Burladingen Auch im nächsten Leben wieder Pfarrer

Pfarrer Dr. Eugène Anowai mit einer jüngst verfassten Streitschrift im Arm. Vergeistigt ist der nigerianische Geistliche, der über das Werk von Hanna Arendt promovierte, jedoch keineswegs. Er ist gerne unter Menschen, lacht auch gerne.
Pfarrer Dr. Eugène Anowai mit einer jüngst verfassten Streitschrift im Arm. Vergeistigt ist der nigerianische Geistliche, der über das Werk von Hanna Arendt promovierte, jedoch keineswegs. Er ist gerne unter Menschen, lacht auch gerne. © Foto: Matthias Badura
Burladingen / Matthias Badura 24.08.2018
Eugène Anowai vertritt dieser Tage Konrad Bueb als Seelsorger. Am Kochherd teilen sie sich die Arbeit aber offenbar.

Er  studierte in Rom, promovierte in Louvain-la-Neuve/Belgien und hat jetzt zum zehnten Mal die seelsorgerische Urlaubsvertretung im Stadtgebiet von Burladingen und von Jungingen übernommen. Nein, Pfarrer Dr. Eugène Anowai kann in Europa nichts mehr verwundern oder gar erschüttern. Vom Kulturschock, etwa, dass sich hierzulande Paare öffentlich küssen oder Frauen in der Öffentlichkeit rauchen, steht der nigerianische Geistliche weit entfernt.

Ihm gefällt es auf der Alb, er hat im Laufe der Jahre viele Freundschaften geschlossen. „Ich fühle mich hier wie zuhause“. Und die Ordnung und Organisation in Deutschland behagen ihm ohnedies.

Was hingegen sein eigenes Land betrifft, ist seine Hoffnung seit dem letzten Gespräch mit der HZ vor knapp zwei Jahren erheblich geschwunden. Das mit Bodenschätzen gesegnete Nigeria stecke tief in der Krise, sagt er, die Versorgung mit technischen Gütern ebenso wie mit Lebensmitteln sei himmelschreiend schlecht, die Demokratie existiere nur noch auf dem Papier, der Staat gleiche eher eine Diktatur. Und noch immer verübe die Islamistenmiliz Boko Haram im Norden des Landes Anschläge.

Gleichwohl liebt der Pfarrer seinen Beruf in seiner von Misswirtschaft und Korruption gebeutelten Heimat. „Das einzige, was ich bereue ist, dass ich nicht nochmal auf die Welt kommen kann. Dann könnte ich nochmal Pfarrer werden. Immer wieder Pfarrer, sieben Mal nacheinander.“ Er lacht.

Zuhause hat der Geistliche viel zu tun, er lehrt Philosophie an der Chukwu-Odumegwu-Ojukwu-Universität und hat eine Gemeinde von 3000 Seelen zu betreuen. Die Gottesdienste sind voll und „bei der Beichte stehen manchmal bis zu 200 Menschen Schlange“, erzählt er. Verglichen damit komme ihm der Dienst in der Seelsorgeeinheit Burladingen-Jungingen wie Urlaub vor. Zumal die Kirchen immer noch leerer werden, wie er feststellt.  Stimmt ihn das traurig? Nein, der Gottesmann lacht erneut. Wir Menschen bräuchten uns darüber keine Sorgen zu machen. „Jesus weiß schon, wie er die Leute zurückholt.“ Da sei alles bestens geregelt. „Wir können lediglich beten.“

Tief beeindruckt hat ihn hingegen ein Besuch in Medjugorje während seines Aufenthaltes im vergangenen Jahr. Der Wallfahrtsort in Bosnien-Herzegowina ist innerhalb der katholischen Kirche derzeit noch umstritten. Eugène Anowai jedoch hat der Besuch überzeugt. So viele Menschen und Priester aller Nationen seien dort im Glauben vereint, staunt er. Für ihn bietet der Wallfahrtsort daher die Chance zur inneren Umkehr und zur Hinwendung an den Glauben.

Prompt griff er, als er dieser Tage im Internet einen teils kritischen Artikel über den Marienkult in Medjugorje las, zur Feder und meldete sich zu Wort. Ein Doktor und Universitätsgelehrter eben!

Genauso so sieht denn auch sein touristisches Programm aus. Auf die Frage, ob er dieser Tage noch Ausflüge unternehmen wird, antwortet er mit Ja, kommende Woche da wolle er die Uni Tübingen und die Universitätsbibliothek besuchen.

In vergangenen Jahren logierte der Seelsorger während seiner Aufenthalte im Salmendinger Pfarrhaus. Weshalb ihn die Salmendinger Gläubigen insbesondere gut kennen und ihn viele freundschaftlich, ja, fast liebevoll „Pfarrer Eugen“ nennen.

In diesem Sommer wohnt der Nigerianer im Pfarrhaus St. Fidelis bei seinem Amtsbruder Konrad Bueb. Der Hausherr und Ortsgeistliche, der zwar offiziell Urlaub hat, ist bislang nicht verreist. Ein Zwei-Männer-Haushalt also.

Nein, da lässt es sich nicht verkneifen, da muss man einfach fragen: „Wer kocht denn dann bei Ihnen?“ Eugène Anowai lacht. Diesesmal schallend. „Beide!“ Wie sich aus weiteren Andeutungen entnehmen lässt, kochen sie nicht abwechselnd sondern miteinander. Da kommt es dann offenbar schon mal vor, dass beide unwissentlich voneinander dem Gericht Salz zugeben. Was solche Speisen etwas allzu würzig geraten lässt. Zum Glück liegen die nächste Pizzeria und das „Fidelisstüble“ mit seiner Speisekarte ja gleich um die Ecke des Burladinger Pfarrhauses.

Pfarrer Anowai weilt noch bis zum 3. September in der Seelsorgeeinheit. Kennenlernen kann man ihn natürlich am besten, wenn man einen seiner Gottesdienste besucht. Etwa am kommenden Samstag in Stetten um 18.30 Uhr. Oder am Sonntag um 10 Uhr in Salmendingen.

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