In Burladingen – davon ist mittlerweile auszugehen – wird die rechte Hard­liner-Fraktion der AfD am Samstagmittag nicht allein sein. Im Internet kursieren schon mehrere Aufrufe zu Gegendemonstrationen bei der Burladinger Stadthalle (auch wenn bis Donnerstagnachmittag noch keine solche offiziell angemeldet war).

Nicht demonstrieren, sondern demonstrativ daheim bleiben will dagegen der junge Burladinger Ortsverband der Grünen. Der kritisiert in einer Stellungnahme vom Donnerstag zwar die Vergabe der Burladinger Stadthalle an den „Stuttgarter Aufruf“, den ultrarechten Flügel der AfD, als „Provokation der friedlichen Einwohnerschaft“. Die Grünen selbst wollen sich aber nicht provozieren lassen. „Auf den Versuch, unsere Gesellschaft zu spalten, wollen wir uns nicht einlassen“, heißt es. Befürchtet wird, dass „von Seiten der Veranstalter die Hoffnung besteht, dass es vor der Halle zu Ausschreitungen kommt“. Denn diese politische Gruppierung, die sich selbst von ihrer eigenen Partei verfolgt glaube, liebe es, sich als Opfer zu inszenieren, um davon abzulenken, dass sie Hass und Missgunst befördert. Aus diesem Grund fordern die Burladinger Grünen „alle wohlmeinenden Menschen“ auf, sich nicht vor der Festhalle zu versammeln. Der Ortsverband selbst plane ebenfalls keine Demonstration. „Wir bitten alle, die sehen wollen, wer da anreist, sich nur entlang der Zufahrtsstraßen aufzuhalten“, schreiben die Grünen, und hoffen auf ein „friedfertiges Wochenende“. Gezeichnet ist die Stellungsnahme von Stefan Businger, dem Vorsitzenden des Ortsverbands, und dessen Stellvertreter Peter Thriemer.

„Keine Ruhe der braunen Resterampe!“ heißt es dagegen in einem Appell der antifaschistischen „Alboffensive“. Die „Hardliner-Fraktion“ der AfD, von denen einigen ein Partei­ausschlussverfahren und die Beobachtung durch den Verfassungsschutz drohe, wolle nach ihrem Rausschmiss in Ulm „im kleinen Städtchen Burladingen“ ungestört diskutieren. „Diese Beratung wollen wir nicht ungestört lassen“, betont die „Alboffensive“ und ruft dazu auf, an diesem Samstag, 9. Februar, um 13 Uhr zur Demonstration nach Burladingen zu kommen.

Ab 13 Uhr ist, wie berichtet, Einlass in die Burladinger Stadthalle, die der Burladinger Bürgermeister Harry Ebert seinen Parteifreunden vermietet hat. Um 14 Uhr soll die Veranstaltung beginnen, zu der Doris von Sayn-Wittgenstein, Jessica Bießmann, Christiane Christen, Stefan Räpple und andere AfD-Politiker mit nachgewiesener Nähe zur Neo­nazi-Szene erwartet werden.

„Dem Rassismus keinen Raum und den Hetzern keine Ruhe“, heißt es im Demonstrationsaufruf der Antifaschistischen Aktion Tübingen. Dort wird daran erinnert, dass die Veranstalter des Burladinger Treffens dem „Flügel“ um Björn Höcke zugerechnet werden. Es handle sich dabei „vor allem um das offen faschistische Segment der rechtspopulistischen Partei, welche mithilfe völkischer Rhetorik einerseits zu provozieren und gleichzeitig die konsequente Umsetzung des parteipolitischen Programms der AfD versucht.“ „Rechte Hetze“ wolle man aber „auch in Burladingen nicht dulden“. Deshalb verabreden sich die Tübinger und Reutlinger Antifaschisten am Hauptbahnhof der Uni-Stadt, um dort am Samstag um 11.15 Uhr nach Burladingen zu starten.

AfD-Ortsverband meldet sich

Der Ortsverband Burladingen der Alternative für Deutschland hat sich am Donnerstagnachmittag ebenfalls erklärt. Joachim Steyer, Sprecher des Ortsverbands, stellt klar, dass weder der Kreisverband noch der Ortsverband der AfD im Vorfeld über die Veranstaltung informiert worden sei. Des Weiteren handele es sich nicht um eine Parteiveranstaltung der AfD, auch wenn von der Aufmachung des Werbeplakats her der Eindruck erweckt werde, die Partei würde dahinter stehen.

Wörtlich heißt es in der Erklärung: „Der Ortsverband der Alternative für Deutschland distanziert sich von der Veranstaltung. Diese schadet der Partei und trägt zu deren Spaltung bei.“

Sonderveranstaltung: Friedensgebet


Auf Einladung der Evangelischen Landeskirche in Württemberg findet an diesem Samstag, 9. Februar, um 10 Uhr ein Friedensgebet mit Pfarrerin Bärbel Danner aus Bitz als „Sonderveranstaltung“ in der evangelischen Versöhnungskirche in Burladingen statt.

Noch keine Demo angemeldet


Auf Nachfrage informierte Burladingens Bürgermeister Harry Ebert, dass bei der Stadtverwaltung bis dato keine Demonstration gegen die AfD-Veranstaltung am Samstag angemeldet wurde.

Das Landratsamt konnte bis Donnerstagnachmittag, 15.30 Uhr, gleichfalls keine angemeldete Kundgebung vermelden.

Versammlungen unter freiem Himmel sind anmeldepflichtig – beim Rechts- und Ordnungsamt des Landkreises.