpernde Gert Plankenhorn haben den Premieren- "Crashtest" am Theater Lindenhof bestanden.

Anderthalb Stunden lang schwadroniert, räsoniert, lästert Gerd Plankenhorn über die Schwaben - oder aus schwäbischer Sicht über andere Volksstämme und Menschen. Wurde aber nicht schon genug über "den" Schwaben erzählt? Zumal am Melchinger Theater Lindenhof?

Wenn ja, dann nicht in diesen Worten und aus dieser Perspektive. Es ist frisch und pfiffig, was Plankenhorn vorträgt, etwa über den Bau der Pyramiden, die Entdeckung Amerikas (allesamt schwäbische Leistungen) oder auch über seine kindheitstraumatische Prägung durch die Fernsehsendungen "Aktenzeichen XY ungelöst" oder die Verkehrsserie "Der siebte Sinn". Wie Plankenhorn bei der Premiere am Wochenende meinte, sei der "Siebte Sinn", bei dem einst die gesamte Familie chipsfutternd vor dem Fernseher mitfieberte, so etwas wie sein "Sandmännchen" gewesen.

In seinen Betrachtungen schlüpfte der Lindenhof-Mime abwechselnd in die Rolle des Rennfahrers Bieberle - "die weltberühmte Legende, die nur leider niemand so richtig kennt" - und in die Figur des Professors Härlesspalter, der die Welt erklärt. Daneben imitiert er zahlreiche weitere Charaktere und Personen. Und - ganz meisterhaft - den Klang von Motoren. Verblüffend echt und doch ulkig, wie es sich anhört, an, wenn er das Warmlaufen oder das Vorbeijagen eines Boliden auf der Rennstrecke nachmacht. Plankenhorns Stil, in dem er all das souverän vorträgt, erinnert entfernt an den des Kabarettisten Christoph Sonntag, ist aber sehr wohl eigenständig.

Dass sich in diesem anderthalb Stunden dauernden Feuerwerk nicht alle Bezüge sofort erschließen, macht gar nichts. Ein Grund mehr, das Stück nochmals anzuschauen. Das Beste dabei: Wer es bei der Premiere am vergangenen Wochenende nicht gesehen hat, hat nicht unbedingt etwas verpasst. Mit Kabaretts ist es wie mit Musicals oder Opern - sie reifen im Lauf ihrer Aufführungszeit noch nach.

Das Publikum belohnte den Rennfahrer-Professor am Schluss mit langem Applaus und Füße-Getrampel. Mehrmals musste er wieder hervorkommen, wobei er am Schluss nicht versäumte, auf die Leistungen der anderen am Beteiligten hinzuweisen, auf die der Techniker und Kulissenbauer, vor allem aber auf die von Susanne Hinkelbein. Wenn man Plankenhorn richtig verstanden hat, war der "Bieberle" seine Idee, Hinkelbein, die renommierte Komponistin und Theaterfrau, hat im dabei assistiert und die Musik geschrieben. Applaus also auch für sie.

Weiß man jetzt, wer Rennfahrer Bieberle ist? Während die Frage sogar das Internet beschäftigt, musste man als Älbler gestehen, dass sie einem zuvor noch niemals schlaflose Nächte bereitet hat. "Rennfahrer Bieberle" ist am Neckar und in anderen fernen Weltgegenden ein stehender Begriff, eine Redensart, ein nicht genau definiertes Kinderspiel sein, hierzulande jedoch eher nicht. Aber man lernt ja gerne dazu. Und zumal auf solch furiose Weise wie bei Plankenhorn. Das Stück sei daher empfohlen.

Info Weitere Aufführungen von "Rennfahrer Bieberle" gibt es am

11. Oktober und am 15. November.