Neun Wochen lang lebte und arbeitete die Willmandinger Hebamme Saskia de Koning in Nyanje, in der Ostprovinz von Sambia an der Grenze zu Mosambik. Ihrem Beruf einmal in einem Entwicklungsland nachzugehen und denen zu helfen, die nicht selbstverständlich auf die modernen Möglichkeiten der medizinischen Versorgung zurückgreifen können, das war für die 35-Jährige ein Lebenstraum. "Deshalb wollte ich nach Afrika gehen, da erlernt man die originäre Hebammenkunst", erzählt sie. Im Hospital von Nyanje kümmerte sie sich mit den Hebammen vor Ort um die medizinische Versorgung von rund 3000 Patienten im Umkreis von 25 Kilometern in diesem dünn besiedelten Gebiet.

Seit zehn Jahren ist Saskia de Koning Hebamme. Sie praktiziert in Willmandingen und in der Hebammen-Praxis Eningen unter Achalm. Gut 60 Schwangere betreut die 35-Jährige im Jahr, vom Beginn der Schwangerschaft bis zur Geburt, im Wochenbett und während der Stillzeit. Was sie in Nyanje erlebt, ist Kontrastprogramm, "es ist der Standard der 40er-, 50er-Jahre", berichtet die Hebamme, die in dieser Zeit im Haus einer sambischen Kollegin unterkam und mit im Familienverbund lebte. "Ich wurde aufgenommen, als würde ich dazugehören." Es gibt kein Telefon, kein Internet, "das Haupttransportmittel ist der Ochsenkarren." Auch die Schwangeren kommen damit aus den umliegenden Orten zur Klinik. Im Frauentrakt des örtlichen Krankenhauses, das ursprünglich von holländischen Missionaren gebaut wurde, verrichtet die deutsche Hebamme sechs Wochen Dienst.

Die Behandlung im Hospital von Nyanje ist für die Patienten kostenlos. Ein Arzt ist für das Wohl aller Patienten zuständig. Gut 50 Schwangere kommen am Tag zur Vorsorgeuntersuchung in den Mutterschaftstrakt. Geburt ist hier ausschließlich Sache der Hebammen, egal ob Saugglocken- oder Zwillingsgeburt, Beckenendlage oder Frühchen. Ein einziger Inkubator steht für die Versorgung der Frühchen zur Verfügung. "Ich habe festgestellt, dass Neugeborene unheimlich zäh sind", erzählt die Geburtshelferin. "Das hätte ich nicht gedacht."

Auch die Verweilzeiten im Krankenhaus seien ganz andere als in Deutschland, berichtet die Hebamme. Bereits vier Stunden nach der Geburt würden die jungen Mütter wieder entlassen. Nur bei schwierigen Geburten blieben die Mütter drei bis vier Tage. Nur im äußersten Notfall wird der Arzt zu Hilfe geholt.

Nicht alle Patienten kommen ins Krankenhaus, und so fahren die Hebammen in die entlegeneren Orte zur Sprechstunde. Neben der medizinischen Versorgung steht vor allem Gesundheitsschulung, Aidsprävention und Verhütung im Vordergrund. Dreimonatsspritzen werden kostenlos verteilt. Ziel der Regierung ist es, die Geburtenrate auf vier bis fünf Kinder pro Familie zu senken, Familien mit neun bis zehn Kinder seien hier keine Seltenheit. Ernährungsberatung sei ebenfalls ein ganz wichtiges Thema. "Essen gibt es", weiß Saskia de Koning, "aber oft fehlt die Kenntnis, was gut und richtig ist." Ein weiteres wichtiges Thema sei die Minderung der Frühgeburtenrate, die vor allem durch Malaria ausgelöst werde. So erhalten die Schwangeren zum Beispiel Moskitonetze. "Alle sollen unter Netz schlafen", erzählt die Hebamme. Doch meistens fehle das Verständnis für solche Maßnahmen. "Viele nutzen es nicht, oder der Mann geht fischen damit."

Von Willmandingen nach Nyanje und zurück: Für Saskia de Koning war das Kontrastprogramm. Die Probleme, mit denen sie in Deutschland konfrontiert werde, seien einfach ganz anders. Manchmal wünsche sie sich etwas mehr diese afrikanische Gelassenheit. Ihr Eindruck: "Die Frauen ruhen mehr in sich." Hierzulande hätten die Frauen mehr Angst, dass mit dem Kind etwas sei, und das werde verstärkt durch eine medizinische Überversorgung. "Viel Lebens- und Berufserfahrung nehme ich wieder mit nach Deutschland", aber "dort ist dort und hier ist hier", unterstreicht die Willmandingerin. "Ich bin einfach dort gewesen." Und: Die Erfahrungen nützen ihrer Arbeit in Deutschland. Davon könne sie, aber auch ihre Patientinnen auf der Alb noch lange profitieren.