Kein Tag ohne Neuigkeiten zur Burladinger Kinodebatte. Gestern meldete sich das Theater Lindenhof unter dem Motto "Ignorieren oder reagieren!" zu Wort. "Aus aktuellem Anlass", so verkündete die Pressestelle der Melchinger Bühne, stelle das Theater Lindenhof seinen Spielplan um und hole sein Georg-Elser-Stück zurück auf die Bühne. Allerdings nicht sofort. Zum einen lässt sich der Theaterbetrieb nicht so schnell umstülpen, zum anderen will man dem am heutigen Freitag in Burladingen anlaufenden Kinofilm "Elser - Er hätte die Welt verändert" keine Konkurrenz machen.

Ihr künstlerisches Solidaritätszeichen mit den Alb-Lichtspielen wollen die Melchinger Theatermacher am Mittwoch, 3. Juni, setzen. Am Vorabend des Fronleichnamstages zeigen sie statt der Komödie "Das Spiel von Liebe und Zufall" um 19 Uhr "Elser - Allein gegen Hitler" mit anschließender Podiumsdiskussion um 21 Uhr. Und beides bei freiem Eintritt! Weil die Zahl der Plätze in der Lindenhof-Scheune begrenzt ist, wird um Kartenreservierung unter Telefon 07126/929394 oder www.theater-lindenhof.de gebeten. Die Reaktion aus Melchingen ist stimmig, schließlich sind die Lindenhöfler in Sachen Georg Elser gebrannte Kinder. Wer erinnert sich? Am Abend des 27. Februar 2008, als das Melchinger Elser-Stück Premiere feierte, schmissen Aktivisten des NPD-Kreisverbandes Zollernalb Flugblätter ins Theaterfoyer, auf denen Georg Elser als "feiger Mörder" denunziert wurde, der den "demokratisch gewählten Reichskanzler Adolf Hitler" ermorden wollte. Für das Pamphlet verantwortlich zeichnete die Bisinger NPD-Funktionärin Edda Schmidt, die schon 1997 wegen Volksverhetzung und Aufstachelung zum Rassenhass verurteilt wurde.

Dass Georg Elser, der Schreiner von der Ostalb, mit seinem gescheiterten Attentat im Münchener Bürgerbräukeller zwar acht Menschen in den Tod riss, dabei aber das allemal legitime Ansinnen des Tyrannenmordes verfolgte, zeigt auch der Kinofilm "Elser - Er hätte die Welt verändert", der heute Abend um 20 Uhr in den Burladinger Alb-Lichtspielen anläuft. Ludwig Schülzle zeigt den Film im zweiten Anlauf, obwohl rechtsradikale Schmierer sein Kino mit Hakenkreuzen beschmiert hatten, nachdem er kürzlich die nazikritische Dokumentation "Blut muss fließen" gezeigt hatte. Die jüngsten öffentlichen Reaktionen lassen hoffen, dass der Film ein Publikumsrenner wird.

Die Polizei hat angekündigt, auf die Burladinger Zollernstraße ein wachsames Auge zu haben. "Wir schauen drauf. Nicht nur am Freitag, sondern auch an den anderen Tagen", sagt Michael Aschenbrenner, Sprecher des Polizeipräsidiums Tuttlingen. "Die Täter sollen sich nicht sicher fühlen."